Keesburg

Der Würzburger Stadtteil „Gartenstadt Keesburg“ ist ein besonders ruhiger Stadtteil von Würzburg, der sich auf dem Neuberg im Stadtbezirk Frauenland befindet. Die bei vielen Würzburgern bekannte Bezeichnung „Sieboldshöhe“ ist eigentlich nicht richtig und der Tatsache geschuldet, dass die WVV ursprünglich die Busse der Linie 6 an der Haltestelle „Sieboldshöhe“ enden lies.

Inzwischen wurde dies korrigiert und die Busse tragen heute in der Fahrtzielanzeige die Bezeichnung „Gartenstadt-Keesburg“. Die Sieboldshöhe ist das Gebiet zwischen Sanderheinrichsleitenstraße und Zeppelinstraße. Es umfasst also mit Ausnahme einiger Häuser am Oberen Bogenweg, dem Schwimmbad und diversen Gastronomiebetrieben keine Bebauung (insbesondere keine Wohnbebauung). 1)Informationen von Heimatforscher Erwin Schmollinger auf der Diskussionsseite der Würzburgwiki zum Thema „Gartenstadt Keesburg“. → Abgerufen am 23.12.2013

Der alte Kern der Siedlung wurde zwischen 1927 und 1938 bis 1939 unter dem Namen Hindenburgsiedlung (bzw. Hindenburg-Siedlung) als typische Gartenstadt erbaut. Besonders auffallend ist die dort vom Architekt Hubert Groß in den Jahren 1936 bis 1938 errichtete Reihenhaus-Siedlung. Auf der Google-Map (siehe unten) kann man die Siedlung und ihre Anordnung recht gut erkennen. Im September 1950 wurde die Wohnsiedlung in „Gartenstadt Keesburg“ umbenannt.

Von der Hindenburgsiedlung zur Gartenstadt Keesburg

Typische Häuser der 1930er Jahre in der Kettlerstraße.

Typische Häuser der 1930er Jahre in der Kettlerstraße.

Nach 1927 entstand nördlich der „Keesburg“ an der Nordseite der Damaschkestraße die Hindenburgsiedlung 1. Dieser erste Teil umfasste fünf zweistöckige Doppelhäuser an der Damaschkestraße und ein ebenfalls zweistöckiges Reihenhaus am westlichen Straßenende hin zur heutigen Sanderrothstraße (heute mit Blumenladen), also einen L-förmigen Grundriss. Markant waren die Jägerzäune aus Holz, die man teilweise heute noch vorfindet. Anlass war der 80. Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg, der mit einer Spende („Hindenburg-Spende“) an die Stadt Würzburg den Bau der Siedlung ermöglichte und letztendlich auch Namensgeber wurde. 2)Annemarie Brenner: Die sozialen Aktivitäten der Nationalsozialisten in Würzburg. Würzburg, 1985, S. 31 ff.

Die Grundstücke wurden von der Stadt mit der Spende erworben und den Bauherren im Erbbaurecht (ohne Erbzins) zur Verfügung gestellt. 1932 entstand das Haus Sanderrothstraße 1. Bis 1931 wurde die Wohnsiedlung um den Abschnitt Hindenburgsiedlung 2 erweitert: Es handelte sich um fünf Reihenhäuser mit den heutigen Anschriften Sanderrothstraße 15-23 (östliche Straßenseite), Sanderrothstraße 25-33 (ebenfalls Ostseite), Schanzstraße 2-12 (Westseite), Schanzstraße 1-11 (Ostseite) und Bodelschwinghstraße 2-12 (Westseite).

1934 wurde die Gemeinnützige Baugesellschaft für Kleinwohnungen e.G. gegründet. Der Zusammenschluss aus Stadt und privaten Investoren übernahm fortan die Bautätigkeiten. Im Anschluss an die Hindenburgsiedlung wurden unter Stadtbaurat Hubert Groß (siehe weiter unten) weitere Häuser errichtet. Der Name Hindenburgsiedlung wurde auf diese trotzdem übertragen. Um 1936 entstanden fünf zweistöckige Doppelhäuser an der Schanzstraße, die wie alle anderen Häuser auch mit relativ großen Gärten umgeben waren. An der Sanderrothstraße realisierte die Gesellschaft ab November 1936 vier große, zweistöckige Wohnblocks, die pro Block 12 Wohnungen umfassten (insgesamt somit 48 Wohnungen).

