Würzburger Straßenbahn

Die Würzburger Straßenbahn – umgangssprachlich meist „Straba“ (mit kurzem „a“) genannt – wurde 1892 zunächst als Pferdebahn eröffnet und nach nur acht Jahren auf elektrischen Betrieb umgestellt. Nach zweimaliger Stilllegung und dem Systemstreit in den 1960er Jahren ist der Bestand der Straßenbahn mittlerweile gesichert.

Sie bildet gemeinsam mit dem Omnibusverkehr das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Stadt und wird von der Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB), einem Tochterunternehmen der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH (WVV) betrieben.

Das 19,7 Kilometer lange Streckennetz ist mit 750 Volt Gleichspannung elektrifiziert, nahezu komplett zweigleisig ausgebaut und verfügt über 47 Haltestellen. Alle Fahrzeuggattungen besitzen die übliche Spurweite von 1000 mm. Auf den fünf Straßenbahn- und 32 Buslinien werden jährlich knapp 20 Millionen Fahrgäste befördert. 1)Artikel in Wikipedia.de über die Würzburger Straßenbahn

Fuhrpark der Würzburger Straßenbahn

Wagen Nr. 280 dient heute als Vereinsheim für die Sportfreunde der WVV.

Wagen Nr. 280 dient heute als Vereinsheim für die Sportfreunde der WVV.

Der Fuhrpark besteht gegenwärtig aus 41 Straßenbahnfahrzeugen, die im Fahrgastbetrieb zum Einsatz kommen und folgenden drei Fahrzeugtypen zuzuordnen sind:

  • 6 dreiteilige GTW-D8 (Fahrzeugnummern 236, 238, 243 bis 246)
  • 14 dreiteilige GT-E (Fahrzeugnummern 201 bis 214)
  • 20 fünfteilige GT-N (Fahrzeugnummern 250 bis 269)

Darüber hinaus existieren noch einige Sonderfahrzeuge in Würzburg, die nur bei Extrafahrten zum Einsatz kommen oder für den Betriebsunterhalt eingesetzt werden:

  • historischer Triebwagen GT-H (Fahrzeugnummer 272)
  • historischer Trieb- und Beiwagen Schoppen-Express (Fahrzeugnummer 291 und 292)
  • Düwag-Schienenpflegezug (Fahrzeugnummer 295)
  • Esslingen-Elektrolokomotive (Fahrzeugnummer 299) 2)Artikel in Wikipedia.de über die Würzburger Straßenbahn
  • Für die Jahre 2021 bis 2030 ist die Anschaffung von insgesamt 38 neuen Straßenbahnfahrzeugen geplant (siehe weiter unten)

Aufgrund der vorhandenen Wendeschleifen sind heute alle Züge Einrichtungsfahrzeuge. Die hier unten gezeigten alten Wagen vom Typ GTW-D8 konnten im „Notfall“ in beide Richtungen gefahren werden. Die ganz alten „Hagener Straßenbahnwagen“, die bis zur Jahrtausenwende genutzt wurden, hatten bis zum Umbau in „Einrichtungsfahrzeuge“ einen zweiten identischen Fahrerplatz und entsprechend auf beiden Fahrzeugseiten die gleiche Anzahl von Türen.

Wagen Nr. 238 gehört noch zur alten (Baujahr 1968) Wagengeneration (Typ „GTW-D8 245“). Diese sind heute – wenn überhaupt – nur noch im Schul- und Sonderverkehr auf Würzburgs Schienen zu sehen. Von sämtlichen ehemaligen Fahrzeugen sind meines Wissens nach nur zwei Fahrzeuge für den Einsatz verfügbar geblieben. „Der Rest“ wurde verkauft oder verschrottet. Einige wenige Wagen stehen noch im Betriebshof Heuchelhof und dienen dort als Ersatzteillager für die noch genutzten Züge. Früher oder später werden diese alten Fahrzeuge also definitiv aus dem Würzburger Stadtbild verschwinden – wahrscheinlich spätestens dann, wenn 2021 die ersten der 38 neuen Fahrzeuge in Betrieb genommen werden (siehe unten).

Eher selten gesehen auf Würzburgs Schienen: Das erste Bild zeigt den sogenannten „Schoppen-Express“ (Fahrzeugnummer 291 und 292) den man bei der WSB für Ausfahrten mieten kann. In den Adventswochen wird das Fahrzeug zum Nikolauswagen umdekoriert.

Das zweite Bild zeigt einen Straßenbahnunfall den ich vor einigen Jahren zufällig mitbekommen hatte. Ich stand an der Haltestelle Eichendorffstraße und wartete abends auf die Linie 4. Ich sah die Straßenbahn heran fahren, als es plötzlich ein lautes Geräusch gab und die Straßenbahn wenige Meter vor meinen Augen entgleiste. Es stellte sich heraus, dass unbekannte vorher einen Holzpfosten oder ähnliches auf das Gleis gelegt hatten.

