Die Würzburger Straßenbahn

Die Straßenbahn Würzburg – umgangssprachlich meist „Straba“ (mit kurzem a) genannt – wurde 1892 zunächst als Pferdebahn eröffnet und nach nur acht Jahren auf elektrischen Betrieb umgestellt. Nach zweimaliger Stilllegung und dem Systemstreit in den 1960er Jahren ist der Bestand der Straßenbahn mittlerweile gesichert. Sie bildet gemeinsam mit dem Omnibusverkehr das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Würzburg und wird von der Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB), einem Tochterunternehmen der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH (WVV) betrieben.



Das 19,7 Kilometer lange Streckennetz ist mit 750 Volt Gleichspannung elektrifiziert und nahezu komplett zweigleisig ausgebaut Alle Fahrzeuggattungen besitzen die übliche Spurweite von 1000 mm. Auf den fünf Linien werden jährlich knapp 20 Millionen Fahrgäste befördert. Es gibt derzeit fünf Straßenbahn- und 32 Buslinien. Insgesamt hat das Netz eine Länge von 430 Kilometern. [1] Auf dieser Seite möchte ich einen kleinen Überblick über Gegebenheiten, (besondere) Fahrzeuge und Gebäude geben.

Gebäude der Würzburger Straßenbahn

Der Betriebshof im Stadtteil Sanderau wurde 1979 erbaut und beherbergt nahezu alle Busse und sehr viele der Straßenbahnen. Der Straßenbahn- und Omnibus-Betriebsbahnhof im Stadtteil Sanderau.Das Gebäude hat mehrere Ebenen. Im Keller befindet sich der Parkplatz für die Omnibusse.Im Erdgeschoss sind Werkstatt, Waschanlage und natürlich die Stellplätze für einige der Straßenbahnen.Vor allem die auf der Seite gezeigten alten Wagen stehen hier. Sie würden zwar aus eigener Kraft die Bergfahrt in den Betriebshof auf den Heuchelhof schaffen, kämen jedoch nicht ohne Probleme zurück in die Stadt... (die Strecke auf den Heuchelhof ist Europas steilste Straßenbahnstrecke ohne Zahnräder oder andere Hilfsmittel!). In den oberen Stockwerken sind Verkehrsleitung und Personalräume untergebracht.

Mit der Erweiterung des Liniennetzes Ende der 1980er Jahre in den Stadtteil Heuchelhof, wurde dort ein zweiter Betriebshof im Industriegebiet errichtet. Hier stehen die meißten Straßenbahnen aktueller Bauart und einige alte, ausgemusterte Fahrzeuge zum Ausschlachten.

Sonderfahrzeuge

Als Sonderfahrzeuge sind auf alle Fälle die Wagen 299 und 295 zu bezeichnen. 299 ist eine richtige E-Lok (Baujahr 1946) die am Betriebshof im Stadtteil Heuchelhof ihren Standort hat. Das Fahrzeug dient in strengen Wintern (ist lange her...) als Schneepflug. 295 ist ein ehemaliger Wagen vom Typ "GT-6" (Baujahr 1963) der zum Schienen Pflege- und Schleifwagen von der WSB umgebaut wurde. Das Fahrzeug verfügt unter anderem über einen eigenen Wassertank um die teilweise begrünten Gleisanlagen im Sommer mit Wasser versorgen zu können. Beide Fahrzeuge (vor allem die E-Lok) sind so selten auf Würzburgs Schienen zu sehen, dass es hier momentan leider keine Bilder gibt.

Streckenführung

Straßenbahnstau in der DomstraßeDie Streckenführung deckt zur Zeit ca. 42 Schienenkilometer ab. Die längste Strecke ist dabei von Rottenbauer in den Stadtteil Grombühl. Die Fahrzeit beträgt rund 45 Minuten. Im Gegensatz zu anderen Städten mit Straßenbahnen, fehlen dem Würzburger Schienenetz die Ausweichmöglichkeiten durch Weichen auf der Strecke. Einige wenige Ausnahmen gibt es z.B. in der Stuttgarter Straße vor dem Heuchelhofberg und in der Zellerau. Kommt es ein Mal zu einem Unfall oder ähnlichem, stauen sich immer gleich die Wagen in der Innenstadt. Das Beispielfoto zeigt einen Wagenstau in der Domstraße. An diesem Augusttag 2006 kamen wie jedes Jahr die Kreuzberg-Wallfahrer zurück in die Stadt und versammelten sich vor dem Neumünster und Dom. Die einzigen Wendemöglichkeiten gibt es neben den Betriebshöfen und den Endhaltestellen nur noch an der Haltestelle "Dallenbergbad". Diese Wendeschleife aus den 70er Jahren wurde damals beim zweispurigen Ausbau nach Heidingsfeld unterhalb der Konrad Adenauer Brücke angelegt. Ursprünglich sollte sie wohl auch die Menschenmassen aus dem großen Freibad (Dallenbergbad) und dem nahe gelegenen Kickers Stadion durch Sonderfahrten abfangen. Heute wird sie für diese Zwecke aber eigentlich überhaupt nicht mehr genutzt.

