Der Würzburger Stadtteil Keesburg / Sieboldshöhe
Der Würzburger Stadtteil Sieboldshöhe oder auch Keesburg ist ein besonders ruhiger Stadtteil von Würzburg der - wie es der Name schon verrät - auf einer Anhöhe liegt.
Besonders auffallend ist dort die vom Architket Hubert Groß in den Jahren 1936 bis 1938 errichtete Siedlung in den folgenden Straßen: Damaschke-, Ketteler-, Schanz-, Bodelschwingh- und Cronthalstraße. Auf der Google-Map kann man die Siedlung und ihre Anordnung recht gut erkennen. Zu finden direkt rechts neben dem Pfeil.
Wer war Hubert Groß?
Nach einer erfolglosen Bewerbung um die Stelle eines Stadtbaurates in Homburg a. d. Saar, wurde Groß am 15. Februar 1931 als Leiter des Hochbauamtes der Stadt Würzburg im Angestelltenverhältnis eingestellt. Eine Übernahme ins Beamtenverhältnis, wie von Groß angestrebt, wurde zunächst nur in Aussicht gestellt. Gleichzeitig wurde auch Rudolf Schlick, der bei Groß in Speyer als Referendar gewesen war, neuer Leiter des Stadtplanungsamtes von Würzburg.
1932 trat Groß in die Bayerische Volkspartei ein und wurde im Januar 1933 von
der Stadt Würzburg in das Beamtenverhältnis übernommen. Seine Kompetenzen und
dienstlichen Aufgaben sah er allerdings als nicht befriedigend an. Dies
änderte sich erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und dem
damit auch in Würzburg ausgelösten Aufgabenzuwuchs durch die Schaffung
zahlreicher neuer städtischer Bauten. Groß zeigte sich empfänglich von dem
durch die neuen politischen Machthaber bewirkten wirtschaftlichen Aufbruch in
Deutschland, den er durchaus auch für seine Karriere als nützlich ansah,
selbst wenn er der nationalsozialistischen Ideologie keine Begeisterung
entgegenbringen konnte. Er sah jedoch die handfesten Vorteile einer Anpassung
an die neue politische Richtung, deren totalitäres Selbstverständnis nur noch
Anhänger und Gegner kannte. So trat er wie viele andere am 1. Mai 1933 der
NSDAP bei und wurde Mitglied des „Stahlhelms“. Als dieser im Mai 1934 in die
SA überführt wurde, war er SA-Mann; gleichzeitig war er seit 1933
Kreispropagandawart des Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Techniker,
seit 1934 Leiter der Heimstätten in der Kreisverwaltung der Deutschen
Arbeitsfront, seit 1936 Landessiedlungswart im Landesverband des Reichsbundes
der Kinderreichen und ehrenamtlicher Geschäftsführer der gemeinnützigen
Baugesellschaft für Kleinwohnungen. Aus der SA ist Groß allerdings zum 1.
August 1936 wieder ausgetreten. Beim Anschluss Österreichs wurde Groß zu einem
Straßenbaubataillon der Wehrmacht einberufen.
Zum 1. Januar 1939 ordnete der Würzburger Oberbürgermeister Theo Memmel aus
nichtnäher bekannten Gründen einen Wechsel in der Leitung des
Stadtplanungsamtes und des Hochbauamtes an, so dass Groß nunmehr das Amt für
Stadtplanung und Stadterweiterung und sein Kollege Schlick das Hochbauamt
übernahmen. In dieser Position wuchs Groß mit der von der Regierung von
Mainfranken geforderten Erstellung eines Wirtschaftsplanes [1], die nach
seinen Angaben größte und wichtigste Aufgabe seines Lebens zu. Obwohl ihm die
fachtheoretischen und praktischen Erfahrungen hierfür fehlten, sah er die neue
Aufgabe als Herausforderung, die noch an Attraktivität gewann, als er im März
1939 Kenntnis davon erlangte, dass Würzburg durch „Erlaß des Führers und
Reichskanzlers über städtebauliche Maßnahmen in der Stadt Würzburg“ vom 17.
Februar 1939 (RGBl. I, S. 265) zur Neugestaltungsstadt im Sinne des
„Führererlasses“ vom 4. Oktober 1937 (RGBl. I, S. 1054) erklärt wurde und der
mainfränkische Gauleiter den Auftrag erhielt, die im Erlass vom 4. Oktober
1937 genannten Maßnahmen durchzuführen. In Eigeninitiative entwarf Groß mit
seinem Mitarbeitern Hans Schädel, Karl Schmaderer und Otto Nürnberger, der im
Tiefbauamt für den Bau des neuen Hafens in Zell zuständig war, vier Varianten
zur Neugestaltung der Gauhauptstadt Würzburg. Bereits am 11. April 1939 konnte
Groß ein Gipsmodell im Maßstab 1:250, das eine Münchner Fachwerkstatt
angefertigt hatte, zusammen mit dem ersten Bauvorschlag mit der Bezeichnung
„0“ vorweisen. Komplettiert durch drei weitere Varianten präsentierte Groß
diese Anfang Mai 1939 dem Stadtoberhaupt und dem Gauleiter von Mainfranken Dr.
Otto Hellmuth. Dem Gauleiter gelang es schon am 13. Mai 1939 die Modelle dem
Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin und Architekten Nr. 1 im
Dritten Reich, Albert Speer, vorzustellen und begutachten zu lassen. Die
Arbeit von Groß stieß auf eine positive Resonanz bei Hitlers
Lieblingsarchitekten, so dass dieser die Pläne und Modelle auf den
Obersalzberg schaffen ließ, um sie Hitler und etwa 50 Gästen am 20. Juni 1939
vorzuführen.
Groß konnte dort zusammen mit dem Würzburger Oberbürgermeister Memmel und Gauleiter Hellmuth seine Planungen persönlich vorstellen und Fragen beantworten. Hitler äußerte sich zustimmend und entschied sich seltsamerweise für die Weiterentwicklung der Variante, die eine asymmetrische Anordnung der Baublöcke vorsah. Vom Ergebnis der Planpräsentation und -prüfung an höchster Stelle, erstattete Oberbürgermeister Memmel dem Würzburger Stadtrat am 15. August 1939 Bericht und betonte, dass Groß vom „Reichsinspektor den ehrenvollen Auftrag“ erhalten habe „die gesamten Vorprojekte fertig zu stellen“.
Die Weiterberarbeitung musste jedoch bald darauf zurückgestellt werden, da zunächst der Wirtschaftsplan vorrangig war und Groß bereits am 20. August 1939 als Führer der 3. Kompanie des Straßenbaubataillons 571 zu einer Übung nach Ingelfingen eingezogen wurde. Am 1. September 1939, also dem Beginn des Krieges gegen Polen, wurde die Einheit von Groß in das oberschlesische Windenau zum Bau eines Knüppeldammes im Kreis Rosenberg beordert. Im Oktober absolvierte Groß in Sterkrade bei Oberhausen eine „Einschulung auf (den) Felddienst“.
Quelle und viele weitere Informationen über Hubert Groß:
wikipedia.de
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direkt bei
Wikipedia.de nach "Hubert Groß")
Bilder aus dem Stadtteil Sieboldshöhe / Keesburg
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Die Sieboldshöhe bei Google-Maps
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Letzte Aktualisierung: 25.04.2010












