Der Würzburger Stadtteil Heuchelhof
Auf
dieser Seite geht es ganz speziell um den Würzburger Stadtteil Heuchelhof und
das Wohngebiet "H1". Hier habe ich selber von meiner Geburt bis zum 14. Lebensjahr (1988) gewohnt. In den letzten Jahren hat sich sehr viel zum positiven verändert in diesem
Stadtteil. Wenn man heute jemanden in Würzburg zu diesem Stadtteil befragt,
dann sind die Eindrücke und Meinungen über den Heuchelhof häufig recht
subjektiv. Jeder hat schon mal irgend welche "Schauergeschichten" von
Waffenhandel, Russenmafia oder ähnlichem gehört. Wie viel davon wahr ist und
ob diese Geschichten tatsächlich stimmen, ist eine ganz andere Frage.
Letztendlich gibt es in diesem Stadtteil natürlich Probleme und auch
Kriminalität. Dies ist aber auch in anderen Würzburger Stadtteilen und in anderen Städten in Deutschland so. Sicherlich gibt es hier ein höhreren Ausländeranteil als in anderen Stadtteilen, auch gibt es hier mehr sozial schwächere Familien. Im Umkehrschluß bedeutet dies aber nicht automatisch mehr Kriminalität.
Aus Erzählungen meiner Eltern und anderer "alter Heuchelhöfer" weiß ich, dass früher vieles tatsächlich anders war. Damals (1974) konnte man sogar noch Fasane, Rehe und andere Tiere zwischen den Häusern auf den Grünflächen sehen. Das sich dies mit der zunehmenden Bebauung geändert hat und heute nicht mehr unbedingt so ist, ist nicht zu verdenken. Auch die Gemeinschaft der "Erstbesiedler" auf "dem Berg" war noch eine andere (engere) da es viel weniger Menschen waren als heute. Mit viel Engagement und Idealismus mussten die Bürger damals wohl ausgestattet gewesen sein. Anders lässt es sich wohl nicht erklären, dass z.B. die ersten Gottesdienste im September 1973 - mangels einer eigenen Kirche - am Strassburger Ring 23 in einer von der Kirche gekauften Eigentumswohnung statt fanden. Erst an Weihnachten 1973 kam ein altes Rundzelt auf den Heuchelhof das dann als Kirche diente. Der erste Supermarkt war im Hausdurchgang der Bonner Strasse 4 angesiedelt. Und in direkter Nachbarschaft auf dem großen Spielplatz waren es die Eltern der Kinder die hier ein großes Holzhaus als Spielfläche bauten (es musste aus technischen Gründen vor einigen Jahren entfernt werden). In den ersten Jahren fuhr auch noch die Buslinie 30 (und 32 nach Rottenbauer) die Später durch die Straßenbahnlinie 5 ersetzt wurden. Erst 1976 kam die Grundschule hinzu und ungefähr zur selben Zeit war auch der Place de Caen (Marktplatz) mit der ersten richtigen katholischen Kirche fertig gestellt. Der Name des Marktplatzes ist übrigens Würzburgs Partnerstadt Caen in Frankreich gewidmet.
Was will diese Seite zeigen?
Speziell diese Seite existiert in der Homepage schon einige Jahre.
Ursprünglich mit anderen Texten und Bildern. Einigen Heuchelhöfern hat aber meine
damals "subjektive Darstellung" der Dinge nicht gefallen. Sie traten an mich heran und baten um einige Änderungen. Nach einem Ortstermin mit der 1. Vorsitzenden des "Bürgervereins Heuchelhof" (Christiane Kerner) und einem langjährigen Heuchelhöfer (Paul Karl), bin ich für mich zu dem Ergebnis gekommen, diese Seiten anders zu gestalten
- es hat sich nämlich wirklich einiges getan!
Und genau das ist es, was diese Seite zeigen möchte. Der Heuchelhof hat nicht nur negative Seiten! Die Kirchen, Bürger und Schulen - und vor allem der Bürgerverein - sind hier sehr bei der Sache und bemühen sich stark um ihren Stadtteil.
