Lehmgrubensiedlung
Lehmgrubensiedlung

Lehmgrubensiedlung

Die Lehmgrubensiedlung ist eine Wohnsiedlung am Hang des Blosenbergs nordöstlich der Eisenbahnstrecke Würzburg-Lauda-Königshofen und gehört zum Stadtbezirk Heidingsfeld. Es ist eine ruhige Wohnsiedlung, in der es heute leider fast keine Infrastruktur mehr gibt.

Von der Lehmgrube zur gleichnamigen Wohnsiedlung

An Stelle der heutigen Lehmgrubensiedlung befand sich ursprünglich eine Lehmgrube der Ziegelei Georg Siegler, die zuvor im Steinbachtal Lehm für die Ziegelherstellung abgebaut hatte. Sozusagen in direkter Nachbarschaft war auf dem Gelände des heutigen Dallenbergbades auch die Ziegelei J. Eugen Weber angesiedelt, welche 1939 geschlossen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand dann dort ab 1954 das bei den Würzburgern bis heute allseits beliebte Schwimmbad, das im Juli 1956 eröffnet wurde.

Entstehungsgeschichte der Lehmgrubensiedlung

Blick auf die Lehmgrube im Jahr 1957 vom Leitengraben (Foto: Archiv Willi Dürrnagel)
Blick auf die Lehmgrube im Jahr 1957 vom Leitengraben (Foto: Archiv Willi Dürrnagel)

Die Ursprünge der Lehmgrube waren eine „Erwerbslosen-Kleinsiedlung“, die Anfang der 1930er Jahre unter dem Namen „Kupsch-Siedlung“ begonnen wurde. Im Zuge der sogenannten „Bünigischen Notverordnung“ und durch Initiative des ev. Pfarrers Wolf Meyer aus Heidingsfeld, sollten neue Siedlerstellen geschaffen werden. Der Würzburger Unternehmer Bernhard Kupsch (Gründer der lange Jahre in Würzburg bekannten „Kupsch“-Lebensmittelmärkte, die es heute nicht mehr gibt) begeisterte sich damals für das Projekt und gab großzügige Darlehen zu kleinem Zins.

Mit dem Bau der Siedlung ist im Jahr 1932 begonnen worden: Die künftigen Hauseigentümer – es handelte sich um zwölf vertraglich gebundene Arbeitslose – sollten selbst in kameradschaftlicher Selbsthilfearbeit die Kleingebäude in Form von sechs Doppelhäusern errichten.

Zuvor musste der Lehmgrubenweg durch das bis dahin noch nicht ausreichend erschlossene Ackerland für schwere Pferdefuhrwerke ausgebaut werden. Auch mussten Bruchsteine geschlagen und herangeschafft werden. Die sechs Doppelhäuser (teilweise auch als „12 Häuser“ bezeichnet) sollten wiederum erst an die Siedlungswilligen ausgegeben werden, wenn alle Gebäude fertig errichtet waren. Die endgültigen Besitzer wurden ausgelost, damit niemand bevorzugt werden sollte. Der „Fränkische Volksfreund“ berichtete über die Häuser:

Jedes Haus hat 42 m² Grundfläche. Auf dieser Grundfläche befindet sich: Wohnküche (11 m²), Elternschlafzimmer (13 m²), Kinderschlafzimmer (9 m²), der Giebelraum mit dem flachen Dachstuhl lässt den Ausbau eines Giebelzimmers zu (13 m²). Die Gartenstelle wurde zur Verringerung der Baunebenkosten auf 400 m² beschränkt.

Fränkischer Volksfreund

In den darauffolgenden Jahren bis 1936 wurde die Siedlung auch unter den Nationalsozialisten als „Reichssiedlung“ erweitert. Ein Zeugnis aus dieser Zeit ist zum Beispiel das Gebäude vom heutigen Familienzentrum Würzburg e.V. im Frau-Holle-Weg.

