Würzburg im Spiegel der Zeit - eine Stadt verändert sich
Würzburg steht mit seinen rund 133.000 Einwohner an Platz fünf der Großstädte in Bayern. Wie jede Stadt verändert sich auch unsere Heimat Tag für Tag aufs Neue. Oftmals im guten Sinne - und wie sollte es anders sein - manchmal auch im negativen Sinne.
Auf dieser Seite möchte ich an einigen Beispielen zeigen wie sich unsere Stadt verändert. Gezeigt werden sowohl bauliche Veränderungen, als auch Veränderungen im Stadtbild bei Geschäftshäusern und Gebäuden. Anhand von aktuellen, alten und "vorher - nachher" Fotos möchte ich Ihnen die Möglichkeit bieten sich selber einen Eindruck zu verschaffen.
Selbstverständlich erhebt diese Seite nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Dies wäre 1. nicht möglich und ist 2. auch nicht der Sinn der Seite.
Der Würzburger St. Kilians Dom
Lange hatte es gedauert bis unser Dom sein "aktuelles" Erscheinungsbild bekommen hat. Bereits einen Tag nach der Amtseinführung des neuen Bischofs Friedhelm Hofmann (19. September 2004) bestätigte der Leiter des Staatlichen Hochbauamtes, Joachim Fuchs, dass der Außenanstrich der Diözesankirche erneuert werden soll. Dazu wurde der Dom stückweise eingerüstet. Nach seiner kriegsbedingten Zerstörung im Jahr 1945 wurde der Dom wieder aufgebaut und 1967 wieder eröffnet. Seit dieser Zeit nagte der Zahn der Zeit unaufhörlich an der Außenfassade. Eine Sanierung war angebracht und sollte rund 500.000 Euro kosten.
Die Renovierungsarbeiten wurden im November 2006 abgeschlossen. Während den Arbeiten wurde die neoromantische Westfassade wieder freigelegt bzw. wieder entdeckt. Sie befand sich seit dem Wiederaufbau in einem wahren Dornröschenschlaf hinter einer Bimssteinmauer aus dem Jahr 1960.
Die Bilder zeigen den Vergleich zwischen vorher und nachher. Persönlich finde ich die neue Farbgestaltung sehr angenehm und passend. Sie fügt sich wesentlich besser in das typische Stadtbild aus Festung, Marienkapelle und Residenz ein, und wirkt einfach freundlicher und nicht mehr so düster und verbraucht wie der alte Anstrich...
![]() |
![]() |
![]() |
Petrini Bau am Unteren Marktplatz
Au Backe! Das war wirklich einer der größten Streitpunkte in Würzburg seit vielen Jahren... Nicht zu Unrecht wie ich finde. Der neue Petrini Bau ist für meinen Geschmack eine Bausünde und passt weder optisch noch von der Größe an diese Stelle. Ja ich weiß... Es gab dort schon vor dem Krieg ein Gebäude. Mir ist das ehrlich gesagt immer ziemlich egal gewesen was da mal war. Ganz Würzburg sah vor der totalen Zerstörung anders aus und an vielen Stellen wurde
sich darum nicht gekümmert... Sicherlich auch deswegen, weil beim Wiederaufbau mehr auf Quantität statt Qualität geachtet werden musste. Über 90% der bebauten Fläche war zerstört und es musste schnell neuer Wohnraum geschaffen werden. Trotzdem bin ich sehr davon überzeugt, dass dieses "Monster" nicht hätte sein müssen. Nicht nur, dass dadurch der schöne freie Blick auf die Festung Marienberg verbaut wurde. Mir geht es auch um die Architektur der direkten Umgebung. Gleich nebenan befindet sich die wunderschöne Marienkapelle und das geniale Falkenhaus - eine der schönsten liebevoll restaurierten Fassaden Deutschlands. Und dann dieser Klotz mit einem bei Nacht blau leuchtenden Spitzdach... Sicherlich ist es toll, dass mit dem Bauherren abgeklärt werden konnte, dass dieser auch den unteren Marktplatz mit renovieren musste - das war auch bitter nötig und sieht jetzt ordentlich aus. Dies wäre aber meiner Meinung nach alleinige Aufgabe der Stadt gewesen und hätte nicht damit verbunden werden dürfen.