Nach wie vor findet man hier die Geschichte des Stadtteils anhand von Daten einer Arbeit der Universität Würzburg und einige Fotos. Mit diesen Bildern möchte ich zeigen wie der Heuchelhof sich in den letzten Jahren auch und vor allem zum positiven entwickelt hat. Die Bilder zeigen deswegen teilweise einen "vorher - nachher" Vergleich...
Die Geschichte des Stadtteils
Die
Geschichte dieses Stadtteils von Würzburg begann am 05. Juli 1961. An diesem Tag
hat die Stadt Würzburg das "Gut Heuchelhof" mit einer Gesamtfläche von 280 Hektar
erworben. 1974 kamen weitere Flächen durch die Eingemeindung von Rottenbauer hinzu. Nachdem sich bei den Verantwortlichen der Stadt Würzburg die Ansicht durchgesetzt
hatte, dass man auf dem Heuchelhofplateu den attraktivsten Standtort gefunden
habe, wurde Mitte der 1960er Jahre ein Wohnviertel für 20.000 Einwohner geplant (tatsächlich
wohnen ca. 13.500 Einwohner in den Abschnitten H1 bis H7). 1966 wurde
die "Heuchelhofgesellschaft" als Management und Bauträgergesellschaft gegründet
die einen "begrenzten städtebaulichen Ideenwettbewerb" durchführte. Sieger des Wettbewerbs
war der Nürnberger Architekt Gerhard Dittrich der den ersten Bauabschnitt "H1" (Strassburger Ring) konzipierte. Die weiteren Bauabschnitte wurden
chronologisch nach ihrer Erbauung in H1 bis H7 benannt. Auf den Architekten Alexander von Branca aus München geht die Anlage der Rundlinge in den weiteren Baukreisen zurück. Im Jahr 2000 hat er auch die neue evangelische Gethsemane-Kirche gestaltet.
Die Bebauung stellt in vielerlei Hinsicht eine typische Stadterweiterung der BRD in den 1960er Jahren dar.
Man setzte bewusst auf städtebauliche Verdichtung.
Ringförmig
wurden bis zu zwölfgeschossige Hochhäuser terassenartig angeordnet (siehe Fotos), die von einem hauptsächlich aus Eigenheimen bestehenden Außengürtel
umzogen wurden. Außer dem phantastischen Ausblick fanden die ideale Wohnungsaufteilung
des öfteren lobende Worte. Dittrich entwarf ein neuartiges Erschließungssystem,
indem große Teile des Innenrings von H1 mit Tiefgaragen unterbaut wurden. Somit
wurde eine völlige Trennung von Fahr- und Fußverkehr ermöglicht. Leider wurden
jedoch auch bald die Nachteile dieser neuartigen Bauweise sichtbar. Neben der
anonymen und für heutige Maßstäbe unattraktiv dichten Bauweise, machten sich die
einseitige Belegung der Wohnungen im ersten Bauabschnitt bemerkbar, wodurch sich
der Heuchelhof sehr bald zu einem nicht unproblematischen Wohngebiet entwickelte.
Innerhalb desStrassburger Rings sind neben nur 100 Eigentumswohnungen
insgesamt
1.200 Sozialwohnungen konzentriert. Die Belegung dieser Sozialwohnungen erfolgte
fast ausschließlich mit Personengruppen unterer Einkommensschichten, wozu insbesondere
Sozialhilfeempfänger, Spätaussiedler und Ausländer zählen. Durch diese einseitige
Ausrichtung waren soziale Spannungen quasi vorprogrammiert. Diese Umstände forderten
soziale Konflikte in dem jungen Stadtteil. Es entwickelte sich allmählich eine
Zwei-Klassen-Gesellschaft im H1. Auf der einen Seite standen die Wohnungsbesitzer,
auf der anderen Seite die Bewohner der meist im Sozialbau entstandenen Mietwohnungen.
