Alte Mainbrücke

Die 12 großen Sandsteinfiguren auf der Alten Mainbrücke sind heute neben der Festung Marienberg und dem Alten Kranen eines der Wahrzeichen von Würzburg. Viele Besucher fühlen sich beim Anblick nicht umsonst an die berühmte Karlsbrücke in Prag erinnert.

Die Alte Mainbrücke in Würzburg in einer dramatisch wirkenden HDR-Aufnahme.

Die Alte Mainbrücke in einer dramatisch wirkenden HDR-Aufnahme.

Auf der Alten Mainbrücke steht seit über 200 Jahren eine Multikulti-Gesellschaft: zwei Palästinenser (Maria und Josef), drei Iren (Kilian, Kolonat und Totnan), ein Österreicher (Bruno), ein Böhme (Johann von Nepomuk), ein Engländer (Burkard), ein Italiener (Karl Borromäus), zwei Deutsche (Karl der Große und Pippin der Kurze) und ein Belgier (Friedrich). Der Belgier ersetzte einen Spanier; ursprünglich sollte der Heilige Christopherus an seiner Stelle stehen. Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn wollte ihn aber als Namenspatron auf dem Sockel haben.

Ein Rätsel ist, was es mit diesem Friedrich auf sich hat. Der Schönborn kommentierte einen Entwurf des Bildhauers Claude Curé, dass „der Friedericus alß ein Kayßer vorgestellt ist, wir hingegen keine Heilig Fridericum wissen, der ein Kayßer oder König geweßen wäre“. Zwei bieten sich an, einer aus Utrecht, einer aus Lüttich. Der Würzburger Friedrich wusste von keinem genaues. Das war ihm auch egal, Hauptsache: ein Friedrich. 1)Text aus dem Main-Post Artikel „Multikulti über dem Main“ vom 08.12.2004

(Dass die Köpfe der Figuren hier auf den Vorschaubildern abgeschnitten sind, liegt daran, dass das System diese Miniaturansicht automatisch erzeugt und dabei leider nicht auf einen „sinnvollen“ Zuschnitt achtet. Bitte einfach die gewünschten Bilder anklicken, um sie in voller Größe zu sehen.)

Geschichte der Alten Mainbrücke

Historische Postkartenansicht der Alten Mainbrücke aus dem Jahr 1895.

Historische Postkartenansicht der Alten Mainbrücke aus dem Jahr 1895.

Die erste, romanische Steinbrücke an dieser Stelle wurde schon um 1120 unter dem Baumeister Enzelin errichtet, zuvor gab es dort eine Fähre. Bei Gründung der Fundamente wurden der Vita nach die dorthin von den drei Missionaren St. Kilian, Kolonat und Totnan (die drei Frankenaposteln) gestürzten Statuen des heidnischen Freya-Heiligtums (innerhalb der heutigen Festung) wiedergefunden. Die damalige Brücke wurde bei den Hochwassern 1342 und 1442 teilweise zerstört, aber auch im Laufe der Jahre durch die sogenannten „Holländerstämme“, Holzstämme, die schwimmend im Fluss transportiert wurden, in Mitleidenschaft gezogen. Daher wurde das Bauwerk nach fast 350 Jahren Standzeit durch einen Neubau, die heutige Brücke, ersetzt.

St. Kilian auf der Alten Mainbrücke im nächtlichen Herbstnebel.

St. Kilian auf der Alten Mainbrücke im nächtlichen Herbstnebel.

An der „neuen“ Alten Mainbrücke wurde ab 1476 gebaut. Im Jahr 1488 waren die Steinpfeiler aus Muschelkalk fertiggestellt. Die bogenförmigen Brückenüberbauten zwischen den Pfeilern waren anfangs Holzkonstruktionen, auch aus Verteidigungsgründen. Ab 1512 wurden die Öffnungen mit Steingewölben überbrückt, was sich aus Geldmangel bis 1703 hinzog.

Bis ins 18. Jahrhundert war die Brücke militärisch befestigt und fast vollständig mit Buden bebaut. Nach dem Tode des Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten wurden Ende der 1720er Jahre auf der Südseite der Brücke sechs Heiligen-Statuen aufgestellt. Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn ließ um 1730 auf der Nordseite der Brücke weitere sechs barocke, zirka 4,5 Meter hohe Sandsteinfiguren aufstellen. Die Figuren befinden sich in Pfeilerkanzeln und sind mit dem Gesicht nach innen zur Fahrbahn gewandt.

