Lindleinsmühle

Die Lindleinsmühle ist einer der 13 Stadtbezirke und gleichzeitig ein Stadtteil von Würzburg. Der relativ junge Stadtteil im Nordosten der Stadt entstand, ausgehend von einem Stadtratsbeschluss im Jahr 1961, auf weitgehend unbebautem Gebiet am damaligen Stadtrand im direkten Anschluss an die ehemals eigenständige Gemeinde Versbach. Die Siedlung wurde für ca. 8.000 Einwohner geplant und wird heute von rund 6.300 Menschen bewohnt.

Fernansicht der Lindleinsmühle

Fernansicht der Lindleinsmühle

Viele junge Familien aus der Stadt schufen sich hier ein Heim und trafen auf Bevölkerungsgruppen aus anderen Stadtteilen, deren Bevölkerungsdichte verringert werden sollte. Einen wesentlichen Teil der Bewohner bilden die in drei Wellen nach Deutschland gekommenen Volksgruppen aus den Ostgebieten.

Zunächst waren dies viele Vertriebene, Spätaussiedler und schließlich Russlanddeutsche. Zusätzlich gehört die Lindleinsmühle zu den Stadtteilen mit den meisten Senioren. Gerade deshalb gab es in der Vergangenheit immer wieder Proteste aus der Bevölkerung, als z.B. ein Supermarkt geschlossen wurde.

Der Ententeich im April 2010. Man kann gut erkennen wie die Arbeiten voran schreiten - aber auch wie viel Mühe das Projekt wohl gemacht hatte. Es befand sich jede Menge Unrat aus 40 Jahre auf dem Grund des Sees.

Der Ententeich im April 2010.

Die rund 40 Jahre alten (Hoch)häuser wurden in den Jahren von 2007 bis 2008 von der Stadtbau GmbH (Eigentümer und Vermieter) teilweise von Grund auf saniert und renoviert. Für die Häuser in der Bayernstraße 1, 3 und 5 sowie das Hochhaus in der Schwabenstraße 16 wurden insgesamt 10,39 Millionen Euro aufgewendet.

120.000 Euro wurden zusätzlich in die maroden Spielplätze und das Wohnumfeld investiert. Beides kann sich inzwischen wieder sehen lassen. In den rundum erneuerten Gebäuden wurden die Mieten auf bis zu 5,50 Euro je Quadratmeter angehoben, in den nur instandgehaltenen Häusern liegen sie bei 4,30 Euro.

Der 4.560 Quadratmeter große Ententeich ist im Oktober 2009 nach rund 40 Jahren zum ersten mal mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr komplett abgepumpt und entrümpelt worden. Zutage kam da nicht nur eine zwei Meter hohe Schlammschicht, sondern auch alte Verkehrsschilder, Einkaufswagen, Glas und jede Menge anderer Unrat.

Mitte 2010 wurde der See wieder mit Wasser und Fischen befüllt. Zusätzlich wurde der komplette Außenbereich überarbeitet und verschönert. Die Fotos in der Galerie unten von See und Umfeld zeigen den Zustand vor der Sanierung!

Viele Erneuerungen im Stadtteil gehen auf das Stadtteilprojekt „Lindleinsmühle – Lebenswert“ zurück. Dieses „Bündnis für Familien“ bemüht sich seit dem Jahr 2003 darum, die Lebensqualität im Viertel zu verbessern. 1)Wikipedia.de, Main-Post (div. Artikel)

Die Lindleinsmühle ist problemlos über den ÖPNV angebunden, da man den Stadtteil mit den Buslinien 12, 21, 24 und 45 gut erreichen kann. Würde eines Tages vielleicht doch noch die bereits 1978 an Versbach zur Eingemeindung versprochene Straßenbahnlinie gebaut werden, wäre die Lindleinsmühle und Versbach wohl noch optimaler zu erreichen.

Bilder aus dem Stadtteil Lindleinsmühle

Die Geschichte der Lindleinsmühle

Eine Bebauung des in mittelalterlicher Zeit mit Wiesen, Feldern und Weinbergen ausgestatteten PIeichachtals kam ohne Zweifel erst im Laufe des 20. Jahrhunderts zustande. Dennoch gehört das heutige Gebiet seit nahezu zwölfhundert Jahren zur Gemarkung, das heißt zum engeren Stadtgebiet von Würzburg. Aus der Zeit Karls des Großen hat sich als eines der wenigen althochdeutschen Sprachdenkmäler eine undatierte, jedoch mit Sicherheit um 779 anzusetzende Beschreibung der Würzburg-Heidingsfelder Ortsmarkengrenze erhalten. Diese Markbeschreibung gibt den Grenzverlauf für die Stadt des heiligen Kilian auch für dieses Gebiet:

Von einem künstlich angelegten Hügel aus Stein am Anfang der Talsenkung, der Burgklinge – damals wie heute die Grenze gegen Versbach – verlief die Gemarkungsgrenze zur Flurabteilung „Meile“ an der alten Rimparer Straße, dem „Diotuueg“ (Leuteweg). Im Abstieg – zur PIeichach lag dann in einer Sumpfwiese der Mahdplatz des Gick. Möglicherweise hat sich dessen Name in der Flurlage „Guckenlöcher Äcker“ bis heute erhalten, die am Osthang des PIeichachtals liegen, nördlich des Greinbergs („Grimberg“), wohin sich die Grenze zog, nachdem sie die PIeichach („Pleihaha“) an einer durch Steine gebildeten Furt durchschnitten hatte.

