Gerbrunn

Die Gemeinde Gerbrunn im Landkreis Würzburg hat sich für mich persönlich eigentlich immer wie ein Stadtteil von Würzburg angefühlt. Denn der kleine Ort vor den Toren Würzburgs liegt ja durchaus näher an der Stadt als die entfernteren Stadtteile wie z.B. Rottenbauer oder Lengfeld. Trotzdem ist es eine eigene Gemeinde im Landkreis Würzburg und eben kein Stadtteil. Und dafür gibt es einen guten Grund für dessen Verständnis man ein paar Jahrzehnte zurückschauen muss.

Gerbrunn: Die Gemeinde die nicht zu Würzburg gehören wollte

Blick auf Gerbrunn im Landkreis Würzburg.

Blick auf Gerbrunn im Landkreis Würzburg.

Zwischen 1971 und 1980 gab es in Bayern die sogenannte Gemeindegebietsreform. Das Ziel dieser Reform war es, leistungsfähigere Gemeinden und Landkreise zu schaffen. Unter anderem auch um Geld in der Verwaltung zu sparen. Denn viele kleine Gemeinden die alle eigene Rathäuser mit Mitarbeitern und Beamten haben, kosten natürlich mehr Steuergelder als ein gemeinsames Rathaus.

Kleinere Gemeinden sollten also aufgelöst und mit größeren Gemeinden oder Städten zusammengelegt werden. Das wurde damals auch getan. Die Zahl der Gemeinden in Bayern wurde in dieser Zeit von 7004 auf 2050 reduziert.

Hochhäuser in Terrassenbauweise mit Blick über den Ort.

Hochhäuser in Terrassenbauweise mit Blick über den Ort.

Die Stadt Würzburg hatte damals den Antrag gestellt insgesamt 13 Gemeinden aus dem Umland einzugemeinden. Versbach, Lengfeld, Rottenbauer und Unter- und Oberdürrbach wurden Stadtteile von Würzburg. Es sollten aber auch zum Beispiel Höchberg, Veitshöchheim, Margetshöchheim, Zell, Rottendorf, Randersacker und einige weitere nach Würzburg kommen, darunter auch Gerbrunn.

Die Idee kam damals in den bayerischen Gemeinden teilweise gar nicht gut an und so regte sich Widerstand. In Gerbrunn lehnte der Gemeinderat das Vorhaben einstimmig als indiskutabel ab. Bei einer Bürgerversammlung im April 1971 stimmten auch 300 Bürger des Ortes dagegen. Und dabei ist es dann geblieben.

Deshalb ist Gerbrunn auch heute noch eine eigene Gemeinde und eben kein Stadtteil von Würzburg, auch wenn es sich wegen der Nähe zur Stadt vielleicht ein wenig so anfühlt. 1)Danke an die Macher vom Würzburgwiki die mich bei der Recherche zu diesem Thema ganz toll unterstützt haben!

Wie Gerbrunn zu seinem Namen kam

Was den Ortsnamen betrifft, gibt es wie so oft verschiedene Deutungen: Zum Einen nimmt man an, dass der Name aus einer Zusammensetzung von verschiedenen Silben stammt. Die Silbe “Ger” ist althochdeutsch und bezeichnet einen „Wurfspieß“; unter anderem auch deswegen, weil Gerbrunn aufgrund der topografischen Lage in seiner Entstehungszeit wohl in ungefähr so aussah. 

Das Wappen von Gerbrunn.

Das Wappen von Gerbrunn.

Einer anderen Überlieferung zufolge hängt das „Ger” nicht mit dem Wurfspieß zusammen, sondern ist mit einer begüterten fränkischen Adeligen namens Gerwine verbunden. Sie besaß im Ortsgebiet von Gerbrunn einen Brunnen bzw. eine Quelle. Man kann also auch sagen: “Gerwines Brunnen” war der Namensgeber von Gerbrunn. Und dieser Brunnen wiederum wird auch in der Würzburger Markungsbeschreibung von 779 genannt – ist also vermutlich die wahrscheinlichere Variante für die Herkunft des Ortsnamens. Da der Brunnen eine wichtige Rolle in diesem Ort spielt, findet man ihn auch im Ortswappen wieder.

