Amerikaner in Würzburg

Nach 63 Jahren haben im Jahr 2008 die in Würzburg stationierten Amerikaner die Stadt verlassen. Über 10000 Soldaten, Zivilangestellte und ihre Familien waren in Spitzenzeiten hier stationiert und lebten in Stadt und Umland. Beheimatet war hier für sehr viele Jahre unter anderem die „Big Red One“ – also die „1. Infanterie Division“. Die letzten Streitkräfte verließen Würzburg Ende September 2008 – bis zu diesem Termin war hier noch die 69. Flugabwehr Artillerie Brigade stationiert, die dann auch ihren Fahnen einholte.

Colonel Anthony E. Haager überreicht dem damaligen Oberbürgermeister Georg Rosenthal eine Dankesurkunde zum Abschied. (Foto: Christian Weiß / Stadt Würzburg)

Dankesurkunde für den Oberbürgermeister

In der Stadt Würzburg gab es viele Gebäude und Gelände, die von den Streitkräften genutzt wurden – Hauptpunkt war dabei das 134,5 Hektar große Leighton-Areal mit der Kaserne „Leighton Barracks“. In den beiden Würzburger Kasernen waren u.a. die folgenden Einheiten stationiert:

  • 98th Area Support Group (Faulenberg Kaserne)
  • 417th Base Support Battalion (Leighton Barracks)
  • diese beiden sind aufgegangen in die U.S. Garrison Franconia
  • 101st Military Intelligence Battalion (Leighton Barracks)
  • 1st Military Police Company
  • 69th Signal Battalion (Leighton Barracks)

Natürlich war den Würzburgern irgendwie sicher immer klar, dass uns die Amerikaner irgendwann verlassen würden. Der ersten Anzeichen dafür gab es im Jahr 2004. Damals schrieb die Main-Post:

„Der Abzug der US-Truppen aus Deutschland gestaltet sich offenbar weit umfangreicher als bisher bekannt. Danach sollen sowohl die in Unterfranken stationierte 1. US-Infanteriedivision als auch die 1. Panzerdivision aus dem Rhein-Main-Gebiet in die USA zurück verlegt werden.

Dies meldet die New York Times unter Berufung auf US-Regierungskreise. Die 1. US-Infanteriedivision hat ihr Hauptquartier in Würzburg und Truppen in Schweinfurt, Kitzingen und Bamberg stationiert. Derzeit befindet sich das Gros der Soldaten im Einsatz im Norden des Irak“.

Im Laufe der nächsten Jahre kristallisierte sich immer mehr heraus, wie der Abzug vonstatten gehen würde. Und so langsam aber sicher begannen sich auch die Stadtoberhäupter darüber Gedanken zu machen, was man denn mit den zu erwartenden Flächen anfangen könne.

Im August 2004 sagte der Würzburger Bundestagsabgeordnete und Verteidigungs-Staatssekretär Walter Kolbow der Main-Post: „Klar ist, dass sich das US-Militär neu aufstellt und ihr Konzept an der Terrorismus-Bekämpfung ausrichtet. Deshalb wollen sie die 1. Panzerdivision und die 1. Infanteriedivision wahrscheinlich abziehen. Und davon werden wir wohl betroffen sein. Wir versuchen auf allen Ebenen, die Amerikaner von den Vorteilen der unterfränkischen Stationierungsorte zu überzeugen. Aber man darf sich nichts vormachen: Es wird zu einer Reduzierung kommen“.

Die Leighton-Barracks

Die Leighton-Barracks waren der Hauptstützpunkt der Amerikaner in Würzburg. Das Kasernen-Gelände wurde an Ostern 1945 von den Amerikanern eingenommen. Bis dahin war auch dies eine Kaserne der Wehrmacht. Hier gab es alles für die Zivilisten und Angehörigen der Armee. Vom riesigen Supermarkt über Schulen, Kirchen, Sportanlagen, ein Kino sowie eine Spielhalle bis hin zum eigenen Burger King, Anthony’s Pizza und Popeye’s Restaurant.

