Pleich

Der Stadtteil Pleich teilt sich auf in die Innere- und Äußere Pleich. Die Innere Pleich ist der Bereich zwischen Juliuspromenade und Röntgenring bzw. Ringpark. Die Äußere Pleich führt vom Ringpark bis zur Brücke der Deutschen Einheit nach dem Kulturspeicher an der Veitshöchheimer Straße.

Innere- und Äußere Pleich

Pleicherkirchgasse

Pleicherkirchgasse

Eingerahmt vom alten Bischofsgarten im Osten (heute der Garten des Juliusspitals), der Juliuspromenade – deren Verlauf von der Kürnach und dem Kranenkai im Westen bestimmt wurde – war die Pleich schon immer ein sehr wasserreicher Stadtteil.

Aus diesem Grund siedelten sich bereits Anfang des 12. Jahrhunderts Berufsgruppen an, die bei ihrer Arbeit auf Wasser angewiesen waren wie zB. Gerber, Metzger oder Töpfer (vergleiche auch die „Gerberstraße„). Bis heute ist das Viertel mit seinen engen und verwinkelten Gassen, dem ruhigen Kirchplatz um St. Gertraud mit fast dörflichem Charakter, von seiner historischen Vergangenheit geprägt.

"ZE-Haus" auf der Juliuspromenade

„ZE-Haus“ auf der Juliuspromenade

Die Geschichte des Stadtteils ist eine sehr traditionelle und im Laufe der letzten Jahrzehnte vor allem eine wechselvolle Geschichte. Die Pleich ist eines der ältesten Stadtteile von Würzburg. Hier gibt es die wahrscheinlich engsten und urigsten Gassen im Stadtgebiet.

Dementsprechend enge und bescheidene Wohnverhältnisse prägten das Bild des Viertels. Heute ist die Pleich eines der zentralsten Wohngebiete mit vielen Familien in renovierten und teilweise neu gebauten Gebäuden. Das war aber nicht immer so.

Bis in die Mitte der 1980er Jahre hatte die Pleich keinen besonders guten Ruf in der Stadt. In direkter Nachbarschaft der Äußeren Pleich befand sich neben dem Freihafen (in Würzburg bekannt als „Alter Hafen“) auch der Viehmarktplatz (mit der Frankenhalle als ehemaliges Viehauktionshaus) und wenige Meter davon entfernt der städtische Schlachthof – und das mitten in einem Wohngebiet. Auf diesem Gelände steht heute das Hotel Maritim und das Congress Centrum.

Diese Umgebung sorgte damals wohl unter anderem dafür, dass sich rund um die engen Gassen ein etwas „verruchtes“ Milieu ansiedelte. Neben Spielhallen und Kneipen war hier früher auch „die sündige Meile“ mit leichten Mädchen, die sich in der Pleicherschul- und Pleicherkirchgasse angesiedelt hatten. In direkter Nachbarschaft zu den Prostituierten befand sich die Pleicher Volksschule. Heute ist davon natürlich nichts mehr zu sehen und auch das „Horizontale Gewerbe“ ist längst in die Gattingerstraße abgewandert.

Am Pleicherkirchplatz

Am Pleicherkirchplatz

Das Schulhaus aus den 1950er Jahren wurde Ende der 1980er Jahre abgerissen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus mit großer Tiefgarage ersetzt – das „ZE-Haus“. Der Name des Gebäudes stammt vom ZE-Elektronikfachmarkt, der hier im Erdgeschoss und ersten Stock eingezogen war. Die beengten Verkaufsräume ein paar Häuser weiter auf der Juliuspromenade wurden damit aufgelöst. Lange sollte das neue Domizil aber nicht währen.

Media Markt und andere sogenannte „Fachmärkte“ sorgten mit einem gnadenlosen Preiskampf für das Sterben auch dieses alteingesessenen Innenstadtgeschäfts. Ebenso erging es den Firmen“Radio Wels“ in der Augustinerstraße, „Udo Lermann“ in Lengfeld und zuletzt der Firma „Duttenhofer“ in der Domstraße so wie vielen weiteren kleineren Geschäften.

Ein „letzter Zeuge“ aus den „Rotlichttagen“ ist heute noch das kleine Sexfilm-Kino am Alten Kranen, welches – warum auch immer – noch dort zu finden ist. Wer bei Nacht durch die engen und schummrig beleuchteten Gassen geht, kann sich vielleicht vorstellen, wie es hier früher einmal war (siehe Bilder rechts oben).

Mit dem Abriss des Schlachthofs Mitte der 1980er Jahre sollte sich auch das Gesicht des Stadtteils erheblich ändern. Zwar gibt es auch heute rund um den Pleicherkirchplatz noch einige sanierungsbedürftige Gebäude, bei denen man den Eindruck hat, als wäre die Zeit stehen geblieben. Dies ist jedoch sicherlich kein Vergleich zu früheren Tagen.

Was die Pleicher Volksschüler gerne gesehen hätten…

Aufgrund der direkten Nachbarschaft hatten die Schulkinder der Pleicher-Volksschule seinerzeit aus den Klassenzimmern einen freien Blick in die Fenster der für sich werbenden Damen des Rotlichtmilieus. Da dies schnell bekannt wurde und bei den Eltern der Kinder „nicht so gut“ ankam, setzte sich der Elternbeirat dafür ein, dass die Damen Ihre Fenster mit einem Sichtschutz versehen mussten.