Übrigens gibt es hier seit bald 30 Jahren auch das Gerbrunner Brunnenfest das immer im August veranstaltet wird. Das ist so ein richtiges Straßenfest wie man es aus vielen fränkischen Weinorten kennt.

Warum die “Römerbrücke” eine Ruine ist

Adam Friedrich von Seinsheim

Adam Friedrich von Seinsheim

Am Ortsrand von Gerbrunn – fast schon wieder auf Würzburger Gebiet – gibt es ein besonderes Stück historischer Architektur zu sehen. Es geht zurück auf den Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim. Er war Mitte des 18. Jahrhunderts darum bemüht, den Handel und die Industrie in seinem Bistum zu fördern – er wollte also auf gut deutsch die Wirtschaft ankurbeln. 

Die alte Römerbrücke von Gerbrunn.

Die alte Römerbrücke von Gerbrunn.

Dazu wurden schon damals zahlreiche Straßen ausgebaut oder neu angelegt. Eine der wichtigsten Straßen war die alte Handelsroute zwischen Wien, Nürnberg, Würzburg und Frankfurt am Main. Diese Straße führte damals nördlich am Ort vorbei, zog sich durch das sumpfige Haslachtal und verlief dann steil über die Roßsteige in Richtung Biebelried.

Gerade dieser letzte, extrem ansteigende Teil war für Händler mit ihren Handkarren und Pferden schwer zu bewältigen. Der Fürstbischof wollte Abhilfe schaffen und gab eine Brücke durch das Tal in Auftrag.

Zuerst ließ er einen bis zu acht Meter hohen Damm aus Bruchsteinen aufschütten, auf dem danach die neue Straße als West-Ost-Verbindung gebaut wurde. Die Haslach wurde anschließend durch zwei Brückenbauwerke überbaut. Die größere der beiden Brücken ist die heutige Römerbrücke. Im Jahr 1769 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Im Sonnenuntergang unter der Römerbrücke.

Im Sonnenuntergang unter der Römerbrücke.

Da das Gebiet hier seinerzeit ziemlich sumpfig war, senkte sich der Bau innerhalb kurzer Zeit ab und es bildeten sich Risse in der Brücke. So sollte diese damals durchaus fortschrittliche Idee nur drei Jahre halten – dann musste die Brücke gesperrt und die Straße neu gebaut werden. Sie führte dann im Tal über Rottendorf nach Biebelried.

Als dann 1854 die Eisenbahn nach Würzburg kam und auch Postkutschen längst zum alten Eisen gehörten, war klar, dass eine Sanierung überflüssig war. Fußgänger durften die Brücke noch bis 1960 benutzen, dann wurde sie endgültig gesperrt. 

Warum sie Römerbrücke genannt wird, ist heute nicht mehr so ganz klar. Mit den Römern hat das Bauwerk auf alle Fälle nichts zu tun. Man vermutet heute, dass der Name entweder vom früheren ruinösen Zustand kommt – ein Spottname also. Oder aber weil dies hier ja einst der Weg zum „Römer“, also dem Rathaus und Handelszentrum in Frankfurt am Main war.

Weitere Fotos aus Gerbrunn

Da ich 2019 überwiegend zum Filmen für mein Sonntagsvideo vor Ort war (siehe weiter unten), habe ich leider nur ein paar wenige Fotos angefertigt. Früher oder später werde ich das sicherlich noch nachholen. 😉

Sonntagsvideo

Für meine Videoreihe “Das Sonntagsvideo” war ich im Februar 2019 vor Ort.

Weblinks

Gerbrunn bei OpenStreetMaps

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Quellenangaben   [ + ]

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