Das Lusamgärtchen

Blick in das LusamgärtchenDas Lusamgärtchen an der Nordseite der Neumünsterkriche lag einst inmitten des spätromantischen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichteten Kreuzgangs des Kollegiatstifts Neumünster.

Gedenktafel für Walther von der Vogelweide im LusamgärtchenDer allein erhaltene Nordflügel des Kreuzgangs war wohl schon vor der Mitte des 16. Jahrhunderts vermauert worden, er wurde erst 1883 bei Abbrucharbeiten wieder entdeckt. Als herausragendes Beispiel staufischer Architektur und Plastik für die Berliner Museen erworben, verblieb er auf Intervention des Prinzregenten Luitpold von Bayern in Würzburg und wurde im Garten des ehemaligen Luitpold-Museums in der Maxstrasse aufgestellt. Nach dessen Zerstörung im Jahr 1945 kehrte die Arkadenreihe 1953 in das Lusamgärtchen zurück. Die 16 Arkaden werden im Wechsel von Säulen und Pfeilern gestützt, von denen einige Reliefbilder tragen. Die Darstellungen des thronenden Christus und des segnenden heiligen Kilian zählen zu denfrühesten Werken der Bildhauerei in Würzburg.

Der Kreuzgang diente weit über das Mittelalter hinaus als Begräbnisstätte. Auch der um 1230 verstorbene Dichter Walther von der Vogelweide wurde im Garten des Neumünster-Kreuzgangs ("in dem grasehoue") bestattet. Sein Grab wurde vermutliche rst um die Mitte des 18. Jahrhunderts bei Bauarbeiten beseitigt. Der von Fried Heuler gestaltete Gedenkstein aus dem Jahr 1930 trägt die auf Hugo von Trimberg (um 1235 - 1313) zurückgehende Inschrift: "Her Walther von der Vogelweide, swer des vergaeze, der taet mir leide". Nach sagenhafter Überlieferung war es Walthers letzter Wille, dass an seinem Grab die Vögel gefüttert werden sollten; daher sind auch in dem modernen Gedenkstein vier Näpfe für Körner und Wasser eingetieft.

Gedenkstein im LusamgärtchenSeinem literarischen Ansehen war es wohl zu verdanken, dass Walther von der Vogelweide mit dem Neumünsterstift in Verbindung kam. Die Bestattung im Kreuzgang stellte eine besondere Ehre des berühmten Dichters dar. Walthers Andenken lebte im Neumünster fort. Der Stiftsscholaster und Literatursammler Michael de Leone (gest. 1355) nahm eine Sammlung der Lieder Walthers in sein Hausbuch auf.

 

 

Bilder aus dem Lusamgärtchen in Würzburg


Blick aus der Martinstrasse in das Lusamgärtchen Gedenkstein im Lusamgärtchen Blick in das Lusamgärtchen in Würzburg Der Gedenkstein für Walther von der Vogelweide im Lusamgärtchen (siehe dazu auch der erklärende Text auf dieser Seite)

   

Weiterführende Links

Letzte Aktualisierung: 25.04.2010

Walther von der Vogelweide

Walther von der Vogelweide, der bedeutendste Deutsche Lyriker des Mittelalters, bekannt vor allem durch seine Minnelieder und seine politische Spruchdichtung, hat wahrscheinlich seine letzten Lebensjahre in Würzburg verbracht. Gegen 1220 erhielt er von Kaiser Friedrich II. ein wohl in Würzburg oder dessen nächster Umgebung zu suchendes Lehen. Nach einem entbehrungsreichen Wanderleben verfügt er damit endlich über einen festen Wohnsitz mit geregelten Einkünften und jubelte:

"Ich han min Lehen, al die werlt, ich han min Lehen. Nu entfürhte ich niht den hornunc an die zehen... "

Ich hab mein Leben! In alle Welt ruf´ ich´s hinaus: Ich habe mein Leben! Jetzt fürchte ich nicht mehr den Februarfrost an den Zehen...

Walther von der Vogelweide

Anzeige