Heidingsfeld

Der Würzburger Stadtteil Heidingsfeld – im Volksmund auch „Hätzfeld“ oder „Das Städtle“ genannt – war tatsächlich ehemals eine kleine eigenständige Stadt. Denn Heidingsfeld wurde erst im Jahr 1930 auf Wunsch der Bürger zu Würzburg eingemeindet und war vorher eine selbständige Stadt.

Blick auf die historische Stadtmauer von Heidingsfeld.

Historische Stadtmauer von Heidingsfeld.

Gerade deshalb hat sich vielleicht auch der eigenständige Charakter des Stadtteils mit seiner historischen und denkmalgeschützten Stadtmauer erhalten. Das ehemalige Stadtgebiet erstreckte sich vom Steinbachtal bis zum heutigen Stadtteil Heuchelhof.

Die historische Stadtmauer von Heidingsfeld

Die Stadtmauer war ursprünglich 2210 Meter lang. Heute misst sie in einfachem Umfang 1690 Meter. Die fehlenden Meter entfielen auf die Ummauerung um den Stadtbach. In der Stadtmauer, die vorwiegend aus Muschelkalkstein besteht, befanden sich 14 Türme. Trotz vieler Beschädigungen über die Jahrhunderte hinweg, zuletzt durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, umschließt die Stadtmauer heute noch weitgehend den Kern von Heidingsfeld.

Die Bürgerschaft Heidingsfeld setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt ihrer gotischen Stadtumwehrung ein. Restauriert wurden im Jahr 2006 von der Stadt Würzburg unter anderem zwei Wehrbrücken und der Salmannsturm. Weitere herausragende Teile der Stadtmauer, wie den Stegenturm, wird die Stadt mit Hilfe der engagierten Heidingsfelder Bürger restaurieren.

Die Geschichte von Heidingsfeld

Blick auf den restaurierten Stegenturm in der Stegenturmgasse.

Stegenturm in der Stegenturmgasse.

Urkundlich erwähnt wurde Heidingsfeld in einer Marktbeschreibung von 779 n. Chr. Ursprünglich soll der Name von „Hedans Feld“, also Stadt des thüringischen Herzogs Hedan kommen.

1367 bekam Heidingsfeld die Stadtrechte verliehen. 1565 ließen sich aus Würzburg vertriebene Juden in Heidingsfeld nieder. Der Ort wurde so zu einem wichtigen religiösen Zentrum der jüdischen Gemeinde und war im frühen 18. Jahrhundert Sitz des Ober-Rabbiners von Unterfranken. Im frühen 19. Jahrhundert hatte Heidingsfeld (nach Fürth) die zweitgrößte jüdische Gemeinde im damaligen Königreich Bayern.

Die Schweden unter Gustav Adolf II. eroberten die Stadt im 30-jährigen Krieg – bis heute existiert in der Sage vom „Giemaul“ ein Nachhall, die dazu gehörige Figur hängt noch heute am Rathaus und ist ein Wahrzeichen von Heidingsfeld (siehe Artikel auf der rechten Seite).

1930 wurde die Stadt nach Würzburg eingemeindet, bei der Reichspogromnacht wurde 1938 die Synagoge in Heidingsfeld zerstört. 1945 wurden 85 % des Ortes bei Luftangriffen verheerend beschädigt. Die Folgen davon kann man heute noch teilweise an der alten Stadtmauer erkennen.

Bilder aus dem Stadtteil Heidingsfeld

Die Bilder der ersten Reihe wurden im Jahr 2008 aufgenommen. Die restlichen Bilder stammen von einem schönen Sonntagnachmittag im September 2012.

Die Heidingsfelder Stadtteile

Altstadt

Der Altort ist im wesentlichen das Gebiet innerhalb der Stadtmauer und wird im Volksmund als „Städtle“ bezeichnet (im Gegensatz zur „Stadt“, mit der gemeinhin die Würzburger Innenstadt gemeint ist).

Lehmgrubensiedlung

Die Lehmgrubensiedlung ist eine Wohnsiedlung am Hang des Blosenbergs nordöstlich der Eisenbahnstrecke Würzburg-Lauda-Königshofen. Dort existiert kaum mehr Einzelhandel, es bestehen jedoch gute Verkehrsanbindungen über die Buslinie 16 in die Innenstadt.