![]() |
![]() |
![]() |
|
Die Bilder zeigen den Baufortschritt am Petrinibau zwischen März und September 2007.
Ehemalige und neue Ladengeschäfte der Innenstadt
In den vergangenen ca. 3-5 Jahren kommt es mir so vor, als sieht man in der Innenstadt immer öfter leere Ladengeschäfte oder Schilder mit der Aufschrift "Wir schließen wegen Geschäftsaufgabe". Ohne Zweifel kann man wohl behaupten, dass die große Wirtschaftskrise aus dem Jahr 2008/2009 auch nicht ganz ohne Folgen an unserer Stadt vorbei gegangen ist. Viele Geschäftsschließungen dürften wohl eine indirekte Folge davon sein. Bestes Beispiel für das Thema "Wirtschaftskrise" und "Schuldenberg" wegen "unermesslicher Gier von Managern" dürfte wohl die Schließung des Quelle Kaufhauses gewesen sein. Obwohl diese Filiale zu den profitabelen Häusern der Versandhauskette zählte, gab es weder für das Geschäft, noch für die Mitarbeiter eine Chance. Am 19.12.2009 wurden hier die Türen nach dem "großen Ausverkauf" geschlossen...
![]() |
![]() |
![]() |
Mit Schmerzen denke ich heute noch an die Schließung des Duttenhofer in der Domstraße im Januar 2006. Vor allem die Foto- und HiFi-Abteilung mit dem sehr kompetenten Fachpersonal wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben. Zwar wurden viele der ehemaligen Mitarbeiter in den neuen Media-Markt übernommen, jedoch ist die Qualität heute dort eine ganz andere. Jetzt wo Media-Markt sozusagen endgültig der "Platzhirsch" in Würzburg ist und sämtliche Konkurenz nahezu vollständig verdrängt hat (früher gab es noch den Top3-Markt, Udo Lehrmann und viele kleine Geschäfte), zeigt sich erst, was die Verbraucher an einer vielfältigen Einzelhandelslandschaft mit vielen kleineren, inhabergeführten Geschäften hatten... Zum Glück gibt es "ums Eck" in der Schustergasse noch den kleinen "Foto Kino Weber" mit einer sehr persönlichen Beratung. Ich habe meine Kamera und Objektive ganz bewußt dort und nicht bei Media-Markt gekauft. Die Beratung war einwandfrei und auch der Preis für das Produkt hat gestimmt. Warum sollte ich also eine riesige Kette unterstützen die mir ständig einzureden versucht, dass sie die besten Preise hätte? In einigen Fällen mag es sicherlich richtig sein - die Regel ist es aber nicht - auch wenn einem die Werbung dies unerlässlich einzureden versucht.
![]() |
![]() |
Gerichtsgebäude in der Ottostraße
Nach langen Bauarbeiten in der Ottostraße ist nun (2010) das Gerichtsgebäude und das neue Strafjustitzzentrum fertig gestellt. Seit 2001 dauerten die Um- und Neubauarbeiten an den Gebäuden an. Den letzten großen Umbau am Gerichtsgebäude gab es nach dem 2. Weltkrieg als das Gericht dem Bombenangriff auf Würzburg zum Oper fiel und völlig ausbrannte. Der Wiederaufbau war erst 1953 abgeschlossen. Seit dem hatte sich rein äußerlich nicht mehr viel an dem Komplex verändert. Das Gericht war eine typisch deutsche Behörde. Nüchtern, sachlich und architektonisch mehr oder weniger langweilig. Im vorderen Bereich an der Straße das Gericht, im hintern - und nicht so gut sichtbaren Bereich - das Gefängnis mit dicken Mauern und vergitterten Fenstern.
Das es auch ganz anders geht zeigt der aktuelle Stand der Dinge: Bereits seit 2004 befindet sich an der Rückseite der Hauptgebäudes das neue Strafjustitzzentrum. Auf dem Gelände befand sich zuvor die ehemalige Justitzvollzugsanstalt die schon rein äußerlich den Namen "Knast" oder "Bau" wirklich besser verdient hatte. Dicke Sandsteinmauern und mit rostigem Eisen vergitterte Fenster bestimmten hier das Bild. Eine Kulisse die rein optisch problemlos für jeden schlechten Schwarz-Weis Gangsterfilm aus den 60er Jahren hätte herhalten können.