Als sich 1721 die Gelegenheit bot, die Lindleinsmühle mit dem dazugehörigen Grundbesitz selbst käuflich zu erwerben, griff das Bürgerspital zu. Dank seiner günstigen Vermögensverhältnisse war die Stiftung in der Lage, bei einem Verkaufsangebot des Fürstbischofs Johann Philipp Franz von Schönborn zuzugreifen. Dieser hatte das Mühlengut von einem anderen Schönborn, dem Kurfürsten von Mainz, eben erst käuflich erworben.

Der Grund für diesen eiligen Weiterverkauf wird einsichtig, wenn man sich den Zeitpunkt ins Gedächtnis zurückruft: Dem vom „Bauwurm“ geplagten Schönborn kamen die 14.000 bar zu zahlenden Rheintaler und 100 Dukaten beim Bau seiner fürstbischöflichen Residenz in Würzburg gerade zustatten. Gern hatte er sich von dem Besitz jedoch keineswegs getrennt: Die Urkunde vom 21. November 1721 reserviert der Familie Schönborn ein Rückkaufsrecht innerhalb der nächsten 20 oder 25 Jahre; auch eine Vereinbarung des Spitals mit dem Stift Haug über die zu leistenden Gültzinsen nimmt Rücksicht auf diese Frist: man vereinbart einen Abstand von 200 Talern nur für die 25 Jahre, unter dem Vorbehalt späterer Regelungen.

Die Lindleinsmühle in den 1930er Jahren.

Die Lindleinsmühle in den 1930er Jahren.

Doch die Lindleinsmühle, deren erster Müller 1574 namentlich bezeugt ist, blieb im Besitz des HI.-Geist-Spitals, bis sie mit immerhin 120 Morgen Acker und 10 Morgen Wiese 1813 um 20.111 Gulden in den Besitz des Hofbankiers Jakob Joel von Hirsch überging. Besitz und damit auch der Wert wuchsen weiter.

Für 150.000 Mark konnte der damalige Besitzer und Müller Valentin Neuland die Lindleinsmühle samt 200 Morgen Feld dem Bürgerspital nochmals zum Kauf anbieten. Und indem der Besitz zwei Jahre später zum gleichen Betrag, aber mit 235 Morgen Besitz an Andreas Dereser, den Eigentümer der „1. Würzburger Dampfziegelei“ veräußert wurde, hatte die Industrialisierung in das stille Mühltal Einzug gehalten. Zwischen der Straubmühle und der Lindleinsmühle wurde von der Baufirma Buchner eine Ziegelei zur Ausbeutung der Lehmgruben am Schwarzenberg errichtet, die bis in die Mitte der 1950er Jahre in Betrieb war. Das Mühlengut war verpachtet und wurde als Viehstallung verwendet.

Wie die weiter stadtwärts gelegene Aumühle wurde die „Lindleinsmühle“ mit der romantischen Entdeckung seit dem vergangenen Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel Alt-Würzburgs. Einer Beschreibung um 1930 entnehmen wir die folgende Schilderung:

Die Mühle gewährt bei offenem Hoftor einen herrlichen Anblick und ladet förmlich zum Eintreten ein. Um das Wohnhaus mit der Mühle im Erdgeschoß gruppieren sich östlich und südlich zwei Gebäude jüngeren Datums. Wohnhaus, Stall und Futterkammer, die den alten Grundstock bilden, sind hufeisenförmig geschlossen. Sehr nett sind die südlichen (Treppen-) Giebel, der des Wohnhauses hat eine kleine Schräge mit einem zierlichen Taubenschlag… An der Ostmauer des Stalles ist ein sechseckiges Türmchen angebaut. ..

Auch das Wasserrad war noch vorhanden; es diente zum Antrieb einer Schrotmühle und eines Dynamos.

Straubmühle

Die Straubmühle in einer weiteren alten Fotografie aus dem vorherigen Jahrhundert (wahrscheinlich auch 1930er Jahre).

Die Straubmühle

Während die Lindleinsmühle offenbar immer ihren Namen beibehalten hat, wechselte ihn die nördlich gelegene Straubmühle des Öfteren, wobei gewöhnlich der Name des jeweiligen Müllers oder Besitzers maßgebend war. Im 16. und 17. Jahrhundert ist sie mehrfach als „Tauberzeller“ Mühle bezeugt, 1703 wird sie in einem Auszug aus dem Versbacher Lehnbuch des Bürgerspitals als „Straubmühle, zuvor Tauberzeller Mühl“ genannt, da der Bodenzins von 12 Malter Korn jährlich, den das Spital auf das Jahr 1387 zurückführte, zwischen ihm und der Kartause Engelgarten geteilt wurde.

