Der Würzburger Ringpark

Die Stadt Würzburg besitzt mit seinem großzügigen Ringpark der sich um die Innenstadt schlängelt eine der schönsten Ringparkanlagen Deutschlands. Zu verdanken haben wir unsere "grüne Lunge" dem schwedischen Gartenarchitekten Jöns Person Lindahl.

Erste Frühlingsboten im April 2009 in "Klein Nizza"Nachdem er zuerst am Schloss zu Philipsruhe bei Hanau tätig war, kam er am 2. August 1880 als Stadtgärtner nach Würzburg. Seine Aufgabe war, die Festungswerke und den Glacisbereich, die bislang als militärischer Bezirk nicht bebaut werden durften, in einen Gesamtpark umzuformen. Die ersten Planungen für den Pleicher-, Hauger- und Rennweger bereich zeigten bereits den hochklassigen Gartenkünstler. Seine Konzeption sah unter Verwendung des alten Baumbestandes eine Anlage vor, die den Bürgern stadtnah Ruhe und Erholung vermitteln sollte. Dicht schattige Laubgänge sollten mit grünen Wiesen wechseln, unterbrochen von einzelnen monumentalen Bäumen oder Gruppen schön blühender Zierbäume und Sträucher. Felspartien und kleine Wasserfälle, Statuen und Teiche mit plätschernden Springbrunnen sollten reizvolle Anblicke bieten. Insgesamt erstrebte Lindahl eine Parklandschaft mit einem abwechslungsreichen und stimmungsvollen Bild. Auf der Internationalen Gartenbauausstellung zu St. Petersburg wurde Lindahl hierfür 1884 mit Silbermedaille und Diplom ausgezeichnet.

Wie der Ringpark entstand

Schautafeln wie diese zeigen an manchen Stellen des Ringparks die besonderen Punkte auf.Als erstes ließ Lindahl das Rennweger Glacis umgestalten. Mit der Auflage, keinesfalls Charakter und Stil der Glacisanlage aufzuheben, war seine Konzeption von vorne herein eng begrenzt. Von einigen Gemeindebevollmächtigten wurde ihm rasch vorgeworfen, er schlage alte Bäume aus den Anlagen und beseitige zu viel Buschwerk. Als Lindahl im Winter 1883/1884 die Umgestaltung des Glacis vor dem Bahnhof in Angriff nahm, traten bei der Terraingestaltung infolge schwer abzutragender Felsschichten unerwartete Schwierigkeiten auf.  Es mussten zusätzliche Mittel beantragt werden. Obwohl diese nur teilweise bewilligt wurden, ließ Lindahl weiter arbeiten. In der Stadt kursierte der Spruch, erneut sei "der Schwede in Würzburg eingefallen" und hause hier wie zur Zeit des Schwedenkrieges! Bürgermeister Georg von Zürn, der seinen Gartenarchitekten bislang gegen alle Angriffe geschützt hatte, erlag im Mai 1884 überraschend einem Herzinfarkt.

Die Parkgestaltung verstand Lindahl als Kunstwerk - er war daher nicht zu Kompromissen bereit, auch wenn die Finanzplanung Sorgen bereitete. Als er vor dem Sanderviertel einen See, der mit Mainwasser gespeist werden sollte, anlegen ließ, kritisierte die Presse, dass es ein Unding sei, neben einem Fluss für teures Geld einen künstlichen See zu schaffen. Hierauf distanzierte sich der neue Bürgermeister Dr. Johann Georg Steidle von seinem Stadtgärtner.

Selbstmord an der Ottostraße

Das Lindahl-Denkmal im Ringpark in der Nähe der OttostraßeEine Kommission sollte künftig Lindahls Ausgaben überprüfen. Dieser Affront führte bei Lindahl zu einem Nervenzusammenbruch. Während einer Kur in Sommerberg ließ der Magistrat den ausgehobenen Weiher wieder zuschütten, mit Rasen bepflanzen, die aufgeworfenen Hügel verkleinern und als Spielplätze herrichten. Nach seiner Rückkehr war Lindahl über diese Eingriffe entsetzt, er klagte über Kopfschmerzen und Schwindelanfälle. Am 22. November 1887 erschoss er sich in den Glacisanlagen an der Ottostraße. Das unvollendete Werk schloss sein Nachfolger, Stadtgärtner Engelbert Sturm, bis 1891 ab.

Ein Freundeskreis veranlasste, dass zu Ehren Lindahls in seiner Wirkungsstätte nahe der Neuen Universität ein Gedenkstein errichtet wurde. Später ließ der Würzburger Stadtrat eine Straße nach ihm benennen, 1982 wurden seine sterbliche Überreste in das städtische Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof umgebettet. Bis heute verdankt die Stadt Würzburg diesem hochverdientem Gartenarchitekten eine Grünanlage, die zu den beeindruckendsten Ringparks Deutschlands zählt. (1)

Würzburger Ringpark unter Naturschutz?!

Ganz so "freizügig" hat sich das Lindahl anno 1880 wohl nicht gedacht. Heute ist es aber an schönen Tagen - wie hier im April 2009 am Ruschkewitz-Brunnen - ganz normal, dass die Rasenflächen auch für ein Sonnenbad genutzt werden. Zum Glück gibt es in unserem Ringpark keine Schilder mit der Aufschrift: "Rasenfläche betreten verboten"Wenn es nach einigen Mitgliedern des Würzburger Stadtrates geht, dann soll der Ringpark in Zukunft unter Naturschutz gestellt werden. Der Stadtrat hat das Verfahren dazu im Oktober 2008 auf den Weg gebracht. Dies geschah begleitet von einer Grundsatzdebatte über die Bedeutung des 3,3 Kilometerlangen Grüngürtels um die Innenstadt. Das Würzburg seine 27 Hektar große grüne Lunge benötigt, daran lies niemand Zweifel aufkommen. Auch nicht der SPD-Fraktionschef im Würzburger Stadtrat, Hans-Werner Loew. Loew der auch Aufsichtsratevorsitzender bei der Würzburger Straßenbahn GmbH ist, hält Probleme bei der Trassenführung für die neue Straba-Linie 6 für möglich. Klar ist nämlich, dass die Straßenbahn in Zukunft irgendwo den Ringpark durchqueren muss.

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Der Ringpark bei Google-Maps mit Fotos

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Quellenangaben

Letzte Aktualisierung: 08.06.2010

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