Gebäude der Würzburger Straßenbahn

Betriebshof Sanderau der Würzburger Straßenbahn.

Betriebshof Sanderau der Würzburger Straßenbahn.

Der Betriebshof im Stadtteil Sanderau wurde 1979 erbaut und beherbergt nahezu alle Busse und sehr viele der Straßenbahnen. Das Gebäude hat mehrere Ebenen. Im Keller befindet sich der Parkplatz für die Omnibusse. Im Erdgeschoss sind Werkstatt, Waschanlage und natürlich die Stellplätze für einige der Straßenbahnen.Vor allem die auf der Seite gezeigten alten Wagen stehen hier.

Sie würden zwar aus eigener Kraft die Bergfahrt in den Betriebshof auf den Heuchelhof schaffen, kämen jedoch nicht ohne Probleme zurück in die Stadt. (die Strecke auf den Heuchelhof ist Europas steilste Straßenbahnstrecke ohne Zahnräder oder andere Hilfsmittel). In den oberen Stockwerken sind Verkehrsleitung und Personalräume untergebracht.

Mit der Erweiterung des Liniennetzes Ende der 1980er Jahre in den Stadtteil Heuchelhof, wurde dort ein zweiter Betriebshof im Industriegebiet errichtet. Hier stehen die meisten Straßenbahnen aktueller Bauart und einige alte, ausgemusterte Fahrzeuge zum Ausschlachten und zur Ersatzteilversorgung.

Sonderfahrzeuge

Das Düwag-Schienenpflegezug (Fahrzeugnummer 295)

Das Düwag-Schienenpflegezug (Fahrzeugnummer 295)

Als Sonderfahrzeuge sind auf alle Fälle die Wagen 299 und 295 zu bezeichnen. 299 ist eine richtige E-Lok (Baujahr 1946) die am Betriebshof im Stadtteil Heuchelhof ihren Standort hat. Das Fahrzeug dient in strengen Wintern (in Würzburg eher selten der Fall) als Schneepflug.

Nr. 295 ist ein ehemaliger Wagen vom Typ „GT-6“ (Baujahr 1963) der zum Schienen Pflege- und Schleifwagen von der WSB umgebaut wurde. Das Fahrzeug verfügt unter anderem über einen eigenen Wassertank um die teilweise begrünten Gleisanlagen im Sommer mit Wasser versorgen zu können. Beide Fahrzeuge (vor allem die E-Lok) sind eher selten bis gar nicht auf Würzburgs Schienen zu sehen.

Bauarbeiten

Wenn in Würzburg alle Jubeljahre neue Schienen verlegt werden müssen, dann geschieht dies in aller Regel an einem Wochenende und im Optimalfall in den Schulferien. Nur dann ist es möglich den Schienenverkehr teilweise und für ganze Streckenabschnitte durch Busse zu ersetzen. Besonders aufwändig sind solche Renovierungsarbeiten natürlich mitten im Stadtkern.

Die Bilder zeigen die Neuverlegung von Schienenmaterial im August 2006, nach Straßenbahn-Betriebsschluss – mitten in der Nacht – in der Schönbornstraße. Dieser Bereich in der Fußgängerzone wird unter der Woche täglich wohl hundertfach von 4 der 5 Linien (1, 3, 4, 5) benutzt. Mit schwerem Gerät wurden komplette Schienenstücke vom Tieflader gehoben, eingepasst und anschließend verschweißt. Nur durch die Nachtarbeit ist es möglich, den Betrieb an diesem Nadelöhr tagsüber wieder aufnehmen zu können.

Bei Bauarbeiten an den Würzburger Gleisanlagen kann ein Streckenabschnitt – vor allem auf der Hauptstrecke in der Innenstadt – immer nur Gleis für Gleis erfolgen. Eine totale Stilllegung der Strecke und Ersatzverkehr durch Omnibusse wird vor allem auf stark befahrenen Strecken nicht oder nach Möglichkeit kaum durchgeführt. Zu sehen ist hier eine sogenannte „Kletterweiche“ wie sie im August 2006 in der Schönbornstraße montiert war. Nachdem das Gleis in diesem Bereich komplett erneuert werden musste, konnte die Straba für einige Wochen nur eingleisig verkehren.