Als ich kürzlich abends im dunkeln am Hauptgebäude vorbei fuhr, fiel mir sofort das neue Portal mit der hell erleuchteten Eingangshalle auf. Optisch jetzt ein absoluter "Hingucker" in historischen Gemäuern aus der Gründerzeit! Ob es für eigentlich immerzu knappe Steuergelder so "auffällig" hätte sein müssen bleibt dabei für mich fraglich.
![]() |
![]() |
Weitere Informationen zur Geschichte der Justitz in Würzburg gibt es auf der Homepage vom Landgericht Würzburg.
Spiegelstraße
Das Gebäude mit der Hausnummer Spiegelstraße 2 musste Anfang 2010 nach rund 50 Jahren einem Neubau weichen. Bauherr war das katholische St. Bruno Werk, welches hier rund 4 Millionen Euro in ein "KFW 70-Effizienzhaus" investiert hat. Es wurde nach den neusten technischen Gesichtspunkten errichtet und verbraucht Dank Fernwärme und Wärmedämmung 30% weniger Primärenergie als ein vergleichbarer Neubau.
Wie so oft in Würzburg hatte auch dieses Neubauprojekt bei den Würzburger Bürgern und im Stadtrat für reichlich Dikussionsstoff gesorgt. Kritisiert wurden unter anderem die Pläne des Würzburger Architekten Frank Zumkeller wegen der Nähe zum barocken Gartenpavillon. Dieser ist das einzige Überbleibsel des barocken Domherrenhofs Uissigheim. "Es ist ein besonders liebenswürdiges sowie in seiner Art höchst seltenes und darum besonders kostbares Relikt der einst so reichen Barockstadt Würzburg", sagt Heimatpfleger Dr. Hans Steidle der Main-Post. Der Pavillion wird renoviert und soll Mitte 2012 fertigestellt sein. Anschließend wird hier die "Pizzeria Le Candele" einziehen. Der Bauherr musste seinen ursprünglichen Entwurf modifizieren und den Anbau zurück setzen und um ein Stockwerk verkleinern. Auch die Fassade wurde beruhigt.
Ganz so "einfach und schnell" solte der Abriss und Neubau aber nicht ablaufen. Denn was der Abrissbagger unter der Terasse des ehemaligen Café Venezia zu Tage förderte, waren 16 Fundkisten mit Keramik und tierischen Knochenstücken vom siebten bis zwölften Jahrhundert. Sie stammten von den Resten des ehemaligen Domherrenhof Uissigheim der an dieser Stelle bis zu seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg stand und sollen künftig im Mainfränkischen Museum ausgestellt werden. Zusätzlich könnte es sein, dass man hier die Reste einer ehemaligen Stadtmauer aus dem siebten Jahrhundert entdeckt hatte. Dies ist aber laut dem zuständigen Archäologen beim Landesamt für Denkmalpflege nicht sicher. Folglich verschwanden die Ausgrabungen auch wieder unter dem Neubau. Grund dafür war, dass es sich nicht um wissenschaftliche, sondern um "Rettungsgrabungen" handelte. Alleine diese achtwöchigen Recherchen kosteten den Bauherren rund 70.000 Euro extra.
So entstand also ein barrierefreies viergeschossiges Haus, welches in den ersten beiden Etagen für ein Bekleidungsgeschäft und Arztpraxen genutzt wird. In den Stockwerken darüber befinden sich auf insgesamt 818 m² Wohnungen mit einer Größe von 50 - 120 m². Das ehemalige und sehr beliebte Café Venezia fand sein neues Domizil einige Häuser weiter, ebenfalls in der Spielgestraße.
Fortsetzung folgt...
Weitere Beispiele sind in Arbeit und werden diese Seite von Zeit zu Zeit erweitern.
Letzte Aktualisierung: 17.01.2012->

















