Die Würzburger Straßenbahn
Die Würzburger Straßenbahn (WSB) besteht seit dem 5. Juni 1924 und beschäftigt heute rund 300 Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH die zu 100% der Stadt Würzburg gehört. Es gibt derzeit fünf Straßenbahn- und 32 Buslinien. Insgesamt hat das Netz eine Länge von 430 Kilometern. Auf dieser Seite möchte ich einen kleinen Überblick über Gegebenheiten, (besondere) Fahrzeuge und Gebäude geben.
Gebäude der Würzburger Straßenbahn
Der Betriebshof im Stadtteil Sanderau wurde 1979 erbaut und beherbergt nahezu alle Busse und
sehr viele der Straßenbahnen. Das Gebäude hat mehrere Ebenen. Im Keller befindet
sich der Parkplatz für die Omnibusse. Im Erdgeschoss sind Werkstatt, Waschanlage
und natürlich die Stellplätze für einige der Straßenbahnen. Vor allem die auf der Seite
gezeigten alten Wagen stehen hier. Sie würden zwar aus eigener Kraft die Bergfahrt in den Betriebshof
auf den Heuchelhof schaffen, kämen jedoch nicht ohne Probleme zurück in die Stadt... (die
Strecke auf den Heuchelhof beinhaltet Europas steilste Straßenbahnstrecke ohne Zahnräder oder andere Hilfsmittel!). In den oberen Stockwerken sind Verkehrsleitung
und Personalräume usw. Mit der Erweiterung des Liniennetzes Ende der 1980er Jahre
in den Stadtteil Heuchelhof, wurde dort ein zweiter Betriebshof im Industriegebiet errichtet.
Fuhrpark der Würzburger Straßenbahn
Der Fuhrpark besteht gegenwärtig aus vierzig Straßenbahnfahrzeugen, die im Fahrgastbetrieb zum Einsatz kommen und folgenden drei Fahrzeugtypen zuzuordnen sind:
- 06 dreiteilige GTW-D8 (Fahrzeugnummern 236, 238, 243 bis 246)
- 14 dreiteilige GT-E (Fahrzeugnummern 201 bis 214)
- 20 fünfteilige GT-N (Fahrzeugnummern 250 bis 269)
Darüber hinaus existieren noch einige Sonderfahrzeuge in Würzburg, die nur bei Extrafahrten zum Einsatz kommen oder für den Betriebsunterhalt eingesetzt werden:
- historischer Triebwagen GT-H (Fahrzeugnummer 272)
- historischer Trieb- und Beiwagen Schoppen-Express (Fahrzeugnummer 291 und 292)
- Düwag-Schienenpflegezug (Fahrzeugnummer 295)
- Esslingen-Elektrolokomotive (Fahrzeugnummer 299)
Alle Fahrzeuggattungen besitzen die übliche Spurweite von 1000 mm und sind für den Betrieb unter 750 Volt Gleichstrom-Oberleitungen ausgelegt. Aufgrund der vorhandenen Wendeschleifen sind alle Züge Einrichtungsfahrzeuge.
Wagen Nr. 238 (Bild links) gehört genau wie Wagen Nr. 245 (Bild rechts) noch zur alten (Baujahr 1968) Wagengeneration (Typ "GTW-D8 245") die heute - wenn überhaupt - nur noch im Berufs- und Schülerverkehr auf Würzburgs Schienen zu sehen ist. Von sämtlichen ehemaligen Fahrzeugen sind meines Wissens nach nur zwei Fahrzeuge für den Einsatz verfügbar. "Der Rest" wurde verkauft oder dient als Ersatzteillager. Einige der Wagen stehen im Betriebshof Heuchelhof und warten dort auf ihre "Entsorgung".
Die direkten Nachfolger der Altgedienten Straßenbahnzüge aus den 60er Jahren waren die Wagen vom Typ "GT-E" die Ende der 80er Jahre angeschafft wurden. Sie waren die ersten Wagen, die eine der steilsten Straßenbahnstecken Deutschlands (zum Heuchelhof) bedienen konnten - und das nur aus Motorkraft und vor allem ohne Zahnradantrieb. Zudem waren sie auch die ersten Fahrzeuge mit einem Niederflurabteil in der Mitte des Zuges.
