Die Würzburger Stadtteile Innere- und Äußere Pleich

Der Stadtteil Pleich teilt sich auf in die Innere- und Äußere Pleich. Die Innere Pleich ist der Bereich zwischen Juliuspromenade und Röntgenring bzw. Ringpark. Die Äußere Pleich führt vom Ringpark bis zur Brücke der Deutschen Einheit nach dem Kulturspeicher an der Veitshöchheimer Straße.

Eingerahmt vom alten Bischofsgarten im Osten (heute der Gartens des Juliusspitals), der Juliuspromenade - deren Verlauf von der Kürnach und dem Kranknenkai im Westen bestimmt wurde - war die Pleich schon immer ein sehr wasserreicher Stadtteil. Aus diesem Grund siedelten sich bereits Anfang des 12. Jahrhunderts Berufsgruppen an die bei ihrer Arbeit auf Wasser angewiesen waren wie z.B. Gerber, Metzger oder Töpfer (vgl. auch "Gerberstraße"). Bis heute ist das Viertel mit seinen engen und verwinkelten Gassen, dem ruhigen Kirchplatz um St. Gertraud mit fast dörflichem Charakter von seiner historischen Vergangenheit geprägt.

Die Geschichte des Stadtteils ist eine sehr traditionelle und im Laufe der letzten Jahre vor allem eine wechselvolle Geschichte. Die Pleich ist eines der ältesten Stadtteile von Würzburg. Hier gibt es die wahrscheinlich engsten und urigsten Gassen im Stadtgebiet. Dementsprechend enge und bescheidene Wohnanlagen prägten das Bild der Häuser. Heute ist die Pleich ein stadtnahes Wohngebiet mit vielen Familien in renovierten und teilweise neu gebauten Gebäuden. Das war aber nicht immer so...

Das "ZE-Haus" ist ein Neubau aus dem Anfang der 1990er Jahre. Hiern befand sich zu Anfang das Elektronikkaufhaus "ZE". Einige Jahre später wurde es aufgegeben. Sicherlich vor allem wegen der immer stärker werdenden Konkurrenz durch Media Markt und andere Anbieter.Bis in die Mitte der 1980er Jahre hatte die Pleich keinen besonders guten Ruf in der Stadt. In direkter Nachbarschaft der Äußeren Pleich befand sich neben dem Freihafen (in Würzburg bekannt als "Alter Hafen") auch der Viehmarktplatz in der Frankenhalle und wenige Meter davon entfernt der städtische Schlachthof. Auf diesem Gelände steht heute das Hotel Maritim und das Congress Centrum der Stadt.

Diese Umgebung sorgte damals wohl unter anderem dafür, dass sich rund um die engen Gassen ein etwas verruchtes Milieu ansiedelte. Neben Spielhallen und Kneipen war hier früher auch der Strich mit leichten Mädchen die sich in der Pleicherschul- und Pleicherkirchgasse angesiedelt hatten. In direkter Nachbarschaft zu den Prostituierten befand sich die Pleicher Volksschule. Heute ist davon natürlich nicht mehr zu sehen und auch das "Horizontale Gewerbe" ist längst in die Gattingerstraße verschwunden.

Das Schulhaus aus den 1950er Jahren wurde Ende der 1980er Jahre abgerissen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus mit großer Tiefgarge ersetzt - das "ZE-Haus". Der Name des Gebäudes stammt vom ZE-Elektronikfachmarkt der hier im Erdgeschoss und ersten Stock eingezogen war. Die beengten Verkaufsräume ein paar Häuser weiter auf der Juliuspromenade wurden damit aufgelöst. Lange sollte das neue Domizil aber nicht währen. Media Markt und andere Fachmärkte sorgten mit einem gnadenlosen Preiskampf für das Sterben auch dieses alteingesessenen Innenstadtgeschäfts. Ebenso erging es den Firmen Hier könnte man meinen die Zeit ist seit den 1970er Jahren stehen geblieben..."Radio Wels" in der Augustinerstraße, "Udo Lermann" in Lengfeld und zuletzt der Firma "Duttenhofer" ße so wie vielen weiteren kleineren Geschäften.

Ein "letzter Zeuge" aus diesen "Rotlichttagen" ist heute noch das kleine Sexfilm-Kino am Alten Kranen welches - warum auch immer - noch dort zu finden ist. Wer bei Nacht durch die engen und schummrig beleuchteten Gassen geht, kann sich vielleicht vorstellen wie es hier früher einmal war (siehe Bilder rechts oben).

Mit dem Abriss des Schlachthofs Mitte der 1980er Jahre sollte sich auch das Gesicht des Stadtteils erheblich ändern. Zwar gibt es auch heute rund um den Pleicherkirchplatz noch einige sanierungsbedürftige Gebäude bei denen man den Eindruck hat als wäre die Zeit stehen geblieben. Dies ist jedoch sicherlich kein Vergleich zu früheren Tagen.

