Würzburg Hauptbahnhof

Der Würzburger Hauptbahnhof steht vor großen Veränderungen. Das Gebäude aus dem Jahr 1954 und sein Umfeld ist vielen Menschen in der Stadt, nicht zu Unrecht, ein Dorn im Auge. Wer aus dem jetzigen Bahnhof auf den Vorplatz tritt, findet zwar einen sehr schön sanierten Brunnen, aber ansonsten ein Gelände und Gebäudeteile, die immer noch einer Überarbeitung bedürfen.

Würzburg Hauptbahnhof in einer Novembernacht 2012.

Würzburg Hauptbahnhof 2012.

Auch im Inneren des Bahnhofs sah es lange Jahre nicht viel besser aus. Der „Mief“ der 1950er Jahre wurde hier lange von der Bahn beibehalten und förmlich „gepflegt“. Vieles hat sich inzwischen aber verändert. Die Sanierung der Bahnhofshalle und des Hauptgebäudes ist mittlerweile abgeschlossen und auch im Umfeld hat sich vieles getan.

Grund für die Aktivitäten ist in erster Linie die Tatsache, dass Würzburg im Jahr 2018 die Landesgartenschau ausrichten wird. Dies war vielleicht auch ein Grund dafür, dass die Bahn endlich eine verlässliche Aussage bezüglich der Renovierung gemacht hatte.

Die folgende Seite soll zeigen, wie sich unser Bahnhof verändert. Die zahlreichen Bahnhofsbilder entstanden im Abstand jeweils eines Jahres zwischen 2009 und 2014 und befinden sich auf einer Extra-Seite.

Die Geschichte des Würzburger Hauptbahnhofs

Der Bahnhof, wie wir ihn heute kennen, existiert so seit dem Jahr 1954. In diesem Jahr war der Wiederaufbau nach dem Bombenangriff vom 16. März 1945 abgeschlossen und der Bahnhof wurde feierlich wiedereröffnet. Vor dem Krieg war der Bahnhof ein schöner Jugendstilbau aus der Jahrhundertwende.

Der Würzburger Hauptbahnhof auf einer alten Postkartenansicht. So schön sah der Bahnhof bis zu seiner Zerstörung am 16. März 1945 aus.

So schön sah der Bahnhof bis zu seiner Zerstörung am 16. März 1945 aus.

Nachdem von den alten Gebäuden nach dem Krieg nicht mehr viel übrig war, musste damals etwas Neues geschaffen werden. Die Zerstörungen waren einfach zu stark und auch der Bahnhof selber wurde – der Zeit und dem gestiegenen Verkehrsaufkommen entsprechend – größer aufgezogen. So entstand ein für die damalige Zeit moderner Flachbau mit Nebengebäuden.

Der ursprüngliche Bahnhof aus der Zeit um 1870 hatte seinen Standort am Platz des heutigen Mainfranken-Theaters in der Theaterstraße. Die ehemaligen Bahnhofsgebäude wurden noch bis in den Krieg als Veranstaltungshalle genutzt. Bis in die 1960er Jahre waren die durch den Krieg entstandenen Ruinen erhalten geblieben und wurden dann 1964 durch den Theaterneubau ersetzt.

Steht man heute vor dem Mainfranken-Theater, kann man rechts noch ein Originalgebäude aus der Zeit des alten Bahnhofs sehen. Am Gebäude hat der „Zahn der Zeit“ sichtbare Spuren hinterlassen, so dass eine Lösung für die im Gebäude befindlichen Behörden gefunden werden musste.

Wie fast überall, wo Sandstein verbaut wurde und die Umwelteinflüsse (z.B. Straßenverkehr) sehr stark sind, gibt es derartige Probleme. Bis Oktober 2011 befand sich demnach im Gebäude 59 Jahre lang das Gesundheitsamt der Stadt Würzburg und ist jetzt in das frisch renovierte Landratsamt in der Zeppelinstraße gezogen. Auch das Veterinäramt wurde umgesiedelt, allerdings in die Leistenstraße.

Fotos vom Würzburger Hauptbahnhof

Auf einer extra eingerichteten Seite gibt es zahlreiche Fotos vom Würzburger Hauptbahnhof, die die Umbaumaßnahmen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dokumentieren.

