Wenn es in unserer Stadt um Gebäude geht, die durch ihre Bauform und Größe ein Teil des Stadtbildes sind, steht der Grafeneckart neben Festung Marienberg und Alte Mainbrücke mit Sicherheit ganz oben auf der Liste! Der 55 m hohe romanische Turm ist heute der älteste Teil des Rathauses und ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Würzburg.
Wie der Grafeneckart zu seinem Namen kam
Der Grafeneckart in Würzburg, ursprünglich ein mittelalterlicher Geschlechterturm, wurde erstmals 1180 als curia Billungi erwähnt. Seine ersten Besitzer, Heinrich Billung und sein Sohn Graf Eckhart de Foro, waren beide die vom Bischof eingesetzten obersten Richter (Schultheißen) der Stadt; Eckhart war zusätzlich Stellvertreter des Burggrafen.
Der Name „Grafeneckart“ leitet sich von Eckharts Beinamen „Graf“ ab und bezeichnete den Hof des Grafen Eckard. Das Gebäude diente nicht nur als Wohnhaus (erkennbar an repräsentativen Fenstern und Kamin), sondern auch als Amtssitz des Stadtschultheißen. Eckhart, der 1195 das älteste Stadtsiegel Würzburgs benutzte, wurde um 1200 ermordet, und der Hof fiel schließlich an das Hochstift zurück. 1250 verpfändete der Bischof den Hof an seinen Truchseß Konrad Torso.
Danach ging der Besitz an die angesehene Familie von Rebstock über; der bischöfliche Ministeriale Kuno von Rebstock (zeitweise Schultheiß 1332) gilt als erster belegter Besitzer aus dieser Familie. Am 5. März 1316 verkauften Kuno und seine Frau den Grafeneckart für 370 Pfund Heller an die Bürgermeister Arnold vom Sandhof und Ecko von Steren.
In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude zu einer Stadtburg erweitert und erhöht, um den Bürgermeister und den Rat vor Angriffen zu schützen. Die Ratsversammlungen wurden daraufhin in den Grafeneckart verlegt. Zwischen 1453 und 1456 errichtete der Rat einen Turm über der Südostkante, der mit einer Feuer- und Sturmglocke sowie einer Uhr versehen wurde.
Größere bauliche Veränderungen erfolgten unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573–1617). Ein Fries datiert in das Jahr 1588. Zwischen 1593 und 1597 wurde der Grafeneckart, nun auch als Grünbaum oder Grüner Baum bezeichnet, um zwei Stockwerke erhöht und mit einem geschweiften Volutengiebel versehen, was durch die Verwendung von rotem Buntsandstein und die Fensterformen belegt ist.
Der Name „Grüner Baum“ geht auf eine Linde zurück, unter der im Mittelalter Gericht gehalten wurde; Verurteilte kamen in das Verlies des Grafeneckarts. Im Grünen Baum wurde auch das Bürgermahl zur Erinnerung an die Aufhebung der Reichsacht abgehalten. 1)Mit Material aus dem Artikel „Grafeneckart“ aus dem Würzburgwiki → abgerufen am 25.11.2025
Gedenkraum im Grafeneckart
Der 16. März 1945 ist der Schreckenstag von Würzburg. An diesem Datum – wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs – wurde die Stadt bei einem alliierten Luftangriff nahezu vollständig zerstört. An diese düstere Zeit und die schrecklichen Folgen erinnert seit den 1980er Jahren ein Gedenkraum im Grafeneckart. Darin enthalten sind unzählige historische Fotos und in einem Schaukasten ein originalgetreuer Nachbau der Stadt Würzburg in Modellform. Die Ausstellung ist bis auf ganz wenige Ausnahmen täglich geöffnet und kann kostenlos besucht werden.



Geschichtliche Bedeutung für Würzburg
Als Bauwerk, das hoch über die Bürgerhäuser der Altstadt aufragte, verkörperte der Grafeneckart das freiheitliche Selbstverständnis der Würzburger Bürger, die nach Autonomie gegenüber den bischöflichen Landesherren strebten, und avancierte somit zum Symbol der bürgerlichen Freiheit.
In den Jahren 1659/1660 wurde der Grafeneckart, genauer gesagt sein Seitenflügel „Grüner Baum“, durch Bürgermeister Johann Pleickhard nach Westen um den Roten Bau erweitert. Der Schweizer Stuckateur Prospero Breno gestaltete 1672 die Decke des Ratssaales mit Gipsarbeiten, die sieben symbolische Figuren, Landschaften und Rosen darstellten. Im Jahr 1695 wurde das Portal errichtet, das heute zum Würzburger Ratskeller führt und lange als Eingang zum Salzmagazin diente. 1730 erfolgte schließlich der Einbau des großen Barock-Parterrefensters auf der linken Seite. 2)Mit Material aus dem Artikel „Grafeneckart“ aus dem Würzburgwiki → abgerufen am 25.11.2025
Bilder von Grafeneckart und Vierröhrenbrunnen
Weitere Informationen
- Die Stadt Würzburg bietet kostenlose Führungen durch das Rathaus.
- Wikipedia über das Würzburger Rathaus und den Grafeneckart
Quellenangaben