Hauptanziehungspunkt für viele in Unterfranken stationierte Amerikaner war aber wohl die Shopping-Mall. Sie war das größte Einkaufszentrum der Amerikaner in Europa. Hier wurde überwiegend extra für die Streitkräfte aus den USA importierte Lebensmittel verkauft. Das Fleisch kam z.B. von tropischen Inseln wie Hawaii. Geöffnet war der Supermarkt und die 14-Zapfsäulen große Tankstelle an sieben Tagen die Woche – rund um die Uhr. 1)Informationen aus einem Artikel von Globalsecurity.org

Übrig geblieben war von alle dem nur ein riesiges, hermetisch abgeriegeltes Gelände. So war es mir damals auch nur möglich, einige wenige Fotos „von außen durch den Zaun“ zu machen. Gerne hätte ich die vorhandenen Gebäude dokumentiert. Ein Betreten des Geländes ist – wenn überhaupt – nur mit Begleitung und Genehmigungen der Stadt Würzburg möglich.

Die Zukunft des Areals ist inzwischen auch gesichert. Im Jahr 2018 findet hier die Landesgartenschau statt. Zusätzlich hat die Uni Würzburg den benachbarten Hubland-Campus auf das Leighton-Areal erweitert und nutzt Gebäude und Sportanlagen auf dem neu erschaffenen „Hubland-Campus-Nord“ dafür. Die ehemaligen Wohngebäude in der Rottendorfer Straße wurden seit Anfang 2009 komplett renoviert und werden jetzt ganz regulär vermietet.

Die Straßen auf dem Gelände des Leighton Barracks wurden ursprünglich mit amerikanischen Namen (insbesondere Namen früherer US-Präsidenten) belegt. Im Zuge der Konversion zu Campus und Wohngebiet wurden sie wie folgt umbenannt:

  • Adams Avenue → Gerda-Laufer-Straße → nach Gerda Laufer (SPD-Politikerin, Ehrenbürgerin)
  • Jackson Avenue → Emil-Fischer-Straße → nach Emil Fischer (Chemiker, Nobelpreisträger)
  • Jefferson Street → Oswald-Külpe-Weg → nach Oswald-Külpe-Weg (Psychologe)
  • Madison Street → Josef-Martin-Weg → nach Josef Martin (Wiederaufbaurektor der Uni)
  • Monroe Street → Klara-Oppenheimer-Weg → nach Klara Oppenheimer (erste weibliche Studierende der Uni, Ärztin, NS-Opfer)
  • Marne Lane (2 Teilbereiche) → Beatrice-Edgell-Weg → nach Beatrice Edgell (erste promovierte Frau an der Uni) bzw. Matthias Lexer-Weg nach Matthias Lexer (Germanist, Mediävist)
  • Skyline Drive → Emil-Hilb-Weg → nach Emil Hilb (Mathematiker) 2)Artikel in der Wuerzburgwiki.de über die Leighton Barracks

Bilder der Leighton-Barracks und Umgebung

Der AFN auf UKW 104,9 in Würzburg

Das ehemalige AFN-Studio in Würzburg 1980. Das Bild zeigt Mike Anthony (sitzend), Bill Boyd (Mitte) und den damaligen Studio-Chef Clark Taylor. Das Foto stammt aus einem Mainpost Artikel vom 8. Mai 1980 und wurde von Heußner gemacht.

Das ehemalige AFN-Studio in Würzburg

Ab 01. Mai 1980 hatten die Würzburger Dank der Amerikaner auch das „Vergnügen“, einen „ganz anderen“ Radiosender hören zu können. Viele haben ihn vielleicht gar nicht wirklich bemerkt im Laufe seiner Sendejahre. Für manche war der AFN (American Forces Network) aber vielleicht die Möglichkeit, einen kleinen Blick über den „eigenen Tellerrand“ zu werfen. Gesendet wurde aus einem kleinen Gebäude in den Leighton-Barracks. Von dort wurden neben Würzburg auch die Standorte Kitzingen, Giebelstadt, Schweinfurt, Bad Kissingen, Bamberg, Ansbach und Illesheim versorgt.