Streckenführung

Ein typischer Würzburger Straßenbahnstau in der Domstraße

Ein typischer Würzburger Straßenbahnstau in der Domstraße

Das Streckennetz deckt zur Zeit ca. 19,7 Km ab. Die längste Strecke ist dabei von Rottenbauer in den Stadtteil Grombühl. Die Fahrzeit beträgt rund 39 Minuten. Im Gegensatz zu anderen Städten mit Straßenbahnen, fehlen dem Würzburger Schienennetz die Ausweichmöglichkeiten durch Weichen auf der Strecke. Einige wenige Ausnahmen gibt es z.B. in der Stuttgarter Straße vor dem Heuchelhofberg und in der Zellerau.

Kommt es ein Mal zu einem Unfall oder ähnlichem, stauen sich immer gleich die Wagen in der Innenstadt. Das Beispielfoto zeigt einen Wagenstau in der Domstraße. An diesem Augusttag 2006 kamen wie jedes Jahr hunderte Kreuzberg-Wallfahrer zurück in die Stadt und versammelten sich vor dem Neumünster und Dom.

Die einzigen Wendemöglichkeiten gibt es neben den Betriebshöfen und den Endhaltestellen nur noch an der Haltestelle „Dallenbergbad“. Diese Wendeschleife aus den 70er Jahren wurde damals beim zweispurigen Ausbau nach Heidingsfeld unterhalb der Konrad Adenauer Brücke angelegt. Ursprünglich sollte sie wohl auch die Menschenmassen aus dem großen Freibad (Dallenbergbad) und dem nahe gelegenen Kickers Stadion durch Sonderfahrten abfangen. Heute wird sie für diese Zwecke aber kaum mehr genutzt.

Stillgelegte Strecken

Noch bis vor einigen Jahren fuhr die Straßenbahnlinie 3 auf einer eingleisigen Strecke durch die engen Straßen im Stadtteil Heidingsfeld und hatte ihre Endstation am dortigen Ostbahnhof. Die Linie wurde aber mit der letzten Fahrt am 8. Juni 2001 wegen des immer stärker werdenden Autoverkehrs in Heidingsfeld eingestellt. Oftmals war es einfach zu eng für Straba und Autos.

Ehemalige Straßenbahnschienen am alten Ostbahnhof in Heidingsfeld.

Ehemalige Straßenbahnschienen am alten Ostbahnhof.

Wenige Jahre nach der Einstellung des Regelverkehrs bestand wieder verstärktes Interesse an einer Neuaufnahme des Betriebes. Dafür machte sich unter anderem die „Interessengemeinschaft Würzburger Straßenbahn“ (IWS e.v.) stark. Die Gleise wurden damals nicht entfernt um eine Wendemöglichkeit zu haben. Außerdem wäre die Komplettentfernung sicher zu teuer geworden. Zur 10-jährigen „Fahrplanruhe“ der Linie 3 wurde am 19.11.2011 eine Sonderfahrt mit einem der alten Triebwagen veranstaltet.

Die oben genannten Pläne die Strecke wieder zu aktivieren, haben sich zwischenzeitlich erledigt. Grund dafür war, dass die Strecke durch Heidingsfeld alleine schon dadurch unbefahrbar gemacht wurde, dass die Betonmasten welche die Oberleitung halten, entfernt werden mussten. Denn im Bereich der Haltestellen Walther-Schule und Ostbahnhof standen Oberleitungsmasten die sozusagen einsturzgefährdet hätten sein können.

2012 knickte ein baugleicher Mast in der Zellerau um. Seitdem wurde die WSB von der Regierung von Mittelfranken (in diesem Fall die technische Aufsichtsbehörde) dazu verpflichtet, bis zur Frostperiode 2014 im gesamten Streckennetz alle diese Masten auszutauschen. Eine Reaktivierung der Straßenbahn zum Ostbahnhof bräuchte neben einer Erneuerung der Masten (Kostenpunkt: 500000 Euro) außerdem auch eine Erneuerung der mehr als 40 Jahre alten Gleisanlagen, der Fahrleitung und der Signalanlagen. Kostenpunkt: Vier Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund hatte der Aufsichtsrat der WSB ein Verfahren zur Einstellung des Straba-Betriebs eingeleitet und die 24 Masten wurden zurückgebaut. 3)Main-Post Artikel „24 Straba-Masten werden gekappt“ vom 01.03.2013 In den Sommerferien 2014 wurde der Straßenbahnverkehr dann für einige Wochen ab der Haltestelle Dallenbergbad in Richtung Heuchelhof und Rottenbauer durch Omnibusse ersetzt da in diesem Streckenabschnitt Bauarbeiten durchgeführt wurden. Im Zuge dieser Bauarbeiten, wurde dann auch die Weiche Richtung Heidingsfeld (ehemals Abzweig der Linie 3) aus dem Streckennetz entfernt. Die Strecke nach Heidingsfeld ist damit – wie oben schon beschrieben – endgültig Geschichte.