Stillgelegte Strecken

Noch bis vor einigen Jahren fuhr die Straßenbahnlinie 3 auf einer eingleisigen Strecke durch die engen Straßen im "Städtle" und hatte ihre Endstation am Ostbahnhof in Heidingsfeld. Die Linie wurde aber mit der letzten Fahrt am 08. Juni 2001 wegen des immer stärker werdenden Autoverkehrs in Heidingsfeld eingestellt. Oftmals war es einfach zu eng für Straba und Autos. Einige Jahre nach der Einstellung des Regelverkehrs bestand wieder Man sah den Straßenbahnschienen an der alten Wendeschleife beim Ostbahnhof richtig an, dass sie schon zum Zeitpunkt dieser Aufnahme im Jahr 2008 kaum noch genutzt wurden. Jetzt (2013), hat sich "das Thema" eh erledigt.verstärktes Interesse an einer Neuaufnahme des Betriebes. Dafür machte sich unter anderem die "Interessengemeinschaft Würzburger Straßenbahn" (IWS e.v.) stark. Die Gleise wurden damals nicht entfernt um eine Wendemöglichkeit zu haben. Außerdem wäre die Komplettentfernung sicher zu teuer geworden. Zur 10-jährigen "Fahrplanruhe" der Linie 3 wurde am 19.11.2011 eine Sonderfahrt mit einem der alten Triebwagen veranstaltet. Einen ausführlichen Bericht mit Bildern findet man auf der Straßenbahn-Webseite von Gregor Just aus Würzburg.

Die oben genannten Pläne die Strecke wieder zu aktivieren, sind inzwischen hinfällig. Grund ist, dass die Strecke durch Heidingsfeld alleine schon dadurch unbefahrbar gemacht wird, dass die Betonmasten welche die Oberleitung halten, entfernt werden müssen. Denn im Bereich der Haltestellen Walther-Schule und Ostbahnhof stehen Oberleitungsmasten die sozusagen einsturzgefährdet sein könnten. 2012 knickte ein baugleicher Mast in der Zellerau um. Seitdem wurde die WSB von der Regierung von Mittelfranken (in diesem Fall die technische Aufsichtsbehörde) dazu verpflichtet, bis zur Frostperiode 2014 im gesamten Streckennetz alle diese Masten auszutauschen. Eine Reaktvierung der Straßenbahn zum Ostbahnhof bräuchte neben einer Erneuerung der Masten (Kostenpunkt: 500.000 Euro) außerdem auch eine Erneuerung der mehr als 40 Jahre alten Gleisanlagen, der Fahrleitung und der Signalanlagen. Kostenpunkt: Vier Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund hat der Aufsichtsrat der WSB ein Verfahren zur Einstellung des Straba-Betriebs eingeleitet. Und damit werden eben die 24 Masten einfach zurückgebaut. Damit ist die Sache "Wiederbelebung der Linie 3" bis auf weiteres und wahrscheinlich für immer erledigt. [2]

Bauarbeiten in den Sommerferien 2014

In den Sommerferien 2014 gilt - wie in den vergangenen Jahren auch wieder - der "Sommerferien-Fahrplan" der WSB. Dabei werden die Linien 3 und 2 für sechs Wochen ersatzlos gestrichen und der Taktverkehr auf den übrigen Linien verdichtet. Laut der WSB möchte man so dem in dieser Zeit geringeren Fahrgastaufkommen entgegenwirken. Zusätzlich wird der Straßenbahnverkehr in den Sommerferien für einige Wochen ab der Haltestelle Dallenbergbad in Richtung Heuchelhof und Rottenbauer durch Omnibusse ersetzt da in diesem Steckenabschnitt Bauarbeiten an den Gleisanlagen geplant sind. Im Zuge dieser Bauarbeiten, wird dann auch die Weiche Richtung Heidingsfeld (ehemals Abzweig der Linie 3) aus dem Streckennetz entfernt. Die Stecke nach Heidingsfeld ist damit - wie oben schon beschrieben - endgültig Geschichte.