AFN Bavaria Logo

AFN Bavaria Logo

Persönlich habe ich den AFN immer sehr gerne gehört. Bis zum Schluss war er in gewisser Weise „mein Sender“. Zwar war die Tonqualität nie wirklich überragend oder gar an den Qualitätsmaßstäben deutscher Radiosender zu messen. Dafür war das Programm aber sehr abwechslungsreich und einfach in vielerlei Hinsicht „anders“ als hierzulande üblich.

Vielleicht hat es mich auch getäuscht, aber ich fand die Moderatoren irgendwie immer ziemlich lässig. Wenig überflüssige Moderationen, fast nie lästige Gewinnspiele und keine Moderatoren, die meinten, ihre vermeintliche „Lokalprominenz“ ausspielen zu müssen. Statt dessen gute Rockmusik und ab und zu auch Country oder Black-Music – ein Programm, das eben den Bedürfnissen der Streitkräfte angepasst war.

Gesendet wurde anfangs nur sechs Stunden täglich und das auf Mittelwelle 1143 kHz. Später kam dann das 24-Stündige Vollprogramm auf UKW 104,9 mit Programmübernahmen aus den USA (z.B. dem „National Public Radio“ – NPR) dazu. Nicht zu vergessen sei natürlich auch das eigene Fernsehprogramm des AFN. Dieses war für Deutsche aber aufgrund des von den Amerikanern verwendeten Fernsehstandards nicht oder nur schwer zu empfangen.

Und so klang der AFN mit dem Programm Z-FM damals in Würzburg. Die Montage enthält vier Station-IDs – so genannte „Jingles“.

Der Sendebetrieb wurde ohne große Vorankündigung für Würzburg am 01. Juli 2008 eingestellt. Mit dem Abzug der US-Truppen aus Bamberg und Schweinfurt wurde nun auch dort der Sendebetrieb eingestellt. Die Frequenz 98,9 MHz in Bamberg wurde am Vormittag des 18. November 2014 abgeschaltet, gefolgt von der Frequenz 87,7 MHz in Schweinfurt am 19. November gegen 13.00 Uhr.

Diese UKW-Frequenzen waren überhaupt erst 2010 bzw. 2008 in Betrieb gegangen. In Schweinfurt soll dafür die Gerätetechnik der Würzburger AFN-Frequenz 104,9 MHz wiederverwendet worden sein. Bamberg und Schweinfurt gehörten traditionell zum Sendegebiet des AFN-Studios Würzburg, bis es mit dem Abzug der US-Streitkräfte aus Würzburg 2008 geschlossen wurde. Damit fielen diese Standorte an das Studio Vilseck, das seinerseits 1994 aus Nürnberg dorthin umgezogen war. 3)Artikel beim Radio Eins Medienmagazin aus Berlin (19.11.2014) → abgerufen am 03.12.2014 Artikel existiert nicht mehr

In Würzburg ist der AFN heute über UKW nicht mehr zu empfangen. Eine Zeit lang konnte ich das Programm aber tatsächlich schon im Autoradio (Überreichweite) im Würzburger Stadtteil Rottenbauer empfangen. Fuhr man dann Richtung Frankfurt, konnte man das Programm aus Wiesbaden auf der UKW-Frequenz 98,7 hören. Zwischenzeitlich wurde auch diese Frequenz abgegeben und der Sendebetrieb eingestellt.

Als Empfangsalternative hat der AFN inzwischen unter dem Namen „AFN 360“ einen Audiostream eingeführt, der alle bisherigen Empfangsprobleme löst. Hier werden verschiedene Programme nach einem festen Programmschema ausgestrahlt. Unter anderem auch das Programm von „AFN Bavaria“.

Emery-Barracks an der Veitshöchheimer Straße

Die ehemalige Kaserne an der Veitshöchheimer Straße

Ehemalige Kaserne an der Veitshöchheimer Str.