Zeitlich parallel entstanden ab 1936 an der damaligen Bauriedl-Straße (heute: Kettelerstraße) 36 kleine Siedlungshäuser mit 72 Wohnungen und kleinen Gärten. Richtfest war im Januar 1937. 3)Peter Moser: Würzburg. Alltag in schwerer Zeit (1933-45). Babenberg Verlag, Bamberg, 2003, S. 87 Eine Besonderheit ist, dass die Häuser an der Westseite der Straße ganz nah an die schmale Kettelerstraße herangebaut wurden (die Gehsteige grenzen beinahe an die Haustüren), während man auf der Ostseite Platz gelassen hat. Die Kleinhäuser stehen gepaart oder vierfach als Reihenhaus zusammen.

Lediglich ein Vierer-Reihenhaus (Kettelerstraße 1/3/5/7) wurde Ende der 1990er Jahre abgerissen und 1998 durch eine moderne Wohnanlage ersetzt, ansonsten sind die Häuser im Originalzustand erhalten und stehen – im Gegensatz zum Rest der Hindenburgsiedlung – unter Denkmalschutz. 1939 wurden unter Groß weitere Häuser an der Bodelschwinghstraße gebaut – die eigentlichen Pläne konnten jedoch aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht komplett realisiert werden. 4)Main-Post: Ein Stadtteil feiert Geburtstag (14.06.12) → abgerufen am 22.12.2013 So haben Baupläne beispielsweise an der Schanzstraße einen Platz vorgesehen, der letztendlich nie realisiert wurde.

Blick auf die symetrisch angeordnete Hindenburgsiedlung.

Blick auf die symetrisch angeordnete Hindenburgsiedlung.

Die Häuser der Hindenburgsiedlung bildeten eine Heimstättensiedlung für Kriegsbeschädigte, kinderreiche Familien und andere sozial Benachteiligte. 5)Peter Moser: Würzburg. Alltag in schwerer Zeit (1933-45). Babenberg Verlag, Bamberg, 2003, S. 87 Immer wieder kam es unter den Nationalsozialisten zu Umsiedelungen. So mussten Beispielsweise Bewohner der Kriegersiedlung Galgenberg zwangsweise in die Hindenburgsiedlung umziehen.

Im September 1950 erfolgte die Umbenennung der Hindenburgsiedlung in Gartenstadt Keesburg. Einher ging mit der Umbenennung ein massiver Ausbau des Stadtteils mit weiteren Wohnhäusern: Vor 1955 wurden vor allem an Sanderroth-, Schanz- und Bodelschwingstraße Doppel- und Reihenhäuser errichtet. Die Siedlung dehnte sich außerdem in Richtung Süden an Matthias-Ehrenfried-Straße, Cronthalstraße und Fröbelstraße aus.

Es handelte sich um ein- und zweistöckige Gebäude mit Gartenanlagen, die ab der Cronthalstraße nicht mehr streng symmetrisch angeordnet waren. Ein Name, der fest in Verbindung mit der Gartenstadt Keesburg steht, ist Anton Mokroß: Der Stadtbaurat stellte 1950 den Bebauungsplan auf, mit dem 1400 neue Wohnungen realisiert werden sollten. Die Pläne sahen ursprünglich eine als Allee ausgeführte Ringstraße vor, die mit der gebogenen Matthias-Ehrenfried-Straße zwar begonnen wurde, aber letztendlich in dieser Form nicht umgesetzt wurde. 6)Stadt Würzburg (Hrsg.): Würzburg 1945-55, Würzburg 1950, S. 106. Auch Sondervorschriften wie Heckengröße, Tierhaltung, Gestaltung etc. wurden schon bald wieder fallen gelassen.

1954 und 1955 wurde unterdessen das alte Gut nach zahlreichen Besitzerwechseln mitsamt Gewölbekeller abgerissen und um 1959 mit dem Gebäude in der Hans-Löffler-Straße ersetzt, das gegenwärtig das griechische Restaurant Akropolis zur Keesburg beherbergt. Zeugen des einstigen Landsitz sind die im Biergarten des Restaurants stehenden, alten Kastanien und ein im Sommer 2012 zum 200. Jubiläum des Stadtteils eingeweihter Keesburg-Gedenkstein in der Hans-Löffler-Straße. 7)Main-Post: Ein Stadtteil feiert Geburtstag (14.06.2012) → abgerufen am 22.12.2013

In den 1950er Jahren wurde die Gartenstadt Keesburg in südliche Richtung erweitert. In den 1960er und 1970er Jahren dehnte sich die Siedlung vor allem nach Osten bzw. Südosten aus. So entstanden beispielsweise in den 70er Jahren die Gebäude des Studentenwohnheims an der Peter-Schneider-Straße, die mittlerweile modernisiert und teilweise durch Neubauten ersetzt wurden. Jüngste Bautätigkeiten gab es vor allem am Abtsleitenweg. Darüber hinaus entsteht das kleine Neubaugebiet „Am Rebenbogen“ an der Ilse-Trotzke-Straße.