Planungen für den Bahnhofsumbau begannen 2010

Der Würzburger Hauptbahnhof wird bis zur Eröffnung der Landesgartenschau im April 2018 vollständig saniert. Auf dieses Datum hatte sich Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender von DB Mobility Networks Logistic und Chef der Deutschen Bahn, in einem Brief an die Stadt Würzburg im Jahr 2010 festgelegt. Würzburgs damaliger Oberbürgermeister Georg Rosenthal hatte die DB AG darum gebeten, sicherzustellen, dass der Hauptbahnhof bis zur Landesgartenschau fertig saniert sein müsse.

Da die Bauzeit rund fünf Jahre betrage, sollte spätestens 2011 oder 2012 mit den Baumaßnahmen für Verkehrsstation und Empfangshalle begonnen werden. Der Bahnhof soll ein offeneres und moderneres Gesicht erhalten. Eine breitere Unterführung sowie Aufzüge zu den Bahnsteigen sicherte die Bahn zu. Allein für diese Arbeiten werden die Umbaukosten auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. 1)Bayerischer Rundfunk 18.03.2010

Das Umfeld von Bus- und Hauptbahnhof vor der Sanierung

Alleine schon aus beruflichen Gründen kam ich einige Zeit täglich an den Würzburger Busbahnhof zum Umsteigen zwischen Bus und Straßenbahn. Dabei fiel mir immer wieder auf, dass sich das Umfeld stark zum Negativen verändert hatte.

Das direkte Umfeld des Würzburger Hauptbahnhofs ist alles andere als "ansehnlich". Ob man will oder nicht wird man hier zudem auf "Schritt und Tritt" von Videokameras überwacht (siehe links oben auf dem Dach).

Das direkte Umfeld des Würzburger Hauptbahnhofs ist alles andere als „ansehnlich“.

Früher war es in der Regel nur eine Handvoll Punks, die vor den Buden oder auf der Rasenfläche Platz nahmen, um sich dort zu treffen. „Sauber“ in dem Sinne waren sie dabei zwar nicht, aber es war wenigstens mehr oder weniger friedlich.

Zwischenzeitlich verkam aber gerade das direkte Umfeld des Busbahnhofs für meinen Geschmack zu einem regelrechten „Saufgelage“. Ob am Mittag oder Abend – wer vom Busbahnhof zur Straßenbahnhaltestelle ging, traf in der Regel ständig auf alkoholisierte Personen, die sich häufig auch in den Haaren hatten. „Erschreckend“ empfand ich dabei immer den Anteil der sehr vielen jungen Leute.

Rund um die Straßenbahnhaltestelle herrscht nicht nur tagsüber reger Betrieb...

Rund um die Straßenbahnhaltestelle herrscht nicht nur tagsüber reger Betrieb…

Eines Tages wurde ich selber Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen einigen (angetrunkenen) Personen. Mein Bus kam leider einige Minuten zu spät am Busbahnhof an, weswegen der Straßenbahnanschluss weg war. So blieb mir also nichts weiter übrig, als etwas warten zu müssen. Ich beobachtete, wie mehrere Personen lautstark und sichtlich aggressiv gegeneinander vorgingen. Ruck Zuck war das Maß der Dinge überschritten und es flogen die Fäuste. Die Stimmung unter den Beteiligten war so aggressiv, dass zwei weitere Personen in Streit gerieten. Ein sturzbetrunkener Mann, der einen anderen beleidigt hatte, fing sich ebenfalls eine ein und ging zu Boden.

Ca. eine Minute später erschien ein Streifenwagen der Polizei. Die Beamten stiegen aus und zogen zur Sicherheit gleich ihre schwarzen Lederhandschuhe an. Zwei Minuten später erschien ein zweiter, dritter und kurz danach auch noch ein vierter Streifenwagen mit Blaulicht und Sirene. Insgesamt waren nun acht Polizisten vor Ort und hatten die unruhige Lage durch ihre starke Präsenz schnell im Griff und vernahmen die beteiligten Personen.

Nachts warten am Busbahnhof nicht nur Busse auf Fahrgäste...