Die Zukunft der Würzburger Straßenbahn

In der langen und traditionsreichen Geschichte der Straba in Würzburg waren und sind auch immer wieder Ausbau- und Erweiterungspläne ein großes Thema gewesen. So war schon beim Bau des Stadtteils Heuchelhof Ende der 1960er Jahre angedacht, eines Tages eine Straßenbahnlinie mit dem Stadtteil zu verbinden. Die breite Heuchelhofstraße hatte deswegen von Anfang an einen entsprechenden Grünstreifen in der Mitte der Fahrbahn, welcher dann 1989 zur Straba-Trasse umgewandelt wurde. Das folgende Video dokumentiert den Eröffnungstag der damals neuen „Linie 5“.

Seit dem Jahr 2009 wird überlegt die Buslinie 6 in den Stadtteil Gartenstadt Keesburg durch eine Straßenbahn zu ersetzen. Mit der angedachten Linienführung könnte man mehrere „Fliegen mit einer Klappe schlagen“ und gleichzeitig den neu entstehenden Stadtteil „Hubland“ auf dem ehemaligen Gelände der Leighton Barraks (US-Kaserne) mit anbinden. Die Endstation ist am Hubland geplant und würde damit den Universitätscampus am Hubland optimal mit abdecken.

Die Fertigstellung der Trasse war ursprünglich für das Jahr 2016 geplant. Bereits Anfang 2013 zeichnete sich ab, dass die Umsetzung bis 2018 eher unwahrscheinlich ist. Am 18. Juni gab die Stadt bekannt, dass eine Realisierung der Straßenbahnlinie 6 bis 2018 aufgrund von 450 Einwendungen und damit verbunden einem deutlich längeren Planfeststellungsverfahren nicht möglich ist. Kritiker warfen dem Stadtrat außerdem vor, durch seine Entscheidungen die Entwicklung behindert zu haben. 4)Main-Post: Neue Straßenbahn nimmt weitere wichtige Hürde, Volkswirtschaftliche Analyse: Projekt ist förderfähig (17.07.2012) → abgerufen am 23.12.2013

Zwei Tage später wurde bekannt, dass die neue Linie auch bis 2019 nicht fertig wird. 5)Main-Post: Ohne Straßenbahn zur Landesgartenschau (18.06.2013) → abgerufen am 23.12.2013 Der Termin der Fertigstellung ist somit offen. 83 Millionen Euro sind für den Bau der neuen Straba-Linie veranschlagt. Die zuvor angepeilten Kosten von 65 Millionen Euro wurden revidiert, nachdem zusätzliche Nebenkosten und Erschwernisse beim Bau mit einberechnet wurden.

Mehr zum Thema:

38 neue Straßenbahnen für Würzburg

Würzburg bekommt 38 neue Straßenbahnzüge. Für die Anschaffung der Fahrzeuge im Gesamtwert von 135 Millionen Euro hat der Hauptausschuss der Stadt Würzburg im Juli 2017 „grünes Licht“ gegeben. Bereits in vier Jahren (2021) sollen die ersten 18 Straßenbahnen angeliefert werden, um die teilweise völlig veralteten Wagen zu ersetzen. Weitere 20 neue Züge könnten dann von 2027 bis 2030 auf die Schienen gesetzt werden.

Auch für den Einstieg in die Elektromobilität bei Bussen hat der Hauptausschuss einen Weg aufgezeigt. Demnach sollen von der städtischen Nahverkehrsgesellschaft (NVG) ein oder zwei Fahrzeuge für einen Pilotversuch angeschafft werden, sobald dafür ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt wird. Damit wird für den Herbst 2017 gerechnet. Die nötigen Antragsunterlagen werden bereits vorbereitet. Bei Ausgaben  von 1,2 Millionen Euro wird mit einem Zuschuss von 300.000 Euro gerechnet. Bei dem Versuch geht es um Batteriekapazität, Ladetechnologie, die Eignung für den Betrieb nach Fahrplan und die Wirtschaftlichkeit. 6)Bayerischer Rundfunk: 38 neue Straßenbahnen für Würzburg (21.07.2017) → abgerufen am 17.09.2017

Streckennetz der Würzburger Straßenbahn

Die geplante Linie 6 ist hier rot gekennzeichnet.

Tag der offenen Tür bei der Würzburger Straßenbahn

Mit einem großen Event mit mehr als 3.000 Besuchern hat die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) zusammen mit den Würzburgern im Juli 2017 den 125. Geburtstag der Würzburger Straßenbahn gefeiert. Für mein „Sonntagsvideo“ war ich damals mit der Kamera dabei.

Links zum Thema

Quellenangaben   [ + ]

Diesen Artikel kommentieren