Stolz stehen die alten Gebäude aus den 1930er Jahren an der lauten Schnellstraße. Wenig erinnert heute noch daran, dass diese bis 1990 eine Kaserne der Amerikaner, und ursprünglich der Wehrmacht war. Denn seit dem Jahr 1992 dient der Komplex als Asylbewerberheim des Freistaats Bayern für inzwischen 450 Menschen aus 35 Nationen. Sie „leben“ und warten hier vor allem auf ihr Asylverfahren. Immer wieder mal gab es hier in der Vergangenheit Probleme mit Gewalt und sogar Selbstmord unter den Bewohnern.

Kein Wunder – sind doch in den Gebäuden Menschen unterschiedlichster Kulturen auf – für unsere Wohnverhältnisse – beengtem Raum untergebracht, man könnte auch sagen „kaserniert“. Die humanitären Zustände in der Kaserne sind kurz und treffend ausgedrückt in vielen Fällen „katastrophal“.

Zu dieser Einschätzung kam der Bayerische Flüchtlingsrat nach seiner einwöchigen Aktion „LagerInventour“ im Jahr 2009. In Würzburg waren die Ratsmitglieder besonders schockiert. Es sei das „krasseste Lager, das sie jemals zu Gesicht bekommen“ hätten. Wegen dieser Zustände berichteten im April 2009 auch die ARD Tagesthemen in einem Beitrag über das Lager in Würzburg.

Mehr zu diesem Thema, und wie sich die Probleme in der Unterkunft entwickelt haben, gibt es im Artikel über den Stadtteil Dürrbachau.

Ein Masterplan für die Faulenberg-Kaserne

Auf dem Gelände neben der alten Feuerwehrschule aus dem Jahr 1887 und 1888 befand sich lange Jahre eine Kaserne mit großem Fahrzeugpark. Auch diese Kaserne ist inzwischen natürlich verschlossen und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ursprünglich war in der Stadt mal eine Ansiedlung von IKEA auf diesem Areal angedacht. Das Möbelhaus eröffnet seine Würzburger Filiale aber dann im Juni 2009 in Lengfeld in einem neu erschlossenen Industriegebiet.

Für die Entwicklung der ehemaligen Faulenberg-Kaserne wurde von der Stadt ein „Masterplan“ entwickelt, im Konversionsausschuss der Stadt Würzburg vorgestellt und Ende September 2011 beschlossen.

Die Ziele: Das Gebiet soll größtmögliche Nutzungsvielfalt im Bereich hochwertiges Gewerbe entwickeln. Dafür sollen großzügige, attraktive Freiräume gestaltet werden und identitätsstiftende Gebäude (Baudenkmäler) eine Reaktivierung erfahren. Eine stadtverträgliche Mobilität und optimale verkehrliche Vernetzung sollen gefördert und die qualitätsvolle Umsetzung des Leitbildes sichergestellt werden. Die flexible und solide Nutzungsstruktur soll als Grundlage für erste Entwicklungsimpulse dienen.

Mit Beschluss des Masterplanes liegt nunmehr ein Gesamtkonzept vor, das den weiteren Fortgang des Planungs- und Realisierungsprozesses vorgibt. Der Masterplan fasst die gemeinsam erarbeiteten Ziele und Leitgedanken der Entwicklung zusammen und bildet den Rahmen für eine qualitätsvolle Umsetzung.

Das US-Hospital am Galgenberg

Am 19. Oktober 2007 wurde auch hier die letzte Fahne eingeholt. Mehr als 60 Jahre wurde das von der Wehrmacht im Jahre 1937 errichtete Krankenhaus auf dem Mönchberg von der US-Army als Hospital genutzt. Das Objekt oberhalb der Missionsärztlichen Klinik, ca. sechs Hektar groß, wurde in die Hand der Bundesanstalt für Immobilien (BIMA) übergeben. Die hier gezeigten Bilder entstanden fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Schließung am 12. Oktober 2008.

Der Komplex wurde dann von der Nürnberger Maiberg GmbH erworben und ist ab dem Jahr 2009 für rund 60 Millionen Euro umgebaut worden. Die Gebäude wurden entkernt und teilweise abgerissen. Aus dem ehemaligen US-Hospital entstand auf dem 56.000 Quadratmeter großen Gelände der „Wohnpark Mönchberg“ mit 180 – 200 Eigentumswohnungen der „gehobenen Klasse“ für entsprechende Preise.