Die ehemalige Jugendherberge in den 1930er Jahren (Foto: Archiv Willi Dürrnagel)
Die ehemalige Jugendherberge in den 1930er Jahren (Foto: Archiv Willi Dürrnagel)

Das Haus wurde zwischen 1936 und 1938 vom Würzburger Architekt Hubert Groß für die Hitlerjugend erreichtet. Groß war als Architekt auch für die oben beschriebene Gestaltung vier weiterer Straßenzüge verantwortlich. Auch die ehemalige Hindenburg-Siedlung (heute Stadtteil Gartenstadt Keesburg) ging teilweise auf ihn zurück.1)Mit Informationen aus dem Artikel „Lehmgrubensiedlung“ des Wuerzburgwiki → abgerufen am 09.12.2023

Weiterentwicklung in den 1950er Jahren

Pfarrkirche und Jugendherberge nach 1957 (Foto: Archiv Willi Dürrnagel)
Pfarrkirche und Jugendherberge nach 1957 (Foto: Archiv Willi Dürrnagel)

Von den 1950er bis in die 1980er Jahre ist die Siedlung Stück für Stück immer wieder erweitert worden. Die katholische Pfarrkirche zur Heiligen Familie ist nach der Grundsteinlegung im Jahr 1956 geweiht worden. Der Baustil der Kirche entspricht der damals vielfach in Deutschland gebauten „Nachkriegsmoderne“. In den 1980er Jahren wurde die Siedlung ein letztes Mal auf die heutigen Ausmaße erweitert.

Die Lehmgrubensiedlung und der „Unkel“

Der ehemalige "Unkel"-Schornstein.
Der ehemalige „Unkel“-Schornstein.

In Würzburg kennen vor allem die Älteren bis heute den Firmennamen, der dem Stadtteil über Jahrzehnte einen ganz besonderen Geruch gegeben hatte. Immer noch kann man am Fabrikschornstein den Schriftzug „Unkel“ lesen. Seit 1936 war die Firma hier am Rand der Lehmgrube angesiedelt – also kurz nachdem hier auch mit der Wohnbebauung begonnen wurde.

Unkel war als Unternehmen darauf spezialisiert, aus tierischen Produkten, welche z.B. beim Schlachten anfallen, die Fette zu heraus zu schmelzen. Auch verendete Tiere oder die Kadaver von Haustieren sind hier verarbeitet worden. Die Endprodukte des Betriebes landeten dann in der Industrie, die diese unter anderem dafür benötigt, um Schmierstoffe, Kosmetik oder Seifen herzustellen. Die Gerüche der Produktion, die über die Kanalisation verbreitet wurden, waren in meiner Erinnerung mehr als unerträglich. In der Lehmgrubensiedlung und über ganz Heidingsfeld lag, je nach Windlage, ein penetranter und süßlich, fauliger Gestank. Einfach eklig – vor allem, wenn man wusste, wie die Geruchsbelästigung entstand!

1998 ist das Unternehmen verkauft worden und gehört heute der Firma „Euromeat“, die Teil der „Saria Gruppe“ ist. Die Produktion läuft an mehreren Standorten in Deutschland weiter. In Würzburg ist hingegen nach ewigen Protesten der Bürger der Betrieb im Jahr 2016 endgültig eingestellt worden. Heute befindet sich in der Lehmgrubensiedlung nur noch ein Logistik-Standort des Unternehmens – ohne Gerüche!

Bilder aus der Lehmgrubensiedlung

Die folgenden Bilder habe ich bei einem Spaziergang im Juli 2017 gemacht, als ich hier für die Aufnahmen meines Sonntagsvideos unterwegs war.

Das Sonntagsvideo

Die Aufnahmen für meinen Film entstanden im Juni 2017.

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Mehr Informationen

Die Lehmgrubensiedlung bei OpenStreetMap

Quellenangaben[+]

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