Entstehungsgeschichte der Lehmgrubensiedlung: In den 1930er Jahren bauten die Bürger erste Siedlerhäuschen mit großem Gartengrundstück in Eigenleistung. Hierbei wurden zunächst die Häuser von allen gemeinsam erbaut und anschließend unter den zukünftigen Bewohnern verlost.

Blick von den herbstlichen Weinbergen am Katzenberg über Heidingsfeld nach Würzburg.

Blick von den herbstlichen Weinbergen am Katzenberg über Heidingsfeld nach Würzburg.

So wurde sichergestellt, dass sich niemand beim Bau der Häuser übervorteilte. Die großen Gärten waren notwendig, um genug Lebensmittel anbauen zu können, da als Folge der Weltwirtschaftskrise viele Bewohner verarmt waren. 1957 war die Einweihung der Katholischen Pfarrkirche „Zur Heiligen Familie“. In den 1960er und 1980er Jahren folgte die Erschließung weiterer Baugebiete, die bis in die 1990er Jahre dauern sollten.

Katzenberg

Der Ortsteil Katzenberg erstreckt sich westlich der Eisenbahnlinie Würzburg-Ansbach am Hang des Katzenbergs und Kirchbergs. Wie die Lehmgrubensiedlung ist der Katzenberg ein reines Wohngebiet. 1)Artikel bei Wikipedia.de zum Thema Heidingsfeld

Ortskernsanierung in Heidingsfeld

Die Stadt Würzburg hat sich mit dem Ortskern von Heidingsfeld beworben, ab 2014 in das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Aktive Stadt-und Ortsteilzentren“ aufgenommen zu werden. Ziel dieses Förderprogramms ist es, die Ortskerne als Zentren für Handel, Dienstleistung, Kultur, Bildung und Wohnen nachhaltig zu stärken und neu zu beleben.

Neben Aufwertungsmaßnahmen im öffentlichen Raum und der Unterstützung privater Maßnahmen zur Verbesserung des Ortsbildes ist ein weiterer elementarer Baustein des Programms die Aktivierung des bürgerschaftlichen Engagements. Um Gestaltungsmöglichkeiten zur Umsetzung der gemeinsam entwickelten Ideen und Projekte zu haben, wird innerhalb des Programms ein Verfügungs- bzw. Projektfonds eingerichtet, der sich jeweils zur Hälfte aus privaten und öffentlichen Mitteln finanziert. Da die Heidingsfelder Bewohner, Eigentümer und Geschäftsleute in verschiedenen Vereinen und Interessensgruppen bereits sehr aktiv und gut organisiert sind, kann auf den bestehenden Strukturen aufgebaut werden.

Ende Januar 2014 hat die erste konstituierende Sitzung der Standortgemeinschaft mit Vertretern der Bürgervereinigung Heidingsfeld, der Heidingsfelder Selbständigen, der IG Kerngebiet Städtle, der Pfarreigemeinschaft Heidingsfeld und der Haupteinkaufsstraßen sowie Vertretern aus Politik und Verwaltung stattgefunden. Durch einen Stadtratsbeschluss sollten diese Mitglieder der Standortgemeinschaft Heidingsfeld legitimiert werden, eigenständig über die Maßnahmen, die über den Verfügungs- / Projektfonds finanziert werden sollen, zu entscheiden.

Über den Fonds werden in der Regel kleinere Maßnahmen gefördert bzw. bezuschusst, die nicht im direkten Zusammenhang mit großen Bau- und Ordnungsmaßnahmen stehen und somit nicht regulär über die Städtebauförderung abgewickelt werden. Als Beispiele können Mobiliar und Spielgeräte für den öffentlichen Raum, Begrünungen, Beleuchtungen, Informationstafeln, eine Stadtteilzeitung, ein Internetauftritt, ein Newsletter, ein Baustellenmanagement oder die Finanzierung von Events wie z.B. ein Adventsmarkt oder ein Kinderspieltag genannt werden.