Zwischen 50 und 200 Quadratmeter haben die neuen Wohnungen, und das bei einem Preis zwischen 2.350 und 2.750 Euro je nach Lage und Attraktivität pro Quadratmeter. Die meisten Appartements – überwiegend drei bis vier Zimmer – haben eine Wohnfläche von 85 bis 125 Quadratmeter. Ende 2010 waren die ersten Wohnungen bezugsfertig. Die drei Bilder in der letzten Reihe (unten) zeigen das Gebäude nach der Umgestaltung im August 2012.

Hindenburg-Kaserne in der Zellerau

Auch hier war ein Stützpunkt der Amerikaner in Würzburg. Sehr viele Jahre haben sie den Stadtteil Zellerau und seine Anwohner durch ihre Anwesenheit stark geprägt. Das Gelände war lange Jahre eine Brachfläche (siehe Bilder aus dem Jahr 2008). Inzwischen hat einen Teil des Geländes die Staatliche Feuerwehrschule übernommen und im Jahr 2016 ein mehrstöckiges Übungshaus errichtet. Außerdem wurde ein großer Bereich zu einer Sitz- und Aufenthaltsfläche umgewandelt. In der Vergangenheit war auch mal kurzfristig der Bau einer Wohnanlage angedacht. Entsprechende Pläne wurden aber wieder verworfen. Weitere ehemalige Kasernen aus „Kaisers Zeiten“ werden seit vielen Jahren von der Bereitschaftspolizei in der Sedanstrasse verwendet.

Untergebracht war in der Hindenburg-Kaserne ein Fernmeldebattalion mit seinem Fuhrpark. Auf dem Gelände befanden sich aber auch einige inzwischen abgerissene Gebäude wie z.B. ein Casino mit Kantine und Veranstaltungsräumen. Zusätzlich gab es einige Unterkünfte und eine Werkstatt. Ein Anwohner erzählte mir, dass hier früher „Tag und Nacht“ gearbeitet wurde. Das Areal wurde bereits Anfang der 1990er Jahre verlassen. In den Ende 2012 abgerissenen ehemaligen Garagen (siehe Fotos) standen früher unter anderem einige Fahrzeuge der Stadt Würzburg und die Faschingswagen der „Carneval-Freunde-Zellerau“.

Die Bedeutung der Amerikaner für Würzburg

Da die Soldaten mit ihren Familien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor waren und das Militär auch als ein nicht unbedeutender Arbeitgeber für deutsche Zivilisten diente, ist die Schließung der Kasernen von der Stadt im Vorfeld mit großer Sorge vor allem im Hinblick auf die mittelständischen Betriebe betrachtet worden.

Nicht zu vergessen sind auch die unzähligen persönlichen Kontakte zwischen US-Soldaten, deren Angehörigen sowie der Würzburger Bevölkerung. Unzählig sind die Ehen und Kinder, die aus Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern hervorgegangen sind. Für viele Betroffene ist damals somit sicherlich eine große Lücke entstanden. Denn mit den Amerikanern sind nicht nur unsere „Besatzer“, sondern auch unsere Freunde aus der Stadt gegangen.

Schilder aus vergangenen Tagen: "Militärischer Sicherheitsbereich".

Schilder aus vergangenen Tagen

Mir fehlte schon seit Jahren das legendäre Deutsch-Amerikanische-Freundschaftsfest in den Leighton Barracks sowie der ein oder andere Besuch im „echten“ Burger King. Zwar war dies nie so wirklich erlaubt, aber zu Zeiten vor 9/11 – und damit vor dem Angriff auf das World-Trade-Center in New York – war dies durchaus möglich. Damals stand die Kaserne offen und man konnte ohne Probleme mit dem Auto hindurchfahren. Auch der Besuch bei Burger King war darum möglich, wenn man dort in US-Dollar bezahlte. Bei manchen Sparkassen-Filialen der Stadt konnte man damals sogar US-Dollar am Geldautomaten beziehen.

