Heidingsfeld

Der Würzburger Stadtteil Heidingsfeld – im Volksmund auch „Hätzfeld“ oder „Das Städtle“ genannt – war tatsächlich ehemals eine kleine eigenständige Stadt. Denn Heidingsfeld wurde erst zum 1. Januar 1930 auf Wunsch der Bürger zu Würzburg eingemeindet und war vorher eine selbständige Stadt. Die Einwohnerzahl lag im Dezember 2021 bei exakt 10.148 Menschen. Gerade deshalb hat sich vielleicht auch der eigenständige Charakter des Stadtteils mit seiner historischen und denkmalgeschützten Stadtmauer erhalten.

Die historische Stadtmauer von Heidingsfeld

Die alte Heidingsfelder Stadtmauer
Die alte Heidingsfelder Stadtmauer

Die Stadtmauer war ursprünglich 2210 Meter lang. Heute misst sie in einfachem Umfang 1690 Meter. Die fehlenden Meter entfielen auf die Ummauerung um den Stadtbach. In der Stadtmauer, die vorwiegend aus Muschelkalkstein besteht, befanden sich 14 Türme. Trotz vieler Beschädigungen über die Jahrhunderte hinweg, zuletzt durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, umschließt die Stadtmauer heute noch weitgehend den Kern von Heidingsfeld.

Die Bürgerschaft von Heidingsfeld setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt ihrer gotischen Stadtumwehrung ein. Restauriert wurden im Jahr 2006 von der Stadt Würzburg unter anderem zwei Wehrbrücken und der Salmannsturm. Weitere herausragende Teile der Stadtmauer, wie den Stegenturm, wird die Stadt mithilfe engagierter Bürger restaurieren.

Die Geschichte von Heidingsfeld

Alter Turm in der Gasse "An der Stadtmauer"
Alter Turm in der Gasse „An der Stadtmauer“

Urkundlich erwähnt wurde Heidingsfeld in einer Marktbeschreibung von 779 n. Chr. Ursprünglich soll der Name von „Hedans Feld“, also Stadt des thüringischen Herzogs Hedan kommen.

1367 bekam Heidingsfeld die Stadtrechte verliehen. 1565 ließen sich aus Würzburg vertriebene Juden in Heidingsfeld nieder. Der Ort wurde so zu einem wichtigen religiösen Zentrum der jüdischen Gemeinde und war im frühen 18. Jahrhundert Sitz des Ober-Rabbiners von Unterfranken. Im frühen 19. Jahrhundert hatte Heidingsfeld (nach Fürth) die zweitgrößte jüdische Gemeinde im damaligen Königreich Bayern.

Die Schweden unter Gustav Adolf II. eroberten die Stadt im 30-jährigen Krieg – bis heute existiert in der Sage vom „Giemaul“ ein Nachhall, die dazugehörige Figur hängt noch heute am Rathaus und ist ein Wahrzeichen von Heidingsfeld (siehe Artikel weiter unten).

In der Reichspogromnacht wurde 1938 die Synagoge in Heidingsfeld zerstört. 1945 wurden 85 % des Ortes bei Luftangriffen verheerend beschädigt. Die Folgen daraus kann man heute noch teilweise an den verbliebenen Schäden an der alten Stadtmauer erkennen.

Bilder aus dem Stadtteil Heidingsfeld

Alle Bilder dieser Galerie entstanden an einem schönen Nachmittag im April 2018.

Die Heidingsfelder Stadtteile

Neben der Heidingsfelder Altstadt, die bei den Würzburgern auch „Das Städtle“ oder „Hätzfeld“ (Mundart) genannt wird, gehört auch die Lehmgrubensiedlung zum Stadtbezirk Heidingsfeld. Auch der Heuchelhof und das Steinbachtal waren zumindest ursprünglich Teile der einst eigenständigen Stadt.

Verkehrsanbindungen in Heidingsfeld

Der Stadtbezirk ist mit den Stadtteilen Lehmgrubensiedlung und Katzenberg relativ gut an den ÖPNV angebunden. Die ehemalige Linie 23, die von der Reuterstraße in die Lehmgrubensiedlung fuhr, wurde vor einigen Jahren komplett eingestellt und durch einen teilweise geänderten Streckenverlauf der Linie 16 (fährt über Lehmgrubensiedlung und Frauenland bis Dominikanerplatz in der Innenstadt) ersetzt.

