Der Würzburger Stadtteil Grombühl
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war "Grombühl" lediglich der Name einer Flurabteilung
jenseits des Befestigungswalles und des Glacis der Stadt Würzburg. Der Name findet
sich zuerst in einer Urkunde vom Jahre 1296, wo des alten Galgens, patibulum in
loco Cranbuhel, soviel wie Krähenbühl, Erwähnung geschieht.
Als der neue Bahnhof in den Jahren 1863 - 69 errichtet wurde, entstand auch in Grombühl die erste Häuserreihe - die Grombühlstraße. Hier wohnten die bei der Eisenbahn angestellten Beamten und Bediensteten.
Als am 23. Mai 1880 die Grombühlbrücke in fester Eisenkonstruktion errichtet wurde, zählte Grombühl 1.800 Einwohner, 1890 waren es bereits 4.000 und im Jahre 1900 schon 10.000. Ungefähr 8.000 davon waren katholisch. Die Bevölkerung Grombühls kam aus den vollen Bauernstuben der fränkischen Dörfer. Leute, an Arbeit und Sparsamkeit gewöhnt, treu und redlich. (Quelle: (1)
Heute wird Grombühl vor allem von vielen Studenten und jungen Familien wegen der teilweise recht günstigen Mieten bevorzugt. Auch viele Angestellte des nahe gelegenen Klinikum der Julius-Maximilians-Universität leben hier. Daran das Grombühl ursprünglich das "Eisenbahnerviertel" von Würzburg war, erinnern heute eigentlich nur noch einige der alten Häuser wie sie auf dem ersten Bild links unten zu sehen sind. Das Bahnbetriebswerk zwischen Ständerbühl- und Rimparer Strasse, das früher Arbeitgeber für sehr viele Menschen (Grombühler) war, existiert zwar noch, lange aber schon nicht mehr in den Ausmaßen wie früher (siehe Artikel weiter unten).
Ein alter Grombühler erzählte mir aus seiner Kindheit, dass es früher nicht möglich war, die frisch gewaschene weisse Wäsche im Garten auf der Leine zu trocknen. Der Qualm und Dampf der vielen Dampfloks hätte die Wäsche angeblich sofort grau bis schwarz gefärbt. Lange ist es her...
Fotos und Informationen aus Grombühl
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Das Bahnbetriebswerk in Grombühl
Das alte Bahnbetriebswerk zwischen Ständerbühl- und Rimparer Strasse hat seine besten und damit
die "betriebsamen" Zeiten lange hinter sich gelassen. Vor allem die
Gebäude des
Bahnbetriebswerks "BW1" gammeln heute nur so vor sich hin und sind teilweise in einen wahren Dornröschenschlaf verfallen.
An vielen Stellen wachsen Büsche, Bäume und Gräser wo früher Dampfloks und später
Diesel- und E-Loks ihre Heimat hatten.
Drei Lokschuppen gab es ursprünglich. Haus 1 (Bilder 1. Reihe links) ist so stark vom Verfall betroffen, dass es schon lange wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt wurde. Zuletzt war dort die Dampflok 52 7409 in den späten 1980er Jahren für Ihre Renovierung untergestellt. Haus 2 in der Mitte wurde schon in den 1950er Jahren abgerissen. Heute ist hier noch eine Drehscheibe und der "Parkplatz" für einige in Würzburg stationierte E-Loks. Haus 3 beherbergt unter anderem einige Reparaturfahrzeuge der Bahn. Zusätzlich ist die Halle teilweise an andere Eisenbahngesellschaften vermietet die hier ihre Fahrzeuge unterstellen. Die Bilder zeigen ganz gut wie der "Zahn der Zeit" an Gebäuden und Gelände nagt...
Schade, dass Bahn und Stadt nicht in den Erhalt dieser historischen Gebäude investieren. Aus so einem Lokschuppen könnte man ein schönes Kulturzentrum machen. Ein gutes Beispiel ist der "Lokschuppen Rosenheim"...
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Das Bahnbetriebswerk (BBW) früher
In früheren Zeiten war das Bahnbetriebswerk nicht nur ein "normales" Bahngelände, sondern gehörte an einer Stelle auch zum Bereich "Rotlicht" in Würzburg. Das schöne alte Gebäude aus den Anfangstagen des vorigen Jahrhunderts wurden bis vor rund 10 Jahren noch von einigen Prostituierten der Stadt als Domizil genutzt. Eine Anwohnerin aus der Nachbarschaft die ich hier beim Fotografieren zufällig traf, erzählte mir einige Geschichte dazu und beschrieb, wie die "leichten Mädchen" gegenüber dem Haus an einem Mauervorsprung leicht bekleidet sitzend auf ihre Kundschaft warteten.