Bilder aus der Inneren Pleich

Der Name „Pleich“

Der Name des Stadtteils leitet sich von der Pleichach (einem Fließgewässer) ab und bedeutet wahrscheinlich „weißes Wasser“, denn in der Bezeichnung ist das germanische Grundwort „aha“, Bedeutung „Wasser“, sowie „pleih“ < bleih (-> bleich ˜ blass) althochdeutsch „weiß“ enthalten. Die Würzburger Pfarrkirche St. Gertraud im Stadtteil Pleich firmiert unter „Pfarrkirche zu Pleichach (St. Gertraud)“. 1)Artikel bei Wikipedia über die Pleichach

Die „Judensteine“ aus der Pleich

Im Januar 1987 wurde die ehemalige „Landelektra“ (das Gebäude war zunächst ein Kloster der Dominikanerinnen und wurde auf den Grundmauern errichtet) für einen Neubau abgerissen. Im Untergrund fand man bei den Baggerarbeiten insgesamt 1504 jüdische Grabsteine und Grabsteinfragmente mit einem Gesamtgewicht von 70 Tonnen aus der Zeit zwischen 1126 und 1346 des einstigen jüdischen Friedhofs, der sich an dieser Stelle befand. Sie wurden geborgen und im Rothof gelagert, gereinigt und zugeordnet.

In diesem Zustand präsentierte vor einigen Jahren Prof. Müller den Mitgliedern und Freunden der Simon Höchheimer Gesellschaft (SHG) die „Judensteine aus der Pleich“. Mittlerweile wurde die im internationalen Rahmen durchgeführte wissenschaftliche Auswertung der Grabsteine, die seit 2006 ihren Platz im Museum des jüdischen Zentrums „Shalom Europa“ in Würzburg gefunden haben, abgeschlossen. Die Steine erzählen menschliche Schicksale, berichten vom Leben der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Würzburg, legen Zeugnis ab vom hohen wissenschaftlichen Rang ihrer Mitglieder und haben uns auch heute noch viel zu sagen.

Nirgendwo sonst, weltweit, gibt es bislang mehr jüdische Grabsteine aus dem Mittelalter als in Würzburg. 2)Information von der Webseite der jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken und der Simon Höchheimer Gesellschaft, Höchberg Weitere ausführliche Informationen und Bildmaterial zu den Judensteinen aus der Pleich gibt es auf der Homepage des Museums der jüdischen Gemeinde Würzburg.

Bilder aus der Äußeren Pleich

Hotelneubau in der Veitshöchheimer Straße

Direkt gegenüber des Cinemaxx Kinos ist Anfang Januar 2012 mit den Bauarbeiten für ein neues Hotel begonnen worden. Das Grundstück an der Veitshöchheimer- Ecke Pickelstraße war ehemals

Hotelneubau der "B&B" Kette in der Veitshöchheimer Straße.

Hotelneubau der „B&B“ Kette in der Veitshöchheimer Straße.

im Besitz der Firma Lindner und war rund zehn Jahre eine Brachfläche – teilweise war hier auch ein Gebrauchtwagenhändler mit seinen Fahrzeugen untergekommen.

Inzwischen ist auf dem 2.200 Quadratmeter großen Gelände ein Hotelneubau der französischen B&B-Hotelkette entstanden. Das Gebäude hat fünf Stockwerke mit 95 Hotelzimmern. Im hinteren Teil befindet sich ein Parkplatz für rund 55 Fahrzeuge. In den geplanten 5,5 Millionen Euro Investitionskosten war bereits der Kaufpreis an die Stadt Würzburg enthalten. Die Stadt hatte in der Vergangenheit bereits viele Pläne mit dem Areal, die aber alle mangels Investoren scheiterten. Die Eröffnung war Mitte 2012. 3)Informationen aus „Markt am Sonntag“ vom 29.01.2012

So bekamen wir also nun ein weiteres Hotel im Alten Hafen – und dieser ist kein wenig ansehnlicher als der viereckige „Klotz“ des Ibis Hotels gegenüber auf der anderen Straßenseite. Meiner Meinung nach alles andere als passend und absolut nicht harmonierend mit Kulturspeicher auf der einen und Steinburg auf der anderen Seite. Auch das Cinemaxx-Kino in direkter Nachbarschaft des Kulturspeichers ist nicht gerade eine architektonische „Meisterleistung“, sondern eher „quadratisch, praktisch und eben nicht wirklich gut“.

Aber so ist das nun mal: Geschmäcker sind verschieden und oftmals entscheidet bei Bauvorhaben wohl nicht der Verstand, sondern eher der Geldbeutel und die Zweckbestimmung. Man stelle sich nur mal vor, dass Kino wäre damals in die historischen Hafengebäude des heutigen Kulturspeichers eingezogen. Man könnte mit Sicherheit sagen, dass es das schönste Kino Deutschlands geworden wäre. Wurde es aber nicht…

Unterwegs in der Pleich in Würzburg

Der Stadtteil Pleich bei Google-Maps

Quellenangaben   [ + ]

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