Der Name Pleich

Der Name des Stadtteils leitet sich von der Pleichach (einem Fließgewässer) ab und bedeutet wahrscheinlich „weißes Wasser“, denn in der Bezeichnung ist das germanische Grundwort aha, Bedeutung „Wasser“, sowie pleih < bleih (-> bleich ≈ blass) althochdeutsch „weiß“ enthalten. Die Würzburger Pfarrkirche St. Gertraud im Stadtteil Pleich firmiert unter "Pfarrkirche zu Pleichach (St. Gertraud)". (1)

Bilder aus dem Stadtteil Pleich


Blick in die Pleicherkirchgasse auf das älteste erhaltene Handwerkerhaus der Stadt.
 
Die Kirche St. Getraud
 
Eine typische Gasse und um St. Getraud.
 
Der alte Kirchplatz um St. Getraud.
 
Am Congress Centrum
 
Weit über die Dächer des Stadtteils sichtbar trohnt St. Getraud
 
Typische Häuser in der Pleich an der Rotkreuz / Bismarkstrasse.
 
Diese Figur ist ein Dauergast auf dem Balkon und hat inzwischen ein männliches Gegenstück gefunden. Zusammen sind sie ein schöner Blickfang an der Bushaltestelle Rotkreuzstraße.
 
Das Gebäude in der Veitshöchheimer Straße 1 ist eines der wenigen in Würzburg welche den Bombenangriff vom 16. März 1945 nahezu unbeschadet überstanden haben.
 
Typische Häuser in der äußeren Pleich aus der Jahrhundertwende.
 
An der Scanzonistraße neben der alten Viehmarkthalle befindet sich noch ein Grundstück dessen Gebäude im zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Nur noch der alte rostige Zaun erinnert daran...
 
Ein verwinkelter und etwas verkommener Hinterhof in der äußeren Pleich.
 
Hinterhofidylle in der äußeren Pleich
 
Die Gebäude des ehemaligen Hauptzollamtes in der Veitshöchheimer Straße werden seit 2009 von der Stadt Würzburg saniert.
 

 

 

Die Judensteine aus der Pleich

1987 wurden beim Abriss der "Landelektra", dem ehemaligen Martinskloster in der Würzburger Pleich, 1.504 jüdische Grabsteine und Grabsteinfragmente aus der Zeit zwischen 1126 und 1346 des einstigen jüdischen Friedhofs aufgefunden. Sie wurden geborgen und im Rothof gelagert, gereinigt und zugeordnet. In diesem Zustand präsentierte vor einigen Jahren Prof. Müller den Mitgliedern und Freunden der Simon Höchheimer Gesellschaft (SHG) die "Judensteine aus der Pleich". Mittlerweile wurde die im internationalen Rahmen durchgeführte wissenschaftliche Auswertung der Grabsteine, die seit 2006 ihren Platz im Museum des jüdischen Zentrums "Shalom Europa" in Würzburg gefunden haben, abgeschlossen. Die Steine erzählen menschliche Schicksale, berichten vom Leben der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Würzburg, legen Zeugnis ab vom hohen wissenschaftlichen Rang ihrer Mitglieder und haben auch uns heute noch viel zu sagen. (2)

Weitere ausführliche Informationen und Bildmaterial zu den Judensteinen aus der Pleich gibt es auf der Homepage der jüdischen Gemeinde Würzburg.

Auf dem Gelände des ehemelaigen Klosters rund um St. Getraud wurde ein moderner Wohnkomplex errichtet.

Teile des alten Mauerwerks wurden in die Außenfassade des Neubaus mit übernommen.

Ein Gedenkstein erinnert an das alte Martinskloster was bei Ausgrabungen entdeckt wurde als die ehemaligen Gebäude der "Landelektra" Ende der 1980er Jahre abgerissen wurden. Hier entdeckte man auch die "Judensteine aus der Pleich".

Sandsteintafeln über den Eingängen der Wohnhaustüren erinnern heute noch an die Klosterbrüder aus dem Martinskloster.

Der Stadtteil Pleich bei Google-Maps


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Quellenangaben

Letzte Aktualisierung: 25.04.2010

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Kleine Anekdote am Rande

Aufgrund der direkten Nachbarschaft hatten die Schulkinder seiner Zeit einen freien Blick in die Fenster der für sich werbenden Damen des Rotlichtmilieus. Da dies schnell bekannt wurde und bei den Eltern der Kinder "nicht so gut" ankam, setzte sich der Elterbeirat dafür ein, dass die Damen Ihre Fenster mit einem Sichtschutz versehen mussten...