Brutalismus in Würzburg

Nicht nur in Würzburg oder Deutschland, sondern weltweit findet man in fast jeder Stadt Bauwerke des Brutalismus. Dieser Architekturstil der Moderne ist dabei von je her mehr als umstritten. Viele Menschen sehen in diesen Bauwerken einfach nur hässliche „Schandflecken“ oder „Bausünden“ aus einer anderen Zeit. Brutale und manchmal auch einschüchternde Bauwerke. Vielerorts mag das sicherlich ohne Zweifel zutreffen. Man kann diesen „Betonmonstern“ aber auch positive Gesichtspunkte abgewinnen.

Persönlich bin ich mehr als gespalten was das Thema anbetrifft. Einerseits finde ich die klotzige Bauweise, ohne vordergründig erkennbare Raffinessen, abschreckend und geschmacklos. Bauten wie die weiter unten gezeigte Kirche St. Andreas, stehen auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper in der Landschaft. Diese großen und groben Auffälligkeiten, vornehmlich aus den 1960er und 70er Jahren, verzichten auf Putz und Farbe und zeigen sich so gesehen ehrlich und direkt. Ausgefallene Formen und dramatische Linien sind hier die Wahl des Handwerks.

Einer dieser positiven Gesichtspunkte ist die grundsätzliche Eigenschaft, dass hier die Funktion die Form bestimmt, und nicht – wie sonst üblich – umgekehrt. Das bedeutet im Klartext, dass Gebäude dieser Epoche in der Regel Zweckbauten sind, die diesen Titel verdienen. Sie folgen einem Zweck und erfüllen ihn kompromisslos – mehr aber auch nicht. Es gibt keine „Schnörksel“ und nichts wird versteckt.

Was ist Brutalismus?

Der Begriff wurde 1953 von der britischen Architektin Alison Smithson geprägt und durch Reyner Banham im Dezember 1955 mit einem Aufsatz in der Architectural Review lanciert. Er verweist dabei auch auf den durch Le Corbusier gesetzten Begriff béton brut, wörtlich ‚roher Beton‘, dem französischen Ausdruck für Sichtbeton. Trotz der Betonung des Betons erlaubt der Stil auch andere Materialien wie Metall, Ziegel oder Stein.

Als erster brutalistischer Bau gilt die Schule in Hunstanton von Alison und Peter Smithson (1949–1954), auch Bauten von Le Corbusier, vor allem das Kloster Sainte-Marie de la Tourette bei Éveux-sur-l’Arbresle und die Unité d’Habitations in Marseille, Firminy, Berlin und Nantes waren für den Brutalismus richtungsweisend.

Der Brutalismus setzte sich in den 1960er Jahren durch und blieb präsent bis in die 1980er Jahre. Der Baustil geriet ab dann vielfach in Verruf; erst Anfang des 21. Jahrhunderts begann eine Phase der Wiederentdeckung, insbesondere angesichts von Abrissen oder entstellender Umbauten. 1)Wikipedia Artikel zum Thema Brutalismus –> Abgerufen am 08.11.2017

Brutalismus in Würzburg

In Würzburg gibt es einige gute Beispiele für den Brutalismus. Zu finden sind diese aber bei weitem nicht nur in den Stadtteilen Heuchelhof oder Lindleinsmühle die in den 1960er und 1970er Jahren geplant wurden und entstanden sind. Auch in anderen Stadtteilen und mitten in der Stadt befinden sich derartige „Betonklötze“ die heute gerne als „Bausünde“ bezeichnet werden.

St. Andreas als Paradebeispiel

Die katholische Kirche St. Andreas im Stadtteil Sanderau ist förmlich ein Paradebeispiel für das Thema Brutalismus. Die quadratische Anlage aus Sichtbeton mit schrägem Pyramidendach wurde im Jahr 1967 erbaut. Das Kirchenschiff hat die Form einer Pyramide, die das Zelt Gottes unter den Menschen symbolisieren soll. Architekt war der in Würzburg geborene Lothar Schlör aus München, der auch die Kirche St. Jakobus der Ältere im Stadtteil Versbach geschaffen hat.

So „klobig“ und „einfach“ diese Kirche von außen wirken mag, eröffnet sie erst beim Blick in das Innere ihre herausragenden Eigenschaften. Durch die Dachkonstruktion als Pyramide mit Lichtschlitzen, ergibt sich an vielen Stellen und abhängig vom Stand der Sonne ein ganz besonderer, teilweise nahezu mystischer Lichteinfall. Die Akustik ist trotz des glatten Betons wider erwartend nicht von einem großen Nachhall geprägt. Persönlich empfinde ich den Innenraum sehr solide und von daher weniger einschüchternd als vertrauenerweckend. Aber wie so oft beim Thema Architektur: Die Geschmäcker sind vollkommen verschieden und jeder Besucher wird einen anderen Eindruck haben. Man muss sich auf alle Fälle – vor allem bei diesem Gebäude – auf die Architektur einlassen und sie akzeptieren um Gefallen daran finden zu können.

Brutalismus im TV

Diverse Fernsehbeiträge – vornehmlich aus dem Bereich Kultur – berichten über das Thema Brutalismus. So zum Beispiel auch das NDR Kulturjournal im Oktober 2016.

Wer noch tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich den Film Le Corbusier – Das „Couvent De La Tourette“ aus der ARTE-Reihe „Baukunst“.

Brutalismus weltweit

Wikipedia zeigt in einem Extra-Artikel brutalistische Bauwerke und ihre genauen Funktionen sowie Standort weltweit.

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