Der Heidingsfelder Verfügungs- / Projektfonds kann mit bis zu 20000 Euro ausgestattet werden, d.h., dass bei einer maximalen Akquise von 10000 Euro privater Mittel pro Jahr der Fonds mit öffentlichen Geldern in gleicher Höhe bezuschusst wird. Der Fonds ist ab 2015 eingeplant, so dass im Jahr 2014 die erforderlichen Gelder entweder durch Spenden oder Aktionen, die einen gewissen Erlös dem Verfügungsfonds zuführen, eingenommen werden können. 2)Pressemitteilung der Stadt Würzburg vom 30.12.2013

Verkehrsanbindungen in Heidingsfeld

Der Stadtteil Heidingsfeld ist mit den Bereichen Lehmgrubensiedlung und Katzenberg relativ gut an den ÖPNV angebunden. Die ehemalige Linie 23, die von der Reuterstraße in die Lehmgrubensiedlung fuhr, wurde vor einigen Jahren komplett eingestellt und durch einen teilweise geänderten Streckenverlauf der Linie 16 (fährt über Lehmgrubensiedlung und Frauenland bis Dominikanerplatz in der Innenstadt) ersetzt.

Zentraler Umsteigepunkt in Heidingsfeld ist die Reuterstraße. Hier starten auch die Linie 31 (Guttenberger Forst) und 33 (Katzenberg). Zusätzlich halten hier die Straßenbahnlinien 5 (Heuchelhof) und 3 (Heuchelhof / Rottenbauer). Bevor die Straba zum Heuchelhof gebaut wurde (Fertigstellung im November 1989) waren hier auch die Abfahrtpunkte der Buslinien 30 (Heuchelhof) und 32 (Rottenbauer), welche aber natürlich zugunsten der neu erbauten Straßenbahnlinie 5 eingestellt wurden.

Ehemalige Straßenbahnschienen am alten Ostbahnhof in Heidingsfeld.

Ehemalige Straßenbahnschienen am alten Ostbahnhof.

Noch bis vor einigen Jahren fuhr die Straßenbahnlinie 3 auf einer eingleisigen Strecke durch die engen Straßen im „Städtle“ und hatte ihre Endstation am Ostbahnhof in Heidingsfeld. Die Linie wurde aber mit der letzten Fahrt am 8. Juni 2001 wegen des immer stärker werdenden Autoverkehrs in Heidingsfeld eingestellt. Oftmals war es einfach zu eng für Straba und Autos.

Einige Jahre nach der Einstellung des Regelverkehrs bestand wieder verstärktes Interesse an einer Neuaufnahme des Betriebes. Dafür machte sich unter anderem die „Interessengemeinschaft Würzburger Straßenbahn“ (IWS e.v.) stark. Die Gleise wurden damals nicht entfernt, um eine Wendemöglichkeit zu haben. Außerdem wäre die Komplettentfernung sicher zu teuer geworden. Zur 10-jährigen „Fahrplanruhe“ der Linie 3 wurde am 19.11.2011 eine Sonderfahrt mit einem der alten Triebwagen veranstaltet.

Auch gibt es viele Bürger und Pendler, die sowohl den Ostbahnhof in Heidingsfeld als auch den Westbahnhof in der Lehmgrubensiedlung gerne wieder als Haltepunkte der Bahn sehen würden. Gerade für die Heidingsfelder war dies eine ideale Pendlermöglichkeit in die Innenstadt. Zusätzlich nutzten viele Pendler aus Ochsenfurt und anderen Umlandstädten- und Gemeinden den kleinen alten Bahnhof. Ein Zug brauchte vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof unter 10 Minuten. Mit Zubringerbus und Straßenbahn ist man in Richtung Hauptbahnhof fast 30 Minuten durch die ganze Stadt unterwegs. Zwischenzeitlich setzt sich auch der VCD (Verkehrsclub Deutschland) für eine Wiederbelebung des Haltepunktes ein. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Thema in den nächsten Jahren entwickelt.

Nachtrag 2013:

