Der Würzburger Stadtteil Sanderau

Blick auf den herbstlichen Sebastian-Kneipp-StegDie Sanderau ist ein Stadtteil von Würzburg. Sie gilt als der älteste Stadtteil außerhalb der ehemaligen Stadtmauer. Die Sanderau ist aufgrund der Nähe zur Innenstadt bei Senioren und wegen der Nähe zur juristischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität insbesondere bei Studenten beliebt. Die Sanderau ist mit weiteren Ortsteilen über zwei Straßenbahnlinien (Linie 1 und 4) verbunden. Ein beeindruckendes Bauwerk ist die Adalberokirche, die erst 1899 erbaut wurde, um auch den Anwohnern dieses Stadtteils eine angemessene Kirche zu geben. Ausführliche Informationen über St. Adalbero gibt es auf der Unterseite "Würzburg historisch - Bilder und Informationen aus vergangenen Tagen".

In der Sanderau befindet sich unter anderem auch die Agentur für Arbeit (siehe weiter unten) und die S.Oliver-Arena (ehemals Carl-Diem-Halle), die u.a. für Sportveranstaltungen, Musikkonzerte und andere Großveranstaltungen genutzt wird. (1)

Bilder und Informationen

Sanderrasen am ExerzierplatzHistorische Ansicht von 1896. St. Adalbero mit "Sanderwasen". Auf dem Bild sieht man noch das im Krieg zerstörte Pfarrhaus von der Kirche.Zum Stadtteil gehört auch der Sanderrasen am Exerzierplatz. Dieser öffentliche Sportplatz wird vor allem in den Sommermonaten von vielen Jugendlichen zum Fußball- oder Basketball Spielen verwendet; aber auch Marathon-Läufer sieht man hier immer wieder auf der Gummibahn. Der heutige Platz diente im vorigen Jahrhundert in der Tat als "Exerzierplatz" für die Militärs. Bis in das Jahr 1924 fand auf dem Sanderrasen auch das Kiliani-Volksfest statt, das heute auf der Talavera beheimatet ist. Die Franz-Ludwig-Straße ist neben der Die Franz-Ludwig-StraßeRandersackerer Straße und dem Mainkai eine der Ausfallstraßen aus der Sanderau. Sie führt vorbei an der Adalbero Kirche in Richtung des Stadtteils Frauenland.

Die Weingartenstraße und die Traubengasse haben ihre Namen von den Weingärten die hier früher an die Stadt Würzburg angrenzten. Sehr viele der Häuser in diesen Straßen haben deshalb noch Die Weingartenstraße vor der Umgestaltung des Straßenbildes zwischen 2009 und 2010feucht-kühle Gewölbekeller. Ursprünglich dienten sie als Weinkeller und werden inzwischen natürlich von den Anwohnern ganz normal als Keller genutzt.

Schiller-SchuleDie Schiller-Schule in der Felix-Dahn-Straße ist eines der älteren Gebäude des Stadtteils und wurde 1907 errichtet. Noch bis vor einigen Jahren war hier eine Grund- und Hauptschule untergebracht. Zur Schule ging hier unter anderem auch Jürgen Weber (1990 - 2002 Oberbürgermeister von Würzburg). Teilweise waren auch andere (ausgelagerte) Schulen im hinteren Gebäude mit eingezogen. Heute kann man in der Schiller-Schule unter anderem das Abendgymnasium besuchen. Im Innenhof befindet sich die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Sanderau.

Gut erhaltender AltbauAn vielen Stellen in diesem Stadtteil gibt es immer wieder Häuser die nach dem Krieg und der fast totalen Zerstörung von Würzburg im ursprünglichen Stil wieder errichtet wurden. So auch dieses an den Jugendstil erinnernde Gebäude. Die meisten Gebäude entstanden aber wohl nach dem Krieg beim Wiederaufbau von Würzburg.