Nachts warten am Busbahnhof nicht nur Busse auf Fahrgäste…

Ich habe mich bei solchen Situationen immer gefragt, warum das so ein muss? Was ist so „toll“ daran, sich am Bahnhof aufzuhalten und Alkohol zu trinken? Und warum treffen sich gerade recht viele Jugendliche mit ihren Cliquen an diesem Ort? Dass ein Bahnhof in der Regel ein Platz ist, der die unterschiedlichsten Leute anzieht, sollte klar sein. Die Frage, die sich mir aber eigentlich stellt, ist, warum dies überhaupt möglich ist?

Der Grund ist in meinen Augen vielleicht, dass die Bahn für diesen Bereich des Bahnhofs nicht zuständig ist – hier ist die Stadt Würzburg gefragt. Würde man aber z.B. Platzverweise aussprechen, würden diese das Problem nur verlagern und nicht in Wohlgefallen auflösen – das wäre zu einfach gedacht. Etwas mehr Präsenz oder auch Sozialarbeit, die von der Stadt in Auftrag gegeben werden müsste, wäre hier vielleicht ein Lösungsansatz. Ebenfalls könnte die Stadt sicherlich Alkoholverkauf in den Bahnhofsgeschäften unterbinden, um so die Situation ebenfalls zu „entschärfen“.

Pläne für Einkaufszentrum gescheitert

Im Jahr 2006 waren die Bahn, die Stadt Würzburg und die private mfi AG in einem Bürgerentscheid mit dem „Würzburg Arkaden“-Projekt gescheitert. Die Projektpläne beinhalteten den Bau eines Einkaufszentrums auf 20000 Quadratmetern und einer Veranstaltungshalle für 5000 Besucher direkt neben dem Hauptbahnhof. Zudem sollten die Bahnhofshalle und der -vorplatz umgestaltet und modernisiert werden.

Die Bürgerinitiative „Ringpark-in-Gefahr“ warnte damals vor allem vor weiteren Eingriffen in die Parkflächen am Bahnhof. Zudem befürchtete sie einen Verkehrskollaps und die Verödung der Innenstadt nach Eröffnung des Einkaufszentrums. Die Initiative erwirkte letztlich einen Bürgerentscheid, in dem sich die Würzburger gegen das Projekt aussprachen. 2)Mit Material aus einem Online-Artikel des Bayerischen Rundfunks vom 18.03.2010 (Artikel nicht mehr verfügbar)

Abriss der Bahnhofsbuden

Die letzten Tage sind gezählt... Der "Schöne Rene" kurz vor dem Abriss.

Die letzten Tage sind gezählt… Der „Schöne Rene“ kurz vor dem Abriss.

Bis April 2018 sollen die Verkaufsbuden rund um den Würzburger Bahnhofsvorplatz abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Diese Maßnahme ist, ebenso wie die Sanierung und der Umbau des Bahnhofs, Bestandteil der Bahnhofserneuerung, welche zur Landesgartenschau 2018 in Würzburg abgeschlossen sein soll.

Der komplette Umbau des Würzburger Hauptbahnhofs wurde in der Stadt von Anfang an kontrovers diskutiert. Nicht jeder ist mit allen Entscheidungen einverstanden und auch die Bauarbeiten sind aufwändig und nervenaufreibend. Für allgemeinen Diskussionsstoff sorgte zuletzt vor allem der geplante Abriss der Bahnhofsbuden. Nicht für jeden ist dieser ein Vorteil, wie ein Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks aus dem April 2016 zeigt.

Bis zum 31. März 2016 hatten die Mieter die Schlüssel bei der Stadtverwaltung abzugeben und am 8. Juni hat der Abriss der ersten Buden auf der Ostseite des Bahnhofsvorplatzes begonnen. Die Kaufleute in den Buden auf der Westseite hingegen bekamen etwas mehr Zeit zugesprochen. Aktuell (November 2016) stehen diese Buden immer noch, sind aber leer. Eigentlich sollten an Stelle der Buden neue Gebäude in ähnlichem Stil errichtet werden – es kam aber anders…

In einer Sitzung der Kommission für Stadtbild und Architektur hatte Architekt Christian Teige vom Stuttgarter Büro Auer Weber im Frühjahr 2016 einen Vorentwurf für einen neuen Pavillon-Typus vorgestellt. Demnach sollten die neuen Buden den alten recht ähnlich sehen, was bei den Mitgliedern der Kommission nicht unumstritten blieb.

Pizzabäcker Salavatore sagt "DANKE für die wunderschöne Zeit".