Eine Straßenbahn als Vereinsheim

Wagen Nr. 280 dient heute als Vereinsheim für die Sportfreunde der WVV.Einer der alten ausgemusterten "Hagener Straßenbahnwagen" die bis zur Jahrtausendwende rund 40 Jahre im Einsatz in Würzburg waren, dient heute als Vereinsheim für die Sportfreunde der WVV. Der Sportplatz befindet sich gleich neben dem Betriebshof zwischen Heuchelhof und Rottenbauer. Hier hat auch Wagen 280 seine "letzte Haltstelle" gefunden...

 

Die Zukunft der Würzburger Straßenbahn

In der langen und traditionsreichen Geschichte der Straba in Würzburg waren und sind auch immer wieder Ausbau- und Erweiterungspläne ein großes Thema gewesen. So war schon beim Bau des Stadtteils Heuchelhof Ende der 1960er Jahre angedacht, eines Tages eine Straßenbahnlinie mit dem Stadtteil zu verbinden. Die breite Heuchelhofstraße hatte deswegen von Anfang an einen entsprechenden Grünstreifen in der Mitte der Fahrbahn, welcher dann 1989 zur Straba-Trasse umgewandelt wurde.

Seit dem Jahr 2009 wird überlegt die Buslinie 6 in den Stadtteil Keesburg / Sieboldshöhe durch eine Straßenbahn zu ersetzen. Mit der angedachten Linienführung könnte man mehrere "Fliegen mit einer Klappe schlagen" und gleichzeitig den neu entstehenden Stadtteil "Hubland" auf dem ehemaligen Gelände der Leighton Barraks (US-Kaserne) mit anbinden. Zusätzlich ist hier für das Jahr 2018 eine Landesgartenschau in Planung die auf dem Areal stattfinden wird. Die Endstation ist am Hubland geplant und würde damit den Universitätscampus am Hubland optimal mit abdecken.

Die Fertigstellung der Trasse war ursprünglich für das Jahr 2016 geplant. Bereits Anfang 2013 zeichnete sich ab, dass die Umsetzung bis 2018 eher unwahrscheinlich ist. Am 18. Juni gab die Stadt bekannt, dass eine Realisierung der Straßenbahnlinie 6 bis 2018 aufgrund von 450 Einwendungen und damit verbunden einem deutlich längeren Planfeststellungsverfahren nicht möglich ist. Kritiker warfen dem Stadtrat außerdem vor, durch seine Entscheidungen die Entwicklung behindert zu haben. [3] Zwei Tage später wurde bekannt, dass die neue Linie auch bis 2019 nicht fertig wird. [4] Der Termin der Fertigstellung ist somit offen. 83 Millionen Euro sind für den Bau der neuen Straba-Linie veranschlagt. Die zuvor angepeilten Kosten von 65 Millionen Euro wurden revidiert, nachdem zusätzliche Nebenkosten und Erschwernisse beim Bau mit einberechnet wurden.

Mehr zum Thema:

Streckennetz der Würzburger Straßenbahn

Streckennetz der Straßenbahn in Würzburg. Die geplante Linie 6 ist hier rot gekennzeichnet.


Straßenbahnlinien in Würzburg auf einer größeren Karte anzeigen.

Links zum Thema

Ein Straßenbahn-Video

Dieses kleine Video habe ich im Mai 2007 aufgenommen. Es zeigt einige Straßenbahnzüge am Abend und tagsüber. Das Video ist eigentlich als Experiment entstanden. Letztendlich wollte ich nur mal ein wenig filmen und Video am PC schneiden...

Quellenangaben
  1. Artikel in Wikipedia.de über die Würzburger Straßenbahn
  2. Main-Post Artikel "24 Straba-Masten werden gekappt" vom 01.03.2013
  3. Main-Post: Neue Straßenbahn nimmt weitere wichtige Hürde, Volkswirtschaftliche Analyse: Projekt ist förderfähig (17.07.12) → abgerufen am 23.12.2013
  4. Main-Post: Ohne Straßenbahn zur Landesgartenschau (18.06.2013) → abgerufen am 23.12.2013

Letzte Aktualisierung: 11.08.2014