Die Wagen der neusten (Baujahr 1996) Generation vom Typ "GT-N" (z.B. Nr. 263) verfügen über komplett ebenerdige Einstiege und zeichnen sich vor allem durch eine sehr ruhige Fahrweise bei sehr guter Beschleunigung aus.
Sonderfahrzeuge
Als Sonderfahrzeuge sind auf alle Fälle die Wagen 299 und 295 zu bezeichnen. 299 ist eine richtige E-Lok (Baujahr 1946) die am Betriebshof im Stadtteil Heuchelhof ihren Standort hat. Das Fahrzeug dient in strengen Wintern (ist lange her...) als Schneepflug. 295 ist ein ehemaliger Wagen vom Typ "GT-6" (Baujahr 1963) der zum Schienen Pflege- und Schleifwagen von der WSB umgebaut wurde. Das Fahrzeug verfügt unter anderem über einen eigenen Wassertank um die teilweise begrünten Gleisanlagen im Sommer mit Wasser versorgen zu können. Beide Fahrzeuge (vor allem die E-Lok) sind so selten auf Würzburgs Schienen zu sehen, dass es hier momentan leider keine Bilder gibt (ich arbeite aber daran...).
Bauarbeiten
Und auch das gehört alle Jahre wieder zum Stadtbild der Straßenbahn in Würzburg - Bauarbeiten an den Gleisanlagen. Zu sehen ist eine sogenannte "Kletterweiche" wie sie im August 2006 in der Schönbornstraße zu sehen war. Nachdem das Gleis in diesem Bereich komplett erneuert werden musste, konnte die Straba für einige Wochen nur eingleisig verkehren.
Wenn in Würzburg alle Jubeljahre neue Schienen verlegt werden müssen, dann geschieht dies in aller Regel an einem Wochenende. Nur dann ist es möglich den Schienenverkehr teilweise und für ganze Streckenabschnitte durch Busse zu ersetzen. Besonders aufwändig sind solche Renovierungsarbeiten natürlich mitten im Stadtkern. Die Bilder zeigen die Neuverlegung von Schienenmaterial im August 2006, nach Straßenbahn-Betriebsschluß mitten in der Nacht, in der Schönbornstraße. Dieser Bereich in der Fußgängerzone wird unter der Woche täglich wohl hundertfach von 4 der 5 Linien (1, 3, 4, 5) benutzt. Mit schwerem Gerät wurden komplette Schienenstücke vom Tieflader gehoben, eingepasst und anschließend verschweißt. Nur durch die Nachtarbeit ist es möglich, den Betrieb an diesem Nadelöhr tagsüber wieder aufnehmen zu können.
Streckenführung
Die Streckenführung deckt zur Zeit ca. 42 Schienenkilometer ab. Die
Spurbreite beträgt 1.000 mm. Die längste
Strecke ist dabei von Rottenbauer in den Stadtteil Grombühl. Die Fahrzeit
beträgt rund 45 Minuten. Im Gegensatz zu anderen Städten mit Straßenbahnen,
fehlen dem Würzburger Schienenetz die Ausweichmöglichkeiten durch Weichen auf der
Strecke. Einige wenige Ausnahmen gibt es z.B. in der Stuttgarter Straßen vor dem Heuchelhofberg und in der Zellerau. Kommt es ein Mal zu einem Unfall oder ähnlichem, stauen sich immer
gleich die Wagen in der Innenstadt. Das Beispielfoto zeigt einen Wagenstau in
der Domstraße. An diesem Augusttag 2006 kamen wie jedes Jahr die Kreuzberg
Wallfahrer zurück in die Stadt und versammelten sich vor dem Neumünster und
Dom. Die einzigen Wendemöglichkeiten gibt es neben den Betriebshöfen und den
Endhaltestellen nur noch an der Haltestelle "Dallenbergbad". Diese
Wendeschleife aus den 70er Jahren wurde damals beim zweispurigen Ausbau nach Heidingsfeld unterhalb der Konrad Adenauer Brücke angelegt. Ursprünglich
sollte sie wohl auch die Menschenmassen aus dem großen Freibad (Dallenbergbad)
und dem nahe gelegenen Kickers Stadion abfangen. Heute wird sie für diese
Zwecke eigentlich überhaupt nicht mehr genutzt.