Das Gebäude steht aktuell (Oktober 2010) übrigens leer und wurde verkauft um vom künftigen Besitzer hoffentlich renoviert zu werden. Es wäre doch schade um so ein schönes altes Haus welches übrigens nicht der Bahn gehört und auch nie gehörte. Wer sich wie ich darüber wundert, warum man ein solche Haus direkt an die laute Bahnstrecke gebaut hat, muss erst einmal ein wenig in der Zeit zurück denken... Damals (ca. um 1910) führten die Bahngleise noch nicht so nah am Haus vorbei. Und auch hinter dem Gebäude gab es lange noch nicht den dauerhaft lärmenden und von Autoabgasen stinkenen Stadring. Das Haus stand also relativ gesehen im "grünen", denn dahinter kamen nur noch die Weinberge...
Das ehemalige Gaswerk an der Ständerbühlstrasse
Im März 1875 begannen auf diesem Gelände an der Ständerbühlstrasse in
Grombühl die Bauarbeiten für das städtische Gaswerk. Hier wurde bis 1965
Stadtgas produziert - also aus Steinkohle (auch Braunkohle) gewonnenes
brennbares Gas für Heizung und Beleuchtung. Auch die öffentlichen Busse wurden
nach dem Krieg mit Stadtgas betrieben und hatten Gasblasen aus Gummi als
Vorratsbehälter auf den Dächern montiert. Das fertige Gas wurde in zwei sehr
großen Gaskesseln gespeichert die man wegen ihrer Größe auch aus der
Entfernung gut sehen konnte - die so genannten "Gasometer". Dieses alte Foto zeigt eine Luftaufnahme von 1955 der kompletten Anlage. Die ehemals mit grüner Rostschutzfarbe bestrichenen Behälter wurden aber bereits in den 1990er Jahren entfernt nachdem man keine Verwendung mehr dafür hatte. Vor dem Abriss gab es
auch in Würzburg die Überlegung aus den Kesseln eine Ausstellungsfläche bzw.
eine Art Kulturzentrum zu machen (vergleiche das Gasometer in
Oberhausen / NRW. Dieses wird heute als Kunst- und
Ausstellungshalle verwendet und war das größte Europas). Die Idee wurde
damals aber u.a. aus finanziellen Gründen zugunsten des Abrisses schnell verworfen.
Das verwitterte Gebäude links oben (Aufnahme 2005), sowie das renovierte Haus rechts (Aufnahme Oktober 2010) zeigt das ehemalige Hauptgebäude des Gaswerks. Es wurde von 1932 - 1934 im Stil der "neuen Sachlichkeit" errichtet und steht inzwischen unter Denkmalschutz. In den Turm wurden nach dem Zweiten Weltkrieg fünf Stockwerke eingebaut und Notwohnungen eingerichtet. Nach der Renovierung in den 1990er Jahren wird das Wohnhaus heute als Bürogebäude genutzt, die Halle als Werkstatt und Lagerraum. Im Turm befindet sich das historische Archiv der WVV.
(Quelle: (2)
Weiterführende Links
- Artikel über Grombühl bei Wikipedia.de
- Homepage des TSV Grombühl (Sportverein)
- Homepage der Gemeinde St. Josef der Bräutigam in Grombühl
- Kultmeile Grombühl: Menschen im Blickpunkt - kulturelle Angebote in Grombühl
Grombühl bei Google-Maps
Verwenden Sie auch den Stadtplan mit Straßensuchfunktion...
Quellen
(1) Der Text im oberen Abschnitt dieser Seite stammt von der Homepage der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef in Grombühl. Geschrieben hat ihn Pfarrer Hugo Weyermann für die "Chronik der Pfarrei St. Josef Würzburg-Grombühl". Weitere Informationen findet man auf der informativen Homepage der Gemeinde.
(2) Informationen aus diesem Artikel stammen zum Teil aus der Stadtteilzeitschrift "Meeviertel Anzeiger" (08/2006), sowie von der Webseite des historischen Archivs der WVV.
Letzte Aktualisierung: 16.01.2012

