Hochhäuser in der hinteren SanderauZwischen den 1960er Jahren wurde der Stadtteil Sanderau um einige Straßen und viele (kleinere) Hochhäuser ergänzt. In dieser Zeit (1967) entstand auch die katholische St. Andreas Kirche mit ihrer charismatischen Pyramidenform. Äußerlich macht sie eher den Anschein eines Zweckbaus und ist vielleicht nicht unbedingt "hübsch" anzusehen. Von innen ist sie jedoch sehr interessant! Die spitz zulaufende Dachkonstruktion mit ihren gezielt gesetzten Lichtschächten ergibt eine besondere Akustik und natürlich einen sehr interessanten Lichteinfall (siehe Bilder weiter unten).

Blick durch den lang gezogenen Innenhof mit vielen Wohnungen und GeschäftenEine der letzteren großen Wohnungsbaumaßnahmen fand Anfang der 1990er Jahre in der Eichendorffstraße in der Sanderau statt. Auf dem Gelände auf dem sich heute die Häuser 12a-f und 14b-d befinden, stand ursprünglich ein großes Autohaus der Firma Georg Opel. Die Firma wurde geschlossen und die Gebäude wurden abgerissen und durch den "Wohnpark Sanderau" ersetzt. Aus den Häusern in "exklusiver Lage" hat man teilweise einen traumhaft freien Blick auf Festung Marienberg und das Käppele.

Ähnlich erging es übrigens auch der Firma "Kramag". Die lange Zeit leer stehenden Gebäude der ehemaligen Autowerkstätten zwischen Exerzierplatz und Weingartenstraße, wurden Moderne neugebaute Häuser in der SchießhausstraßeAnfang der 1990er Jahre abgerissen und durch einen großen Wohnblock ersetzt. Wegen der direkten Nähe zu Uni und Stadtmensa leben hier überwiegend Studenten in 1 - 2 Zimmer Appartements.

Gleich die nächste Querstraße nach der Eichendorffstraße ist die Schießhausstraße. Hier befindet sich unter anderem die Agentur für Arbeit in Würzburg. Im vorderen Teil des Gebäudes am daneben liegenden Ludwigkai  - das nicht vom Amt benutzt wird - befand sich bis vor einigen Jahren die Verwaltung der Amerikanischen Streitkräfte in Würzburg. Schon vor dem Krieg hatte dieses Gebäude eine "militärische" Nutzung. In den Häusern Ludwigkai 4-6 befanden sich unter anderem die NSDAP-Ortsgruppe und die NS-Frauenschaft (2). Im Hinterhof der Arbeitsagentur wurden in den vergangen Jahren auch neue und sehr rmoderne Häuser gebaut. Der Hinterhof schließt sich direkt an die Eichendorffstraße an.

Ganz am Ende des Stadtteils Sanderau befindet sich in der Stettiner Straße das Kaufmännische Berufsschulzentrum (KBBZ) und nebenan die Städtische Hauswirtschaftsschule (die Würzburger nennen sie auch liebevoll "Knödelakademie"). Direkt an das KBBZ angeschlossen ist die S. Oliver Arena. Noch bis vor einigen Jahren hatte sie den Namen "Carl-Diem-Halle".

Kaufmännisches Berufsschulzentrum (KBBZ) mit S. Oliver ArenaCarl Diem wurde 1882 in Würzburg geboren und war ein deutscher Sportfunktionär- und Wissenschaftler sowie Urheber des olympischen Fackellaufs in der Neuzeit. Im März 1945, als der Krieg längst verloren war und russische Truppen Teile des Sportforums bereits eingenommen hatten, schwor Diem die versammelte Hitlerjugend in einem flammenden Appell auf den Endkampf ein: "Wunderbar ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland fällt." Daraufhin starben 2.000 Jugendliche beim Versuch, ihr Sportfeld zurück zu erobern. Auch Sätze wie "Sport ist freiwilliges Soldatentum" stammen von Carl Diem. Eine nach ihm benannte Medaille wird in Würzburg nichtBetriebshof Sanderau der Würzburger Straßenbahn mehr vergeben. Nach einer Distanzierung des Leiters der von Diem in Köln gegründeten Deutschen Sporthochschule 1995, wurden Schulen, Straßen und Sporthallen, die nach Carl Diem benannt waren, umbenannt. So beispielsweise auch 2004 nach langen Diskussionen die gleichnamige Halle in Würzburg.

