Die letzten Kriegsruinen in Würzburg
Am 16. März 1945 fiel Würzburg einem schrecklichen Bombenangriff des zweiten
Weltkriegs zum Opfer. In nur 20 Minuten zerstörten 231 Bomber der englischen "Royal
Air Force" unsere Stadt und machten Würzburg zum "Grab am Main". Neben Dresden
und Hamburg war Würzburg die am stäksten zerstörte Stadt in Deutschland. 82%
der bebauten Stadtfläche und 90% der Würzburger Innenstadt wurden ein Raub der
Flammen...
Noch bis in die 70er Jahre sollte es dauern, bis Würzburg fast alle Kriegsruinen beseitigt und die Stadt neu aufgebaut hatte. Erst Anfang der 90er Jahre wurde zum Beispiel der "Alte Kranen" wieder hergerichtet. Im Gebäude befindet sich heute das "Haus des Frankenweins".
Bilder der letzten Ruinen unserer Stadt
Im Würzburger Stadtteil Sanderau befand sich in der Virchow Straße Nr. 10
eine der letzten und bekanntesten Ruinen der Stadt - das so genannte "Ruchti
Haus". Das Gebäude blieb deshalb so lange in seinem "Nachkriegszustand", weil
der Eigentümer Wilhelm Ruchti mit dieser Ruine ein Zeichen setzen wollte
- als Erinnerung an die Zerstörung Würzburgs und als Mahnung zum Erhalt des Friedens.
Er richtete sich nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1948 in diesem
(seinem Elternhaus) vier Zimmer ein und betrieb hier 57 Jahre lang seine Firma
(Anzeigenkontor Ruchti & Co). Nach dem Tod von Ruchti wurde das Gebäude
Anfang 2006 eingerüstet um alles für den Abriss vorzubereiten. An Stelle der
Ruine
entstand ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, welches Teile der
ehemaligen Fassade enthält. Diese wurden beim Abriss Stück für Stück abgetragen
und zwischengelagert. Dies war auch der Wunsch von Ruchti. "Herr Ruchti hat sich
einen Neubau gewünscht", sagte Dr. Ignczio Czeguhn in der Main-Post vom 28.08.2006.
Er hatte ihn 1978 kennen gelernt und wurde später sein juristischer Berater und
ist zudem der Vorsitzende der "Wilhelm H. Ruchti Stiftung". Diese Stiftung ist Ruchtis Hinterlassenschaft an die Nachwelt. Er war kinderlos und unverheiratet
und vermachte sein ganzes Erbe (2,3 Millionen Euro) der Universität Würzburg zur
Förderung von Wissenschaft und Forschung. Wilhelm Ruchti starb im Alter
von 92 Jahren am 16. März 2005 - ironischer Weise genau 60 Jahre nachdem sein
Elternhaus im Krieg zerstört wurde.
Eine weitere Ruine befand sich bis zu ihrem Abriss im Oktober 2007 in der "Zweiten Felsengasse" im Mainviertel
(alte Würzburger nennen es auch "Fischerviertel" weil hier unter anderem
die Fischerzunft der Stadt beheimatet ist) unterhalb des Festung Marienberg.
Die urigen engen Gassen beinhalten viele alte Häuser und eben auch diese Ruine
die bis dato nicht wieder aufgebaut wurde. Der ehemalige Eingang zu Haus Nr. 5
wird auf den Bildern von Mülltonnen versperrt... Früher (vor über 20 Jahren)
war im rechten Gebäudeteil ein Geschäft für Anglerbedarf angesiedelt. Im linken Gebäudeteil befand
sich ein Laden für Fahrradzubehör. Wer zu Zeiten der Ruine zu den schmutzigen Fenstern hinein
sah, fand eine wahre Rumpelkammer darin. Beim Abriss der Ruine wurden
Mauerfundamente aus dem 13. Jahrhundert freigelegt. Zusätzlich fand man eine
15 Kg schwere Kanonenkugel deren Alter erst noch genau festgestellt werden
musste. Das Ergebnis der Untersuchung ist mir leider nicht bekannt.
Gerade rund um die Sanderstrasse findet man gleich mehrere Ruinen oder aufgelassene Grundstücke. So zum Beispiel in der Korngasse. Der Blick durch den unscheinbaren Bretterzaun offenbart den ehemaligen Eingang in die alten Kellergewölbe...
Weiter geht es in der Rosen- und Reurergasse. Die Natur holt sich zurück was ihr gehört... In der Rosengasse wächst und gedeiht seit vielen Jahren ein schöner Baum der sich hier seinen Platz geschaffen hat (linkes Bild). In der Reurergasse hingegen kann man ganz gut das ehemalige und jetzt zugemauerte Fenster erkennen. Hier war vielleicht mal ein Schaufenster...
Auch in der Badergasse (Verbindungsstrasse zwischen Peterplatz und Sanderstrasse) kann man gut erkennen, dass die Außenmauern eines ehemaligen Gebäudes wieder genutzt wurden (linkes Bild). Auf dem Grundstück an der Hubergasse (Verbindungsstraße zwischen Kapuzinerstrasse und Stadttheater) ist heute ein Parkplatz.
Letzte Aktualisierung: 25.04.2010