Stichwort: „Gartenstadt“

Der Name des Quartiers „Gartenstadt Keesburg“ verdeutlicht die ursprüngliche Absicht der Bauherrschaft – der Stadt Würzburg. Mit dem Begriff Gartenstadt wurde an eine entsprechende Bewegung und Form besonderer urbaner Wohnweise angeknüpft. Gemäß dem ursprünglichen britischen, sozialreformerischen Konzept sollten in den Gartenstädten die Bewohner Mitbestimmung und lebenslanges Mietrecht besitzen. In einem weiteren Gürtel sollten begrünte und großzügig gebaute Mittelstädte, umgeben von Agrarland, um die Großstädte heranwachsen.

Den Mittelpunkt sollte ein gartenähnlicher Zentralplatz mit öffentlichen Gebäuden bilden. Um diesen sollte sich ein erster Parkring von einem halben Kilometer mit Wohngebäuden entstehen, in dem sich auch Schulen, Kirchen und Spielplätze befanden. In einem zweiten Ring sollten Industrien und Gewerbe angesiedelt sein.

Die Gründung der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft (DGG) 1902 stand in Zusammenhang mit dem Friedrichshagener Dichterkreis, der eine Lebensreform anstrebte. Nach 1904 setzte sich die DGG nicht mehr für genossenschaftliche Siedlungen, sondern pragmatisch für Gartenvorstädte ein. Nach dem Ersten Weltkrieg und den Hungerwintern wurden in den 1920er Jahren in vielen Orten mit geringem baulichem Aufwand genossenschaftliche Wohnsiedlungen errichtet, die günstigen Wohnraum und Selbstversorgung bereitstellten.

In der nationalsozialistischen Ära wurde dieser Typ der Siedlung als eine für die Deutschen typische Wohnweise politisch und ideologisch instrumentalisiert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Gartenstädte zu einer globalen Praxis, vor allem für die Mittelschichten, die das stadtnahe Wohnen mit Einfamilienhaus und privatem Garten als qualitätvolle Lebensform anstrebten. 8)Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle: Projekt Gartenstadt/Kolonie im Kontext der LGS 2018 → abgerufen am 23.12.2013

Bilder aus dem Stadtteil Gartenstadt Keesburg / Sieboldshöhe

Der Name „Keesburg“

Nachdem der Maurermeister Josef Kees aus Gaubüttelbrunn rund zehn Jahre in Würzburg gewohnt hatte und zu Wohlstand gekommen war, erbaute er sich im Jahr 1811 bis 1812 einen Sommersitz in überschaubarer Größe inmitten seiner neu erworbenen Ländereien südwestlich des Galgenbergs im Bereich der Flurlage Sanderroth. 1823 verstarb Josef Kees und seine Witwe verpachtete den Landsitz an Johann Christoph, der unter Kastanienbäumen 1838 eine Gartenwirtschaft eröffnete.

1857 erwarb der Privatier Bernhard Roth das Anwesen: Dazu gehörten nach einer Erweiterung 1859 durch Roth ein Wohnhaus (Herrenhaus mit Mansarddach), eine Scheune, Gewölbekeller und ein doppelter Schweinestall, die als Vierseithof (Vierung) um einen durch einen Torbogen erreichbaren Innenhof angeordnet waren 9)Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle: Projekt Gartenstadt/Kolonie im Kontext der LGS 2018 → abgerufen am 23.12.2013. Der Name Keesburg, der heute die gesamte Gartenstadt bezeichnet, entstand, weil die Gebäude aus der Ferne wie eine Burg wirkten (Spitzname „Kees-Burg“, „Keesburg“, inkorrekt „Käsburg“).

Wer war Hubert Groß?

Unterwegs in der Gartenstadt Keesburg

Die Gartenstadt Keesburg bei Google-Maps

Weiterführende Links

Quellenangaben   [ + ]

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