Pizzabäcker Salvatore sagt „DANKE für die wunderschöne Zeit“.

Dem vorausgegangen waren verschiedene Ideen für die Neu- bzw. Umgestaltung des Vorplatzes: Von ersatzlosem Abriss der Buden bis zur Entfernung der Grünflächen und Ersatz durch Pflasterung. Auch die Idee, den Platz durch Baumreihen einzurahmen, gab es. Der Stadtrat entschied sich aber für die Variante, die maroden Pavillons aus den 1950er Jahren durch neue zu ersetzen.

Zu seinem Entwurf sagte Architekt Teige der Main-Post, dass sich die Struktur nicht sehr von der bisherigen unterscheide, denn „warum soll man etwas verändern, wenn man die Qualität des Raumes erkennt“, so seine Begründung. Es handele sich aber nicht um einen bloßen Nachbau, sondern darum, „die Pavillons im Geist der Entstehungszeit mit modernen Mitteln weiter zu entwickeln“. Das Ergebnis war eine Stahlkonstruktion mit Holzfassade und viel Glas. Leicht verändert ist in der Planung die Anordnung der Pavillons. Sie stehen nicht mehr wie an einer Schnur aufgereiht nebeneinander, sondern sind teilweise zu „Ensembles“ zusammengestellt. Auch die strenge Symmetrie der Anordnung wird in dem Entwurf nicht übernommen.

Das war dann auch einer der Kritikpunkte aus der Architekten-Jury: „Fragwürdig und störend“ sei die Asymmetrie der Planung, stellte Ferdinand Stracke (München) fest. Petra Kahlfeldt (Berlin) missfielen die Pavillons insgesamt: „Alles, was jetzt schlecht ist, wird wieder gebaut, die Chance, etwas Neues zu machen, wird nicht genutzt“ lautete ihr Fazit. Da könne man auch gleich das Alte wieder instand setzen. 3)Mit Material aus Neue Pavillons am Bahnhof sehen fast wie die alten aus → Main-Post vom 29.04.2016 → abgerufen am 09.11.2016

Die große Wende kam nach dem Abriss

Einige Zeit nach dem Abriss war von den Buden nichts mehr zu sehen.

Einige Zeit nach dem Abriss war von den Buden nichts mehr zu sehen.

Einige Wochen nach dem Abriss der ersten Buden auf der Ostseite des Bahnhofsvorplatzes wurden plötzlich alle bisherigen Vorhaben in Sachen Umgestaltung und Neubau der Buden hinfällig. Dem vorausgegangen war eine Stadtratssitzung, in der die beiden CSU-Stadträte Wolfgang Scheller und Thomas Schmitt einen Antrag gestellt hatten, der vorsah, die bestehenden Pavillons weiter abzureißen, aber vorläufig keine neuen zu errichten. Stattdessen sollte jeweils eine Baumreihe gepflanzt werden.

Stadtbaurat Christian Baumgart musste dann auch noch eingestehen, dass der geplante Termin für die Fertigstellung bis zur Landesgartenschau 2018 nicht gehalten werden kann. Als Begründung sagte er in der Sitzung, dass sich die Gespräche mit der Deutschen Bahn, die die Pavillons nach Fertigstellung mieten soll, verzögerten, weshalb der Termin für den Baubeginn nicht mehr haltbar sei.

Als Folge daraus wurden die Buden zwar abgerissen, ein Neubau ist aber nicht in Sicht. Die ehemalige Fläche wurde kurzerhand durch eine schlichte Rasenfläche begrünt. Wann und wie es nun weiter geht, ist nicht ganz klar im Moment. Fakt ist jedenfalls, dass der Stadtratsbeschluss über den Abriss und Neubau der Buden weiterhin Bestand hat. Stadtbaurat Baumgart ist sich sicher, dass eine mögliche temporäre Baustelle während der Landesgartenschau zu beherrschen sei. 4)Mit Material aus Neue Pavillons am Bahnhof erst nach der Gartenschau → Main-Post vom 29.07.2016 → abgerufen am 09.11.2016

Bilder zum Thema findest Du in der Fotodokumentation.

Unterwegs zwischen Kaiserstraße, Hauptbahnhof und Posthalle

Quellenangaben   [ + ]

Diesen Artikel kommentieren