Grombühl

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war „Grombühl“ lediglich der Name einer Flurabteilung jenseits des Befestigungswalles und des Glacis der Stadt Würzburg. Der Name findet sich zuerst in einer Urkunde vom Jahre 1296, wo des alten Galgens, patibulum in loco Cranbuhel, soviel wie Krähenbühl, Erwähnung findet.

Wohnhäuser in der Steinheilstraße.

Wohnhäuser in der Steinheilstraße.

Als der neue Bahnhof in den Jahren 1863 – 69 errichtet wurde, entstand auch hier die erste Häuserreihe – die Grombühlstraße. Hier wohnten die bei der Eisenbahn angestellten Beamten und Bediensteten. Als am 23. Mai 1880 die Grombühlbrücke in fester Eisenkonstruktion fertiggestellt wurde, zählte der Stadtteil 1800 Einwohner, 1890 waren es bereits 4000 und im Jahre 1900 schon 10000.

Ungefähr 8000 davon waren katholisch. Die Bevölkerung Grombühls kam aus den vollen Bauernstuben der fränkischen Dörfer. Leute, an Arbeit und Sparsamkeit gewöhnt, treu und redlich.

Da sich das Bedürfnis nach einer eigenen Kirche immer mehr fühlbar machte, versammelten sich am Montag, dem 7. Oktober 1889 im Gasthaus Haas, Wagnerstraße 7, 22 Männer, die sich zum Kirchenbauverein Grombühl zusammenschlossen. Der Kirchenbauverein wollte unter allen Umständen einen Bauplatz, der in der Mitte von Grombühl gelegen war. Der einzige noch erwerbbare Platz war das Anwesen der Witwe Reinhardt und sollte 120000 Mark kosten.

Die Josefskriche im Stadtteil Grombühl.

Die Josefskriche in Grombühl.

Nach einem langen Hin und Her, wegen der Aufbringung und Verzinsung der nötigen Gelder – da sonst von keiner Seite nennenswerte Mittel kamen, Kirchensteuer gab es damals nicht – trug man sich mit dem Gedanken einer Lotterie. Doch der Absatz der Lose ging schleppend und das Gesamtergebnis betrug am Schluss nur 58549 Mark.

Große Vermächtnisse wurden dem Kirchenbau zugewendet:

  1. Stiftung: von der pensionierten Lehrerin Frl. Franziska Beck betrug 26000 Mark in Pfandbriefen.
  2. Stiftung: das Testament der Geschwister Hubert bescherte die märchenhafte Summe von 191280,25 Mark.
  3. Stiftung: das Testament des kinderlosen und mit Stadtpfarrer Heßdörfer von Stift Haug gut bekannten Ehepaares Doseth belief sich auf 90964 Mark Die Gebeine des Ehepaares Doseth und die der Geschwister Hubert ruhen seit dem 2. September 1912 in der Armenseelekapelle.

Als Architekten für die Kirche hatte man sich Josef Schmitz ausgesucht. Er hat auch St. Adalbero in der Sanderau gebaut. Gebaut wurde mit Muschelkalkstein, der durch seine Wetterfestigkeit schon bei den bedeutensten Kirchenbauten zur Verwendung gekommen ist. Der erste Spatenstich erfolgte am 1. August 1902, die Grundsteinlegung am 19. März 1903, dem Josefstag also. 1)Eigene Recherchen und Pfarrer Hugo Weyermann für die „Chronik der Pfarrei St. Josef Würzburg-Grombühl“. Weitere Informationen findet man auf der informativen Homepage der Gemeinde.

Der Stadtteil Grombühl heute

Blick von der Grombühlbrücke auf den Hauptbahnhof in Würzburg

Blick auf den Hauptbahnhof in Würzburg

Heute wird Grombühl vor allem von vielen Studenten und jungen Familien wegen der eher günstigen Mieten bevorzugt. Auch viele Angestellte des nahe gelegenen Klinikums der Julius-Maximilians-Universität leben hier. Daran, dass Grombühl ursprünglich das „Eisenbahnerviertel“ von Würzburg war, erinnern heute nur das nahe gelegene Bahnbetriebswerk an der Ständerbühlstraße. Das „BBW 1“ zwischen Ständerbühl- und Rimparer Straße, das früher Arbeitgeber für sehr viele Menschen (Grombühler) war, existiert zwar noch, lange aber schon nicht mehr in den Ausmaßen wie früher.

Ein alter Grombühler erzählte mir aus seiner Kindheit, dass es früher (in den 1950er Jahren) nicht möglich war, die frisch gewaschene weiße Wäsche an der „frischen Luft“ auf der Leine zu trocknen. Denn der Qualm und Dampf der vielen Dampflokomotiven vom nahe gelegenen Hauptbahnhof färbte die Wäsche umgehend grau bis schwarz.

Bilder aus dem Stadtteil Grombühl

Das Bahnbetriebswerk

In einem Extra-Artikel finden Sie viele Bilder und Informationen über das große Bahnbetriebswerk in Grombühl. Der Bahnknotenpunkt Würzburg kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Denn einst war Würzburg ein sehr wichtiger Knoten- und Verkehrspunkt in Deutschland.

Unterwegs in Grombühl

Verlängerung der Straßenbahnlinien 1 und 5

Schon einige Jahre vor der Fertigstellung des sogenannten „ZIM ZOM“ (Zentrum für Innere und Operative Medizin im Universitätsklinikum Würzburg) im Jahr 2009 in Grombühl, gab es Überlegungen auch die Straßenbahn dorthin zu erweitern. Aktuell müssen Besucher und Mitarbeiter nämlich immer noch relativ umständlich an der Endhaltestelle Pestalozzistraße in einen Bus umsteigen der dann zum Klinikum fährt.

Im Juni 2016 hat der Würzburger Stadtrat endgültig und einstimmig beschlossen, dass die Erweiterung der Linien tatsächlich umgesetzt werden kann. Die Kosten für die rund 1,3 Km lange Strecke sollen sich auf rund 27 Millionen Euro belaufen. Rund 18 Millionen Euro wird davon der Freistaat Bayern übernehmen, den Rest teilen sich die WVV und die Stadt Würzburg.

Die Planungen für das Gesamtprojekt haben laut Oberbürgermeister Christian Schuchardt rund zehn Jahre gedauert. Die Fertigstellung der Erweiterung der Linien 1 und 5 bis zum ZIM ZOM ist für das Jahr 2021 geplant. Baubeginn könnte im Jahr 2017 sein, nach der europaweiten Ausschreibung der Bauarbeiten durch die Würzburger Straßenbahn (WSB).2)Würzburg kann auch Straßenbahn → Main Post Artikel vom 10. Juni 2016 → abgerufen am 30.03.2017

Der Stadtteil Grombühl bei Google-Maps

Weiterführende Links

Quellenangaben   [ + ]

2 Kommentare

  1. 25 Jahre in Grombühl gelebt, dort aufgewachsen – der Artikel ist ein Nostalgietrip in meine Kindheit und Jugend. Herzlichen Dank für diese Seite und die ganze Website!

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