Eine Straßenbahn als Vereinsheim
Einer der alten ausgemusterten "Hagener Straßenbahnwagen" die bis zur Jahrtausenwende
rund 40 Jahre im Einsatz in Würzburg waren, dient heute als Vereinsheim für
die Sportfreunde der WVV. Der Sportplatz befindet sich gleich neben dem
Betriebshof zwischen Heuchelhof und Rottenbauer. Hier hat auch Wagen 280 seine
"letzte Haltstelle" gefunden...
Die Zukunft der Würzburger Straßenbahn
In der langen und traditionsreichen Geschichte der Straba in Würzburg waren und sind auch immer wieder Ausbau- und Erweiterungspläne ein großes Thema gewesen. So war schon beim Bau des Stadtteils Heuchelhof Anfang der 1970er Jahre angedacht, eines Tages eine Straßenbahnlinie mit dem Stadtteil zu versorgen. Die breite Heuchelhofstraße hatte deswegen von Anfang an einen breiten Grünstreifen in der Mitte der Fahrbahn, welcher dann 1989 zur Straba-Trasse umgewandelt wurde.
Aktuell wird seit dem Jahr 2009 überlegt die Buslinie 6 in den Stadtteil Keesburg / Sieboldshöhe durch eine Straßenbahn zu ersetzen. Mit der angedachten Linienführung könnte man mehrere "Fliegen mit einer Klappe schlagen" und gleichzeitig den neu entstehenden Stadtteil auf dem ehemaligen Gelände der Leighton Barraks (US-Kaserne) mit anbinden. Zusätzlich ist hier für das Jahr 2018 eine Landesgartenschau geplant die auf dem Areal stattfinden soll. Die Endstation ist am Hubland geplant und würde damit den Universitätscampus am Hubland optimal mit abdecken.
Nach dem aktuellen Stand ist die Fertigstellung der Trasse für das Jahr 2016 geplant. Wegen der geplanten Trassenführung entlang der Residenz über die "Balthasar-Neumann-Promenade" befürchtete man in der Stadt, dass der Residenz der Status des Weltkulturerbes aberkannt werden könnte. Bei ihrer jährlichen Sitzung im August 2010 hat die Unesco-Komission diese "Gefahr" aber als unbegründet abgewiesen und dem Projekt sozusagen "grünes Licht" erteilt. Genau genommen wurde das Thema nicht mal bei der Sitzung behandelt sondern direkt durchgewunken und abgenickt. Allerdings sollen laut Unseco aber die Parkplätze vor der Residenz merklich reduziert werden um die "optische Integrität der Welterbestätte zu verbessern".
Persönlich halte ich dies zwar für eine sehr späte, aber dennoch sehr kluge und nötige Entscheidung der Komission! Ich habe ehrlich gesagt auch nie verstanden, warum die Straßenbahn an dieser Stelle ein größeres Problem darstellen sollte, als hunderte geparkte Autos die seit ewigen Jahren den Residenzplatz zuparken...
Zur besseren Darstellung hier eine Google-Map mit den bestehenden und der geplanten Linie 6 (rot).
Straßenbahnlinien in Würzburg auf einer größeren Karte anzeigen.
Links zum Thema
- Unesco gibt den Weg für neue Straßenbahn frei (Main-Post)
- Großer Artikel der Main-Post zum Thema Linie 6
- PDF-Dokument der Main-Post mit dem eingezeichneten Streckenverlauf
- Wikipedia-Artikel über die Würzburger Straßenbahn
Ein Strassenbahn-Video
Dieses kleine Video habe ich im Mai 2007 in Würzburg gemacht. Es zeigt einige Strassenbahnzüge am Abend und tagsüber. Das Video ist eigentlich als Experiment entstanden. Letztendlich wollte ich nur mal ein wenig filmen und Video am PC schneiden...
Letzte Aktualisierung: 31.08.2010