Gerne erinnere ich mich an die Zeiten, als das Deutsch-Amerikanische-Freundschaftsfest das dritte Volksfest in Würzburg war. Einmal im Jahr (ich glaube es war immer im April) öffneten die Amerikaner für einige Tage die Kaserne für die Bevölkerung. Tagsüber gab es ein Familienprogramm und man konnte u.a. den ein oder anderen Panzer und weiteres Militärgerät besichtigen. Nicht zu vergessen sind auch die legendären kulinarischen Angebote. Jeder, den ich kenne und der damals dabei war, schwärmt noch heute zu Recht von den leckeren Eissorten und Süßigkeiten, die es in Deutschland einfach nicht gab. Heute hingegen bekommt man viele dieser Produkte an Tankstellen und in Supermärkten. Besonders lecker waren aber immer die selbstgemachten Burger auf dem Grill – das waren noch Zeiten!

Der Spaß endete letztlich mit dem Angriff auf das World-Trade-Center in New York. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurden die Kasernen total verschlossen und streng bewacht. Die Offenheit und das berühmte „easy going“ der Amerikaner war damit für uns Würzburger dahin. Es gab zwar noch das ein oder andere Volksfest, jedoch unter starken Sicherheitsbedingungen. Jeder Wagen, der auf das Gelände fahren wollte, wurde komplett durchsucht, so dass sich ewige Schlangen vor der Kaserne bildeten. Wahrscheinlich war dies dann auch den Amis zuviel und das Deutsch-Amerikanische-Freundschaftsfest war Geschichte.

Ein „Original“ auf Würzburgs Straßen

Als ich im Juni 2009 die Fotos rund um die Faulenberg-Kaserne gemacht hatte und anschließend zu einem Kaffee in eine nahe gelegene Tankstelle einkehrte, staunte ich nicht schlecht: Vor meinen Augen stand – passend zu den eben geschossenen Fotos – ein original und 1A-erhaltener Militär-Jeep der Amerikaner, so wie er früher sicherlich auch auf Würzburgs Straßen zu sehen war. So kam ich auch kurz mit Stefan ins Gespräch, dem das Fahrzeug gehört und der geradewegs von einem regionalen Militärfahrzeugtreffen kam.

Er erzählte mir, dass es doch recht schwierig sei, so ein Fahrzeug vor allem in diesem Zustand aufzutreiben. Der Wagen aus dem Jahr 1969 besitzt einen Ford 4-Zylinder-Motor und wurde extra aus dem fernen Osten importiert. Erwähnenswert ist wirklich der Originalzustand. Jede Beschriftung ist da – alle Ausrüstungsgegenstände inklusive Funkantenne und Funkgerät (allerdings von der Bundeswehr) sind vorhanden und sogar der Lack ist noch original. Danke für die Infos und dass ich die Fotos machen durfte, Stefan!

Google-Map

Diese Google-Map zeigt die ehemaligen Standorte mit Kasernen und weiteren Einrichtungen der Amerikaner in Würzburg.

Feedback

Immer wieder mal erreichen mich Emails mit Feedback zu diesem und anderen Artikeln meiner Webseite. Dirk schrieb mir im Dezember 2014 folgendes:

Mit großer Begeisterung hab ich mir die Seite angesehen und die vielen Berichte und Geschichten dazu durchgelesen. Auch ich bin ein „Kind“ der Amerikaner in Würzburg und Jahrgang 1973.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Deutsch-Amerikanischen Volksfeste und teile die Begeisterung für das Eis und die Burger. Auch ich hab mir oft Dollar geholt, um mich bei Burger King, der Food-Mall (Pizza) mit Fast-Food zu versorgen. Natürlich bin ich auch auf den Panzern herumgeklettert, die die Amerikaner direkt neben dem Haupttor auf der rechten Seite ausgestellt hatten. Zuletzt waren da viele Irakische Beutepanzer dabei.
Für mich gehörten die Amerikaner irgendwie auch zu Würzburg… kannte es ja nicht anders, wenn gleich ich natürlich den Abzug und Souveränität Deutschlands begrüßte. Trotzdem ist es ein Teil unserer Würzburger Geschichte, an die ich mich oft gerne erinnere.

Quellenangaben   [ + ]

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