Dürrbachau

Der Würzburger Stadtteil Dürrbachtal besteht aus Oberdürrbach, Unterdürrbach und der Dürrbachau. Im sehr ruhigen und eher ländlich geprägten Ober- und Unterdürrbach befinden sich überwiegend Einfamilienhäuser und, bis auf die hier gezeigte Dürrbachau, keine Industrie.

Blick auf die Dürrbachau und den Neuen Hafen von Würzburg.

Dürrbachau und Neuer Hafen

Bei den Industriebetrieben handelt es sich unter anderem um das Werksgelände der Firma Babcock Noell inklusive dem ehemaligen Noell-Gebäude. Aus der ehemaligen „Noell Stahl- und Maschinenbau GmbH Würzburg“ und der „DSD Dillinger Stahlbau GmbH Sarlouis“ entstand im Jahr 2000 die Firma DSD-Noell. Mit der Auflösung der eigentlichen Firma Noell in Würzburg wurde auch das ehemalige Hochhaus nicht mehr benötigt und ist schließlich verkauft worden.

Eigentümer und Vermieter des Gebäudes ist aktuell die Druckerei Flyeralarm. Heute nennt es sich „AN20-Gebäude“ (benannt nach der Alfred-Nobel-Straße 20, in der es steht), welches inzwischen aber zu einem großen Teil von E.ON und weiteren Firmen wie dem ehemaligen Eigentümer DSD-Noell gemietet wird.

Das ehemalige "Noell-Gebäude" trägt heute den Namen "AN20".

Das ehemalige „Noell-Gebäude“.

Direkt hinter dem AN20 Gebäude befindet sich in der Max-von-Laue-Straße seit vielen Jahren eine schöne Bowling-Bahn. Bis Anfang der 1990er Jahre eine weitere Bahn im Industriegebiet zwischen den Stadtteilen Heuchelhof und Rottenbauer entstand, war dies die einzige in der Stadt.

Ursprünglich als „Hoechst Bowlingcenter“ bekannt (benannt nach der Firma Hoechst, die damit zu tun hatte), nennt sie sich heute „Cosmos-Bowling-Arena“. Auch wenn schon etwas in die Jahre gekommen, ist es immer noch ein schöner Ort für einen gemütlichen Bowling-Abend.

In der Otto-Hahn-Straße befindet sich der ehemals städtische Schlachthof, der von der Südfleisch GmbH betrieben wurde. Das Gebäude wurde Anfang der 1980er Jahre als Neubau für den im Stadtteil Pleich abgerissenen Schlachthof errichtet (heute steht dort das Congress-Centrum). Ende April 2009 wurde der Betrieb offiziell geschlossen.

Leuchtreklame spiegelt sich in einer dreckigen Pfütze.

Leuchtreklame spiegelt sich in einer dreckigen Pfütze.

Der holländische Fleischkonzern VION, der die Südfleisch 2006 bereits übernommen hatte, begründete die Schließung damals mit der „schlechten Ertragssituation in den vergangenen Jahren“. Die Konzernsprecherin sagte der Main-Post damals: „Bedingt durch die allgemein schwierige wirtschaftliche Situation, die sich zusehends verschärft, sowie die Struktur und Wettbewerbsintensität in der Schlachtbranche gibt es keine wettbewerbsfähige, in die Zukunft gerichtete Perspektive für den Würzburger Schlachtbetrieb“.

Betroffen waren von der Schließung 42 Mitarbeiter, für die ein Sozialplan ausgehandelt wurde. Hinzu kamen rund 150 weitere Personen wie Zulieferer, Reinigungsfirmen etc. Bis zuletzt wurden hier wöchentlich rund 2.600 Schweine und 500 Rinder geschlachtet.