Am 2. April 1945 wurden durch deutsche Truppen zwei der Bogen gesprengt. Der Wiederaufbau war 1950 abgeschlossen. Eine größere Instandsetzungsmaßnahme fand in den Jahren 1976 und 1977 statt. Seit 1992 ist das Bauwerk für Kraftfahrzeuge gesperrt. 2)Wikipedia.de

Seit dem 1888 die Friedensbrücke (damals Luitpoldbrücke) und 1895 die Löwenbrücke (eigentlich „Ludwigsbrücke“) erbaut waren, heißt sie die „Alte Mainbrücke“. Die Länge der Brücke misst von Widerlager zu Widerlager 179m, die Breite beträgt 7m. Die Brückenmitte ist 8m über dem Streichwehr und 15,5m über dem Felsgrund. Die Pfeiler sind etwa 7m dick. Die große Schleusenkammer ist 300m lang und 12m breit. Die Stauhöhe beträgt 2,80m.

In einer Sekunde strömen unter der Alten Mainbrücke ungefähr 100 m³ Wasser hindurch. Bei Hochwasser ist es gleich viel mehr: 1970 waren es beim großen Hochwasser 1400 m³. Der Wasserspiegel stand damals 5m höher als normal. 3)Marianne Erben, „Unser Würzburg: der kleine Stadtführer“ Echter, 1991

Bilder der Alten Mainbrücke

Das Teufelsloch unter der Alten Mainbrücke

Ein Hochwasser hatte die Alte Mainbrücke mit sich fortgerissen, deshalb wurde eine neue aus Stein gebaut. Natürlich gab es Schwierigkeiten. Da kam der Teufel und bot dem Baumeister seine Hilfe an. Der aber lehnte ab. Darüber ergrimmte der Teufel und versuchte auf alle mögliche Art, den Bau der Brücke zu hemmen. Nach deren Vollendung versuchte der Teufel, die Brückenpfeiler zu untergraben. Da die Brücke aber schon kirchlich geweiht war, gelang es ihm nur, zwischen zwei Pfeilern ein Loch auszuhöhlen.

Hier bildet sich ein gefährlicher Strudel, denn dieses Teufelsloch soll grundlos sein. Nur die Flöße aus dem Frankenwald können über diesen Strudel gleiten, nicht die Schiffe. Und so oft die Flößer durch das „Loch“ treiben, rufen die den heiligen Nepomuk an, dessen Bildnis aus Stein auf einem der Brückenpfeiler steht. 4)Alexander Schöppner, Sagenbuch der Bayerischen Lande, Band II, München 1874

Helmut Michler

Würzburger Mundart versus Hochdeutsch

Würzburger Wahrzeichen

Auf der Wörzborger Brucka steha zwelf großa Heiligebilder von Ste. Wenn von alters her a Handwerksborsch von Wörzborg nach Karlstadt kumma is, is er auf der Polizei dort g´fragt worn: „Was mache die Heilige auf der Brucka in Wörzborg?“. Und wenn er nit hat sag kenn: „Sie mache a Dutzend“, so ham sén no e mol nach Wörzborg zeruckg´schickt, dass er die Stadt Wörzborg kenna lern kennt. 5)Alexander Schöppner, Sagenbuch der Bayerischen Lande, Band II, München 1874

Würzburger Mundart
nach J. Ruttor

Die Heiligen auf der Mainbrücke

Auf der Würzburger Mainbrücke stehen zwölf große Heiligenbilder. Wenn früher ein Handwerksbursch von Würzburg nach Karlstadt kam, wurde er vom Meister gefragt: „Was machen die Heiligen auf der Brücke in Würzburg?“. Wenn der Gesell dann antwortete: „Das Dutzend voll“, hatte er bewiesen, dass er in der Bischofsstadt war, und er bekam als ehrlicher Handwerksbursche sein Zehrgeld. 6)Sagen und Schwänke aus Franken, S. 54 – Rosengarten, Konstanz 1971

Carlheinz Gräter

Quellenangaben   [ + ]

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