Die Würzburger Marienkapelle
Die Marienkapelle auf der Nordseite des Würzburger Marktplatzes ist heute eine Nebenkirche der Pfarreien Dom und Neumünster im Besitz der Marienkapellenstiftung. In früheren Zeiten jedoch war sie der Kristallisationspunkt städtischen Engagements gegen die Dominanz von Bischof, Stiften und Klöstern. Sie gilt als Höhepunkt spätgotischer Baukunst in Unterfranken.
Die Kapelle steht in direktem Zusammenhang mit der Vernichtung der jüdischen Gemeinde Würzburgs. Das Gerücht, Brunnenvergiftungen durch die Juden seien Schuld an der Pest, führte am 21. April 1349 zu einem Progrom, bei dem die Juden Würzburgs grausam ermordet wurden. Unterhalb der Sakristei hat sich mit dem jüdischen Ritualbad (Mikwe) ein Teil der mittelalterlichen Synagoge erhalten. Durch die Schleifung der Reste des Judenviertels entstand im 15. Jahrhundert der jetzige Marktplatz in Würzburg. Erst in jüngster Zeit ließ sich die Bedeutung dieser jüdischen Gemeinde anhand der im Jahr 1987 wiedergefundenen Grabsteine des mittelalterlichen Judenfriedhofs als eines der geistigen Zentren der europäischen Judenheit rekonstruieren (1). Weitere ausführliche Informationen und Bildmaterial zu den Grabsteinen gibt es auf der Homepage des Museums der jüdischen Gemeinde Würzburg.
An der Stelle der niedergebrannten Synagoge entstand wohl bald nach dem Progrom eine hölzerne Marienkapelle, die den Sieg der Kirche, deren Sinnbild Maria ist, über die Synagoge vor Augen führen sollte. Auch das Motiv der "Entsühnung" des Platzes durch den Kirchenbau spielte in der Vorstellung der Zeit eine Rolle. Wunderzeichen führten zweitweise zu "groß gelaufe und walfahrt". Mit den Geld- und Sachopfern dieses frommen Zulaufs konnte der Bau der heutigen Kapelle begonnen werden. Bischof Gerhard von Schwarzburg (Würzburger Bischof von 1372 - 1400) legte am 16. Mai 1377 den Grundstein. Der Chor der bereits einige Jahre vor 1377 begonnen worden sein könnte, wurde wahrscheinlich am 25. August 1392 geweiht.
Lag die Initiative zum Chorbau noch beim Bischof, so ging der Impuls, den Kirchenbau mit Langhaus und Turm fortzuführen, von der Stadt aus. Die Fertigstellung des Langhauses zog sich längere Zeit hin, obwohl mehrere Ablässe den zügigen Bau förderten. 1411/12 konnten dann die ersten Toten im Kirchenschiff bestattet werden. Um das Jahr 1440 muss das Landhaus dann vollendet und eingewölbt gewesen sein, die Fertigstellung des Turms erfolgte dann 1479.
Als Baumeister der Kapelle sind ein "Meister Weltz" sowie Eberhard Friedenberger von Frankfurt und Linhard Strohmeier überliefert. Ab dem Jahr 1470 lag die Bauleitung dann in Händen des Hans von Königshofen der seit dem Jahr 1473 auch den Bau der Alten Mainbrücke leitete. Nachdem der Skulpturenschmuck am Außenbau Ende des 15. Jahrhundert mit einer Ausnahme größtenteils noch nicht ausgeführt war, erhielt der Würzburger Bildhauer Tilman Riemenschneider deshalb im Jahre 1490 vom Stadtrat den Auftrag dazu.
Das auf den Schauseiten der Kapelle konzentrierte Programm setzt den mit Adam und Eva dargestellten Sündenfall zu den Ereignissen der Menschwerdung (Verkündigung) und Auferstehung in Verbindung. Darüber reiht sich die Schar der Apostel mit dem Erlöser Christus.
Nach dem Brand des Turmhelms im Jahr 1711 errichtete der Stadtzimmermann Josph Greising bis 1713 eine neue hölzerne, kupfergedeckte Turmhaube im Stil der Zeit. Bischof Johann Philip von Greifenclau ließ auf dem Turm eine Figur der Maria Immaculata aus vergoldetem Kupfer mit doppelter Schauseite anbringen (Höhe: 5,38m; Entwurf: Jakob von der Auwera; Ausführung: Martin Nötzel).
In den Jahren 1843 bis 1853 erfolgte eine Außenrenovierung der Kapelle. Wegen des rigorosen Umgangs mit der Originalsubstanz wurde diese damals scharf kritisiert. Erst in den Jahren 1856/57 entstand die heutige Turmspitze in gotischen Formen nach dem Vorbild des Turmes der Liebfrauenkirche in Esslingen, die nach wie vor das baroke Marienbild trägt. Auch im Innenraum ersetzte man seit 1864 alle nicht zum gotischen Stil passenden Ausstattungsstücke, so auch den 1669-70 geschaffenen Hochaltar durch neugotische Werke. Am 17. Mai 1865 wurde die Kapelle durch Bischof Georg Anton von Stahl wieder geweiht. (1)
Bilder der Marienkapelle in Würzburg
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Die Marienkapelle ist täglich geöffnet und kann besichtigt werden.
Weiterführende Links
- Artikel bei Wikipedia.de
- Artikel bei wuerzburgwiki.de
- Artikel auf den Seiten des Bistum Würzburg
- 360° Panorama aus dem Innenraum der Marienkapelle
Quellenangaben
(1) Schnell Kunstführer Nr. 345 (Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg)
Letzte Aktualisierung: 30.01.2012