Der Betriebshof der Würzburger Straßenbahn wurde 1979 erbaut und beherbergt nahezu alle Busse und sehr viele der Straßenbahnen. Das Gebäude hat mehrere Ebenen. Im Keller befindet sich der Parkplatz für die Omnibusse. Im Erdgeschoss sind Werkstatt, Waschanlage und natürlich die Stellplätze für einige der Straßenbahnen. In den oberen Stockwerken sind Verkehrsleitung und Personalräume usw. Mit der Erweiterung des Liniennetzes Ende der 80er Jahre in den Stadtteil Heuchelhof und später nach Rottenbauer, wurde dort ein zweiter Betriebshof im Industriegebiet errichtet.

Weitere Bilder aus dem Stadtteil Sanderau


Straßenkreuzung Weingartenstraße - Am Exerzierplatz. Die Aufnahme stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1945 und ist in einem Buch mit dem Titel »Als vom Himmel Feuer fiel - so starb das alte Würzburg» abgebildet
Die ehemalige Schiller-Schule. Im Vordergrund ist eine Baustelle zu sehen. Noch bis in den Sommer 2005 stand hier das "Marta Haus" - eine private Geburtsklinik.
Die Agentur für Arbeit in der Schießhausstraße
Hübscher Blickfang an der Straba-Haltestelle Ehehaltenhaus
Außenansicht der St. Andreas Kirche in der Sanderau - Baujahr 1967
Fast nur  durch gezielt gesetzte Schächte kommt Tageslicht von oben in den Raum
Die einzige Lichtquelle im Raum mit dem Taufbecken kommt "von oben"
Das Taufbecken
St. Andreas
Fast nur  durch gezielt gesetzte Schächte kommt Tageslicht von oben in den Raum
Fast nur  durch gezielt gesetzte Schächte kommt Tageslicht von oben in den Raum
Schlicht und ergreifend: Beton

Die Sanderau bei Google-Maps


Verwenden Sie auch den Stadtplan mit Straßensuchfunktion...

Quellen

1 Informationen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia.de.

2 Facharbeit: Nationalsozialistische Einrichtungen in Würzburg


Letzte Aktualisierung: 17.01.2012

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Die Entstehung der Sanderau

Hisorische Postkarte mit St. Adalbero als MotivDie Aufhebung der Festungseigenschaft für die Stadt Würzburg durch die königliche Verfügung vom 26. September 1856, sowie die planmäßige Niederlegung der Festungswälle seit 1869, hatten die Voraussetzung geschaffen für die Ausdehnung der seit Jahrhunderten von Mauern umschlossenen Stadt. Es standen schon vor der Entfestigung der Stadt einige wenige Häuser in der Sanderau. Der größte Teil der Sanderau wurde für Garten- und Weinbau genutzt.

Straßennamen wie Weingartenstraße oder Die TraubengasseTraubengasse erinnern noch heute daran. Der neue Stadtteil entwickelte sich rasch und schon bald war dessen Bevölkerung so angewachsen, dass die zuständige Pfarrei St. Peter und Paul die zusätzlichen Gläubigen aus der neuen Vorstadt nicht mehr mit betreuen konnte. So wurde in einer Versammlung der Sanderauer Katholiken am 7. Januar 1875 der „Katholische Kirchenbau-Verein Sanderau“ ins Leben gerufen, dessen Ziel die Planung, Finanzierung und Errichtung einer eigenen Pfarrkirche für die Vorstadt sein sollte - St. Adalbero.

Mehr zum Thema gibt es im Artikel "Würzburg historisch".

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Der Name "Sanderau"

Genau wie der Name des Stadtteils "Zellerau" bezieht sich auch die "Sanderau" sehr wahrscheinlich auf den durch Würzburg fließenden Main. Der Stadtteil entstand ursprünglich also an den "sandigen Flußauen" (= "Sander Au") des Mains.

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