Neben der Druckerei der Firma Flyeralarm hatte hier auch noch die Großdruckerei der Firma Stürtz ihren Sitz. Ein Insolvenzverfahren hatte dafür gesorgt, dass die Firma zum 30. September 2016 geschlossen und den 240 Mitarbeitern zum Oktober des selben Jahres gekündigt wurde. Auf der Webseite der Firma war zu lesen:

Die Stürtz GmbH schließt am 30.09.2016 nach über 186 Jahren ihre Tore. Eine Handvoll Mitarbeiter wird noch in den Oktober hinein die letzten Aufträge ausproduzieren. Wir möchten uns bei allen Kunden, Lieferanten und Partnern für ihre Treue und Unterstützung in all den vielen Jahren bedanken! Unser Dankeschön gilt auch allen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern der Stürtz GmbH.

Des Weiteren steht unterhalb der Bahnlinie Würzburg-Frankfurt noch ein Großtanklager der Firma Shell, von dem aus Nacht für Nacht die Tankstellen der Region mit Benzin und Diesel versorgt werden. Auch der weltbekannte und älteste Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer hat hier seit 1817 seinen Stammsitz mit angeschlossenem Werk. Die rund 1.900 Mitarbeiter fertigen insbesondere Maschinen für den Verpackungs- und Werbedruck. Das ursprüngliche Geschäft mit der Herstellung von Zeitungsrotations- und Telefonbuchdruckmaschinen hat sich im Laufe der vergangenen Jahre massiv verändert und spielt heute keine große Rolle mehr.

Ende 2013 ist auch „KBA“ in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass bis zu 1.500 Stellen der insgesamt 6.200 Beschäftigten an verschiedenen Standorten gestrichen werden sollten. Zwischenzeitlich hat sich das Unternehmen sehr gut erholt und im Jahr 2016 mit einem Überschuss von 82,2 Millionen Euro das erfolgreichste Geschäftsjahr seit der Firmengründung abgeliefert. 1)2016 erfolgreichstes Jahr überhaupt → Artikel aus BR24 vom 22.03.2017 → Abgerufen am 01.04.2017

In unmittelbarer Nähe fertigt BASF-Coatings auf einem 20.000 Quadratmeter großen Firmengelände mit rund 250 Mitarbeitern seit 1969 Lacke und Farben vor allem für die Automobilindustrie.

Eine alte ausgemusterte Dampflok.

Alte ausgemusterte Dampflok

Ebenfalls an der Bahnlinie Würzburg-Frankfurt befindet sich ein großer Rangierbahnhof, der heute aber nicht mehr so stark genutzt wird wie einst. Zwischen den Bahngleisen befindet sich etwas schwer zugänglich und auffindbar auch ein alter Lokschuppen, der von der „Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte“ betrieben wird.

In ihm steht auch das Schmuckstück des Vereins – die Dampflok 52 7409. Die Lokomotive ist voll betriebsbereit und wird regelmäßig für Ausfahrten genutzt. Die auf dem Bild gezeigte Lokomotive ist ein anderes Modell und stand im Jahr 2009 Freigelände. Bei Nacht habe ich die Lokomotive mit zusätzlichen Extra-Blitzlichtern fotografiert.

Der Einzelhandel ist mit einem Möbelhaus, Elektronik-Fachmarkt und einigen Supermärkten vertreten. Das Dürrbachtal – und vor allem das Industriegebiet – sind gleich durch mehrere Buslinien relativ gut erreichbar.

Die Linie 13 bedient speziell Unter- und Oberdürrbach. Die Linie 27 bedient das Industriegebiet im Neuen Hafen. Zusätzlich fahren die Linien 11 und 19 über die Schnellstraße (B27) nach Veitshöchheim bzw. Güntersleben und bieten damit teilweise auch eine Anbindung.

Emery-Barracks an der Veitshöchheimer Straße

Die ehemalige Kaserne "Emery-Barracks" an der Veitshöchheimer Straße.

„Emery-Barracks“

Stolz stehen die alten Gebäude aus den 1930er Jahren an der lauten Schnellstraße. Wenig erinnert heute noch daran, dass dies bis 1990 eine Kaserne der Amerikaner, und ursprünglich der Wehrmacht war. Denn seit dem Jahr 1992 dient der Komplex als Asylbewerberheim und Flüchtlingsunterkunft des Freistaats Bayern für inzwischen 450 Menschen aus 35 Nationen. Sie „leben“ und warten hier vor allem auf ihr Asylverfahren.