Die oben genannten Pläne, die Strecke wieder zu aktivieren, sind inzwischen hinfällig. Grund ist, dass die Strecke durch Heidingsfeld alleine schon dadurch unbefahrbar gemacht wird, dass die Betonmasten, welche die Oberleitung halten, entfernt werden müssen. Denn im Bereich der Haltestellen Walther-Schule und Ostbahnhof stehen Oberleitungsmasten, die sozusagen einsturzgefährdet sein könnten. 2012 knickte ein baugleicher Mast in der Zellerau um. Seitdem wurde die WSB von der Regierung von Mittelfranken (in diesem Fall die technische Aufsichtsbehörde) dazu verpflichtet, bis zur Frostperiode 2014 im gesamten Streckennetz alle diese Masten auszutauschen. Eine Reaktivierung der Straßenbahn zum Ostbahnhof bräuchte neben einer Erneuerung der Masten (Kostenpunkt: 500000 Euro) außerdem auch eine Erneuerung der mehr als 40 Jahre alten Gleisanlagen, der Fahrleitung und der Signalanlagen. Kostenpunkt: Vier Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund hat der Aufsichtsrat der WSB ein Verfahren zur Einstellung des Straba-Betriebs eingeleitet. Und damit werden eben die 24 Masten einfach zurückgebaut. Damit ist die Sache „Wiederbelebung der Linie 3“ für immer erledigt. 3)Main-Post Artikel „24 Straba-Masten werden gekappt“ vom 01.03.2013

Nachtrag 2016:

Zwischenzeitlich wurden auch alle Schienen aus den Straßen entfernt. Die WSB hat sich damit also die Möglichkeit genommen, jemals wieder eine Straßenbahn hier fahren zu lassen. Eine derartige Streckenstillegung ist in Würzburg (zum Glück) etwas sehr Seltenes. Erinnern kann ich mich da spontan nur an eine Strecke, die ursprünglich ins hintere Steinbachtal führte. Davon wissen heute nur wenige Leute in Würzburg.

Geschichte und Geschichten – Das Heidingsfelder „Giemaul“

Das Rathaus in Heidingsfeld

Das Rathaus in Heidingsfeld

Die Schweden hatten Würzburg bereits eingenommen, da leistete das benachbarte Städtchen Heidingsfeld noch immer tapferen Widerstand. So schnell wären die Feinde nicht hinter die starken Mauern gekommen, hätten sie nicht einen Verräter gefunden. Ein Ratsherr namens Hemmerlein wäre gerne Bürgermeister geworden und glaubte, die Schweden würden ihn aus Dankbarkeit in dieses Amt einsetzen, wenn er sie auf heimlichen Wegen in die Stadt brächte.

Die Giemaul-Figur hängt am Rathaus und ist ein Wahrzeichen von Heidingsfeld.

Die Giemaul-Figur hängt am Rathaus und ist ein Wahrzeichen von Heidingsfeld.

So ließ er sich nachts an einem Seil die Mauer hinunter und führte eine Abteilung Schweden zum „Nonnengarten“, wo der Kanal unter der Mauer hindurch das Eindringen in die Stadt ermöglichte. Die ahnungslosen Wachen wurden leicht überwältigt, durch die geöffneten Tore stürmten die Schweden und besetzten die Stadt.

Aber der schwedische Hauptmann beließ den alten Bürgermeister in seinem Amt; 100 Dukaten waren der Judaslohn für den Verräter. Der lebte nun in ständiger Angst, dass eines Tages seine Schandtat aufkäme. Das geschah auch, als die Schweden nach drei Jahren abgezogen waren. Man hätte den Schurken an den Galgen gehängt, wäre er nicht vorher tot zusammengebrochen.

Zur Erinnerung wurde sein Bildnis, ein schwarzbärtiger Männerkopf mit heraushängender Zunge, der Rathausuhr vorgesetzt. So oft die Glocke schlägt, so oft klappt das Giemaul auf und zu. Wenn ein Spatz beim Zwölf-Uhr-Schlag einfliegt, muss er eine Stunde im finsteren Giemaul bleiben, bis es sich um ein Uhr wieder öffnet. 4)Karl Treutwein – „Das Heidingsfelder Giemaul“. – Sagen aus Mainfranken – Stürtz, Würzburg 1969

An das „Giemaul“ wird auch in der Faschingsgilde Giemaul erinnert, denn schon zur Zeit der Eroberung waren viele Heidingsfelder Bürger der Meinung, dass eine Eroberung nicht abzuwenden war. Durch das Öffnen des Tors tat „Giemaul“ der Stadt den Gefallen, die Zerstörung durch die Belagerer zu umgehen. 5)Artikel bei Wikipedia.de zum Thema Heidingsfeld

Unterwegs im Stadtteil Heidingsfeld

Virtueller Rundgang mit Sehenswürdigkeiten in Heidingsfeld

Quellenangaben   [ + ]

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