Zentraler Umsteigepunkt in Heidingsfeld ist die Reuterstraße. Hier starten auch die Linie 311 (Guttenberger Forst) und 33 (Katzenberg). Zusätzlich halten hier die Straßenbahnlinien 5 (Heuchelhof) und 3 (Heuchelhof / Rottenbauer). Bevor die Straba zum Heuchelhof gebaut wurde (Fertigstellung im November 1989) waren hier auch die Abfahrtpunkte der Buslinien 30 (Heuchelhof) und 32 (Rottenbauer), welche aber mit der Eröffnung der Straßenbahnlinie 5 bzw. 3 eingestellt wurden.

Ehemalige Straßenbahnschienen am alten Ostbahnhof in Heidingsfeld.
Ehemalige Straßenbahnschienen am alten Ostbahnhof.

Seit 1929 fuhr die Linie 3 auf einer eingleisigen Strecke durch die engen Straßen im „Städtle“ und hatte ihre Endstation am Ostbahnhof in Heidingsfeld. Die Linie wurde mit der letzten Fahrt am 8. Juni 2001 wegen des immer stärker werdenden Autoverkehrs in Heidingsfeld eingestellt. Oftmals war es einfach zu eng für Straba und Autos.

Einige Jahre nach der Einstellung des Regelverkehrs bestand wieder verstärktes Interesse an einer Neuaufnahme des Betriebes. Dafür machte sich unter anderem die „Interessengemeinschaft Würzburger Straßenbahn“ (IWS e.v.) stark. Die Gleise wurden damals nicht entfernt, um eine Wendemöglichkeit zu haben.

Der Wunsch, dass die Straßenbahn in diesem Stadtteil bestehen bleibt, hat sich allerdings nicht erfüllt. Grund dafür war, dass die Strecke alleine schon dadurch unbefahrbar gemacht wurde, dass die Betonmasten, welche die Oberleitung hielten, entfernt werden mussten. Denn im Bereich der Haltestellen Waltherschule und Ostbahnhof standen Oberleitungsmasten deren Standsicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnten.

2012 knickte ein baugleicher Mast in der Zellerau um. Seitdem wurde die Würzburger Straßenbahn dazu verpflichtet, bis zur Frostperiode 2014 im gesamten Streckennetz alle diese Masten auszutauschen. Eine Reaktivierung der Straßenbahn zum Ostbahnhof hätte damals neben einer Erneuerung der Masten außerdem auch eine Erneuerung der mehr als 40 Jahre alten Gleisanlagen, der Fahrleitung und der Signalanlagen erfordert. Gesamtkosten: 4,5 Millionen Euro.

Einstellung der Straßenbahnlinie 3 durch Heidingsfeld

Vor diesem Hintergrund hatte der Aufsichtsrat der WSB ein Verfahren zur Einstellung des Straba-Betriebs eingeleitet. Und damit wurden eben die 24 Masten einfach zurückgebaut. 1)Main-Post Artikel „24 Straba-Masten werden gekappt“ vom 01.03.2013

Drei Jahre später sind dann letztlich auch alle Schienen aus den Straßen entfernt worden. Die WSB hatte sich damit also die Möglichkeit genommen, jemals wieder eine Straßenbahn hier fahren zu lassen. Eine derartige Streckenstillegung ist in Würzburg zwar nicht einmalig, aber dennoch sehr selten der Fall gewesen. Als Beispiel wäre die ehemalige Strecke in das hintere Steinbachtal zu nennen. Ausflügler konnten einst zum bekannten Biergarten „Volksgarten“ mit der Bahn fahren. In Würzburg wissen heute wohl nur die wenigsten Menschen von dieser ehemaligen Strecke die sicher sehr schön war.

Die folgende Galerie zeigt Bilder der Umbaumaßnahmen an der Reuterstraße im August 2014. Nachdem die Straßenbahn nach Heidingsfeld stillgelegt war, wurde die Haltestelle von drei auf zwei Gleise zurückgebaut. Einige Zeit später sind dann auch die Schienen in den Straßen von Heidingsfeld entfernt worden.

Ostbahnhof wurde reaktiviert

In Heidingsfeld gab es seitens der Bürger und verschiedener Initiativen immer den Willen, dass der Ostbahnhof eines Tages wieder in Betrieb genommen würde. Gleiches gilt auch für den ehemaligen Westbahnhof in der Lehmgrubensiedlung. Gerade für die Heidingsfelder war dies eine ideale Möglichkeit bequem in die Innenstadt oder in das Umland zu kommen. Ein Zug brauchte vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof unter 10 Minuten. Mit Zubringerbus und Straßenbahn ist man in Richtung Hauptbahnhof rund 30 Minuten durch die ganze Stadt unterwegs.