Immer wieder mal gab es hier in der Vergangenheit Probleme mit Gewalt und sogar Selbstmord unter den Bewohnern. Kein Wunder – sind doch in den Gebäuden Menschen unterschiedlichster Kulturen auf – für unsere Wohnverhältnisse – beengtem Raum untergebracht, man könnte auch sagen „kaserniert“ – teilweise jahrelang.

Die humanitären Zustände in der Kaserne sind kurz und treffend ausgedrückt in vielen Fällen „katastrophal“. Zu dieser Einschätzung kam der Bayerische Flüchtlingsrat nach seiner einwöchigen Aktion „LagerInventour“ im Jahr 2009. In Würzburg waren die Ratsmitglieder besonders schockiert. Es sei das „krasseste Lager, das sie jemals zu Gesicht bekommen“ hätten. Wegen dieser Zustände berichteten im April 2009 auch die ARD Tagesthemen in einem Beitrag über das Lager in Würzburg.

Nachdem die Staatsregierung der Entwicklung an vielen Standorten mit Flüchtlingen in Bayern lange zugesehen hat, änderte die neue Sozialministerin Emilia Müller kurz nach ihrem Amtsantritt den Kurs in der Asylpolitik und versprach den Flüchtlingen weitreichende Lockerungen. Müller hatte das Amt nach der Landtagswahl im September 2013 von Christine Haderthauer übernommen, die seitdem Staatskanzleichefin ist. Von Haderthauers bisherigem härteren Kurs in der Asylpolitik setzte sich Müller seither deutlich ab.

Ausdruck dieses neuen Denkens im Sozialministerium ist die Abschaffung von Essenspaketen für Asylbewerber. Sie wurden von Flüchtlingsverbänden immer wieder als Beispiel für eine Politik der Abschreckung im Umgang mit Flüchtlingen angeführt. Müller kündigte an, dass bereits im Januar 2014 die ersten Regierungsbezirke auf die Auszahlung von Bargeld umsteigen werden. Dann können die Flüchtlinge selbst entscheiden, welche Lebensmittel sie einkaufen möchten. Das hatten Asylorganisationen seit vielen Jahren gefordert.

Den Anfang soll Niederbayern machen. Oberbayern und Unterfranken hätten für Februar 2014 die Umstellung angekündigt, so die Ministerin. Die auszuzahlende Summe betrage 136 Euro für einen Erwachsenen im Monat. Durch die Umstellung spare der Freistaat auch Geld, sagte Müller. 2)Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 02.12.2013 → abgerufen am 19.12.2013

Der Neue Hafen

Alte Lagerhäuser in der Friedrich-Koenig-Straße bei Vollmond.

Alte Lagerhäuser in der Friedrich-Koenig-Straße.

Zum Dürrbachtal gehört auch der sogenannte „Neue Hafen“. Dieser Teil von Würzburg dürfte wohl die vermeintlich „hässlichste Ecke“ der Stadt sein. Grund ist die Tatsache, dass es sich hierbei um ein reines Industriegebiet handelt. An einigen Stellen macht es unweigerlich den Eindruck, als hätte es seine „besten Tage“ schon einige Jahre hinter sich gelassen.

Schon aus weiter Entfernung sieht man die großen Futtermittelsilos verschiedener Firmen. Gerade diese Gebäude, groß wie Hochhäuser, ohne richtige Fenster und in vergilbten Farben sind für meinen Geschmack besonders hässlich. Sie stammen – das vermute ich zumindest – aus den 1950er bis 1960er Jahren.

Die folgenden Bilder entstanden an einem – passend zur Gegend – grauen Sonntag Nachmittag im Februar 2010 im Gebiet der Nördlichen und Südlichen Hafenstraße. Gerade dieses diesige Wetter wird der Gegend gerecht. Auch mit Sonnenschein wird es hier übrigens nicht „schöner“.

Bilder aus dem Neuen Hafen

Dürrbachau und Neuer Hafen bei Google-Maps

Quellenangaben   [ + ]

Diesen Artikel kommentieren