Der neue Name wurde wohl von dem gegenüberliegenden Straubberg genommen. Geteilt war der Besitz auch insofern, als die Mühle selbst – bezeugt durch Markungssteine von 1595 und 1735 – nach Versbach, das dazugehörige Bauernhaus und die Scheune besitzmäßig und auch kirchlich nach Würzburg gehörten.

Neumühle

Die Neumühle verrät schon vom Namen her ihre jüngere Entstehung, verglichen mit der benachbarten Lindleinsmühle. Nichtsdestoweniger sind schon 1571 und 1590 Müller für diese Mühle bezeugt. 1641 wird sie „Galgenmühle“ genannt und ist bereits im Besitz der Grafen von Hatzfeld, denen sie auch im 18. Jahrhundert gehörte. Um 1800 hatte die Neumühle drei Mahlgänge und einen Rollgang, Johann Heller und 1807-12 dessen Sohn Paulus sind als Müller genannt.

Aus dem Besitz des Ersteren wurde das Mühlengut 1812 an Johann Lülsdorf und Leonhard Baus verkauft, die sie 1837 wiederum um 77.000 Gulden an das Juliusspital in Würzburg weiterveräußerten, wobei darauf verwiesen wird, dass sie sich „in bestem Zustand“ befinde und das ganze Jahr über betrieben werden könne. Nach verschiedenen Pächtern nahm die Zucker AG Mannheim-Züttlingen, die zu dieser Zeit auch die Lindleinsmühle gepachtet hatte, die Neumühle in Bewirtschaftung. In den dreißiger Jahren war sie noch, hauptsächlich als Schrotmühle, in Betrieb.

Ein neuer Stadtteil entsteht

Völlig sein Gesicht wandelte das Pleichachtal, als 1964 im großen Umfang mit dem Neubau des Wohngebiets Lindleinsmühle begonnen wurde, das anfangs auf 56 ha Fläche für 4.000 Menschen geplant, 1967 jedoch bereits für 5.400 Einwohner berechnet wurde. Ein neuer Stadtteil entstand in Zeilenbauweise, im Hochhausbau und Bungalowstil mit Real- und Volksschule, katholischem und evangelischem Gemeindezentrum, mit Kindergärten und Spielplätzen, Einkaufszentrum und Grünanlagen.

1966, als der Bebauungsplan beschlossen war und die ersten der von der Gemeinnützigen Baugesellschaft, dem St.-Bruno-Werk und der Neuen Heimat Bayern errichteten Wohnungen schon in die Höhe wuchsen, stand die Lindleinsmühle, wenn auch ruinös, noch zwischen den neuen Wohnblöcken, bis sie als neues Zentrum des Stadtteils einem Hochhaus mit 19 Geschossen weichen musste.

Die 157 Wohnungen beherbergen etwa 500 Personen, was zum Zeitpunkt der Errichtung (Richtfest am 19. Januar 1968) der Einwohnerzahl des Weinorts Escherndorf entsprach. An der Schmalseite dieses Hochhauses hatte man ein Mühlrad angebracht – zur Erinnerung an die Vergangenheit. 2)Der Text und die alten Bilder stammen aus der Festschrift anlässlich der Kircheneinweihung St. Albert am 19. Juni 1971 (Auszüge) → Abgerufen und sprachlich sowie zeitlich teilweise angepasst am 20.12.2013

Der Name „Lindleinsmühle“

Der Name des Stadtteils geht auf eine der ehemals drei Mühlen an der Pleichach zurück – Straubmühle, Neumühle und Lindleinsmühle (heute erinnern an die ersten beiden nur noch die so benannten Bushaltestellen im Stadtgebiet). Die Lindleinsmühle musste in den 1960er Jahren dem Bau eines Hochhauses mit 19 Stockwerken in der Schwabenstraße weichen (siehe oben). Beschädigt wurde die Mühle aber schon am 16. März 1945 bei der Bombardierung Würzburgs durch Alliierte Bomber.

Ursprünglich befand sich bis 1990 der Nachbau eines alten Mühlenrades aus Holz an der Fassade des Hochhauses. Es wurde entfernt und durch ein aufgemaltes Mühlenrad „ersetzt“. 3)Linus Dietz, Gustav-Walle-Schule (Hrsg.): Gustav-Walle-Schule 1967-2007. Zur Entwicklungsgeschichte des Würzburger Stadtteils Linleinsmühle. Würzburg, 2007, S. 10.

Unterwegs in der Lindleinsmühle

Die Lindleinsmühle bei Google-Maps

Weiterführende Links

Quellenangaben   [ + ]

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