Resultat war eine Attraktivitätsminderung innerhalb des Strassburger Ringes mit
einer absinkenden Wohnungsnachfrage.
Der Heuchelhof im Förderprogramm "Soziale Stadt"
Das Städtebauförderungsprogramm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und der Länder wurde im Jahr 1999 mit dem Ziel gestartet, die "Abwärtsspirale" in benachteiligten Stadtteilen aufzuhalten und die Lebensbedingungen vor Ort umfassend zu verbessern. Die Soziale Stadt startete im Jahr 1999 mit 161 Stadtteilen in 124 Gemeinden; im Jahr 2008 waren es bereits 523 Gebiete in 326 Gemeinden. Mit Schreiben vom 18. August 1999 hat das Bayerische Staatsministerium des Innern mitgeteilt, dass die Maßnahme "Würzburg-Heuchelhof H1" in das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm 1999, Teil II "Soziale Stadt" aufgenommen wurde.
Bereits zur Bewerbung wurde eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Sozial-, Finanz- Umwelt- und Baureferat sowie der Stadtbau GmbH Würzburg gebildet, die die wesentlichen Verfahrensschritte gemeinsam vorbereitet. Als eine von vielen Maßnahmen wurde das ehemalige evangelische Gemeindezentrum von der Stadt Würzburg erworben und zu einem Stadtteilzentrum umfunktioniert. Das Stadtteilzentrum sollte dadurch zum organisatorischen Mittelpunkt und zum Kommunikationszentrum für die notwendigen sozialen Maßnahmen werden. Das gesamte Programm "Soziale Stadt" wird durch eine Steuerungsgruppe, der Mitarbeiter/-innen des Bau-, Sozial- und Umweltreferates, der externen Büros, der Wohnungsbaugesellschaften und der Regierung von Unterfranken angehören, koordiniert und begleitet. Die Steuerungsgruppe tagt in regelmäßigem Rhythmus.
- "Perspektive für den Heuchelhof H1"
Webseite zum "Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm II - "Soziale Stadt" mit sehr vielen weiterführenden Informationen und Bildern sowie Grafiken. Hier kann man sehen, was bereits erneuert und durch das Förderprogramm umgesetzt wurde.
- soziale-stadt.de
Grundsätzliche Informationen zum Förderprogramm mit weiterführenden Informationen
Erste Wohnblöcke am Heuchelhof werden verkauft
Das Förderprogramm "Soziale Stadt" hat in den letzten 10 Jahren am Heuchelhof sehr viel zum
positiven hin verändert - das war auch drigend nötig! Dank der Aufwertung des kompletten Stadtteils, interessieren sich inzwischen offensichtlich auch private Investoren für die rund 40 Jahre alten Wohnblöcke. Die Wochenzeitung "Markt" berichtet in einem Artikel vom 30. Mai 2010 von einer Immobilienfirma (Würzburger Grundbesitz GmbH) die 51 Wohnungen von der kommunalen Stadtbau GmbH übernommen hat. Die Hochhäuser in der Bonner Straße 13 bis 17 sollen demnach ab Juli 2010 für gut 2 Millionen Euro renoviert und anschließend als Eigentumswohnungen verkauft werden. Die Preise für die überwiegend 3-Zimmer-Apartments bewegen sich dann um rund 100.000 Euro.
Bilder vom Heuchelhof
Wegen
der Vielzahl von Bildern zum Thema "Heuchelhof", habe ich eine zweite Seite dafür
angelegt.
Der Heuchelhof bei Google-Maps
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Quellen
Viele Informationen dieser Seite stammen aus der Arbeit "Sozialer Brennpunkt oder Stadtteil mit Aussicht - Geographische Untersuchung zur Einzelhandelssituation im Würzburger Stadtteil Heuchelhof" aus dem Jahr 2001 von der Universität Würzburg - vielen Dank dafür! Weitere Informationen über den Heuchelhof findet man auch auf den Seiten von wikipedia.de
Letzte Aktualisierung: 17.01.2012