Der in den 1980er Jahren stillgelegte Bahnhof konnte mittlerweile tatsächlich wieder eröffnet werden. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 halten am Ostbahnhof wieder Züge! Dafür musste der Bahnsteig allerdings zwei Jahre lang aufwändig umgebaut werden. Pro Tag werden jetzt rund 700 Reisende erwartet. Das eigentliche Bahnhofsgebäude spielt dabei allerdings keine Rolle mehr. Die barrierefreien Zugänge zu den Gleisen erfolgt über die Unterführung neben dem Bahnhof. 2)Lok-Report vom 06.12.2022: Station Würzburg-Heidingsfeld Ost geht wieder in Betrieb → abgerufen am 09.12.2023

Das Heidingsfelder „Giemaul“

Giemaulfigur an der Fassade vom Heidingsfelder Rathaus
Giemaulfigur an der Fassade vom Heidingsfelder Rathaus

Die Schweden hatten Würzburg bereits eingenommen, da leistete das benachbarte Städtchen Heidingsfeld noch immer tapferen Widerstand. So schnell wären die Feinde nicht hinter die starken Mauern gekommen, hätten sie nicht einen Verräter gefunden. Ein Ratsherr namens Hemmerlein wäre gerne Bürgermeister geworden und glaubte, die Schweden würden ihn aus Dankbarkeit in dieses Amt einsetzen, wenn er sie auf heimlichen Wegen in die Stadt brächte.

So ließ er sich nachts an einem Seil die Mauer hinunter und führte eine Abteilung Schweden zum „Nonnengarten“, wo der Kanal unter der Mauer hindurch das Eindringen in die Stadt ermöglichte. Die ahnungslosen Wachen wurden leicht überwältigt, durch die geöffneten Tore stürmten die Schweden und besetzten die Stadt.

Aber der schwedische Hauptmann beließ den alten Bürgermeister in seinem Amt; 100 Dukaten waren der Judaslohn für den Verräter. Der lebte nun in ständiger Angst, dass eines Tages seine Schandtat aufkäme. Das geschah auch, als die Schweden nach drei Jahren abgezogen waren. Man hätte den Schurken an den Galgen gehängt, wäre er nicht vorher tot zusammengebrochen.

Zur Erinnerung wurde sein Bildnis, ein schwarzbärtiger Männerkopf mit heraushängender Zunge, der Rathausuhr vorgesetzt. So oft die Glocke schlägt, so oft klappt das Giemaul auf und zu. Wenn ein Spatz beim Zwölf-Uhr-Schlag einfliegt, muss er eine Stunde im finsteren Giemaul bleiben, bis es sich um ein Uhr wieder öffnet. 3)Karl Treutwein – „Das Heidingsfelder Giemaul“. – Sagen aus Mainfranken – Stürtz, Würzburg 1969

Und wie das mit solchen alten Geschichten und Sagen ist, gibt es oftmals verschiedene Erzählweisen. Die hier oben gezeigte, ist relativ „harmlos“. Um einiges „brutaler“ und „blutiger“ ist die Version die ich in meinem Sonntagsvideo erzählt habe (siehe weiter unten). Dort schnitt man dem „Verräter“ die Zunge heraus und nagelte seinen Kopf an das Rathaus.

Der Rathausplatz in Heidingsfeld wurde zwischenzeitlich renoviert und sieht heute schöner aus.
Der Rathausplatz in Heidingsfeld wurde zwischenzeitlich renoviert und sieht heute schöner aus.

An das „Giemaul“ wird auch mit der Fastnachtsgilde Giemaul erinnert. Schon zur Zeit der Eroberung waren viele Heidingsfelder Bürger der Meinung, dass eine Eroberung nicht abzuwenden war. Durch das Öffnen des Tores tat „Giemaul“ der Stadt den Gefallen, die Zerstörung durch die Belagerer zu umgehen. 4)Artikel bei Wikipedia.de zum Thema Heidingsfeld

Das Sonntagsvideo

Für eine Videoreihe „Das Sonntagsvideo“ war ich inzwischen mehrmals im Stadtteil Heidingsfeld unterwegs.

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Heidingsfeld in historischen Ansichten

Wie schön, dass es Leute gibt, die alte Postkarten und Ansichten aufheben und sammeln. Einer dieser Sammler ist der Stadtrat Willi Dürrnagel aus dessen Archiv diese Bilder stammen.

Heidingsfeld bei OpenStreetMap

Quellenangaben[+]

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